Die  Kultur  unter  den  sächsischen  Raisern.  111

vorangehen,  allein  schon  im  Frühjahr  1024  starb  Benedikt,  und  am  13.  Juli  desselben
Jahres  folgte  ihm  Heinrich  nach.  Seine  Leiche  wurde  in  der  Kathedrale  zu  Bamberg
beigesetzt,  seine  Gemahlin  Kunigunde,  die  bis  zur  neuen  Königswahl  die  Regierung
leitete,  überlebte  ihn  um  neun  Jahre.  „Die  Verehrung  des  im  Leben  und  Tod  eng
verbundenen  Paares  blieb  vor  allem  in  Bamberg  heimisch.  Heinrich  und  Kunigunde  sind
die  Schutzpatrone  des  Bamberger  Bistums,  ihren  Namen  ist  der  Hochaltar  des  Domes
geweiht,  ihr  Andenken  lebt  überall  im  Lande“.

Die  Geschichte  des  sächsischen  Kaiserhauses  zeigt  uns  zwei  große  Herrscher,  von
denen  der  eine,  Heinrich  I.  das  Deutsche  Reich  gründete,  der  andere  Otto  d.  G.  es  rasch
zu  einer  Weltmacht  erhebt.  Diese  Größe  behauptete  Otto  II.  mit  Mühe,  unter  dem
Kinde  Otto  III.  bricht  sie  zusammen.  Heinrich  II.  baut  die  Kaisermacht  besonders  auf
geistlicher  Grundlage  wieder  auf,  und  sie  bleibt  noch  immer  die  erste  Gewalt  im  Abendlande.
  Aber  die  Herzöge,  unter  Otto  d.  G.  wie  absetzbare  Beamte  betrachtet,  sind  bereits
erblich  geworden,  und  beschränken  den  Willen  des  Königs.  Unter  den  beiden  ersten
Herrschern  beginnt  die  sich  weithin  erstreckende  Unterwerfung  und  Kolonisation  des
slavischen  Ostens.  Doch  Otto  I.  gibt  der  kaiserlichen  Politik  zugleich  die  Richtung  auf
Italien,  die  unter  den  beiden  anderen  Ottonen  entschieden  überwiegt,  und  so  gehen  die
Eroberungen  des  Reichs  gegen  die  Wenden  auf  Jahrhunderte  wieder  verloren.  In
Deutschland  aber  waren  die  Stämme  wenigstens  zu  einer  Reichseinheit  verbunden,  die
hinfort  nicht  mehr  gelöst  werden  konnte.

Die  Kultur  unter  den  lächsischen  Kaoisern.

In  dem  Ringen  um  die  Herrschaft,  in  welchem  wir  in  dem  verflossenen  Zeitraume
Deutschland  und  Italien  die  Kräfte  messen  sahen,  lag  zugleich  auch  der  Beginn  einer
neuen  Kulturperiode  für  unser  deutsches  Vaterland.  Wohl  hatte  auch  schon  in  dem
vorhergehenden  Zeitraume  die  geistige  Beziehung  zwischen  den  beiden  Ländern  ihren
Einfluß  auf  die  Kultur  des  deutschen  Landes  geltend  gemacht.  Allein  noch  finden  wir
dort  nicht  den  Fortschritt,  den  wir  nun  hier  erblicken,  die  Berührung  war  noch  nicht  die
innige  wie  jetzt,  wo  deutsche  und  italienische  Interessen  sich  mehr  und  mehr  kreuzten  und
der  Zauber  Roms,  der  Stadt  der  gewaltigen  Imperatoren,  über  der  noch  immer  ein
Schimmer  ihrer  glänzenden  Vergangenheit  ausgebreitet  lag,  zog  immer  mächtiger  die
Deutschen  an  sich,  also  daß  ein  Mann  wie  Otto  III.,  edel  veranlagt,  aber  ohne  innere
Klarheit,  sich  ihmm  ganz  gefangen  gab,  und  von  einem  Reiche  träumte,  wie  es  doch  nimmer
entstehen  konnte.  Ihn  hat  der  Zauber  der  goldenen  Stadt  verlockt,  also  daß  er  des
Vaterlandes  und  der  deutschen  Heimat  vergaß,  und  viele  sind  ihm  nachgefolgt,  sich  und
Rom  zum  Verderben.

Innerlich  und  äußerlich  war  Deutschland  ein  anderes  geworden.  Immer  wieder
war  es  der  Gefahr  des  Verfalls,  vor  dem  es  mehr  als  einmal  so  nahe  stand,  durch  eine
kräftige  Hand  entrissen  worden,  und  wenn  die  Verfassung  des  Deutschen  Reiches  gar
manche  Veränderung  erlitten,  so  war  nun  auch  die  Stellung  des  Kaisers  zu  seinen
Großen  und  dem  Klerus  eine  ganz  andere.  Das  Wahlkaisertum  gab  dem  Fürsten  eine