118  Die  fränkischen  oder  salischen  Kaiser.

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Alle  bei  der  Wahl  Beteiligten  geleiteten  ihn  nach  Mainz,  wo  er  gekrönt  und  gesalbt
wurde.  Bei  der  Krönung  mahnte  ihn  der  Erzbischof  an  seine  Pflicht,  Gerechtigkeit  und
Frieden  zu  handhaben,  die  Kirche  zu  beschützen  und  den  Witwen  und  Waisen  zu  helfen.
Und  nun,  Herr  König,  schloß  er,  bittet  Dich  die  heilige  Kirche  mit  mir  um  Gnade  für  alle,
die  Dich  bisher  beleidigt  haben;  hier  ist  ein  edler  Mann,  der  Dir  Feindliches  getan,
mögest  Du  ihm  und  allen  andern  verzeihen,  um  der  Liebe  Gottes  willen,  die  Dich  heute
hier  auf  Erden  an  ihre  Statt  setzt,  und  so  wie  Du  wünschest,  daß  einst  Gott  Dir  verzeihen
  möge.  Der  König  war  überrascht  und  bis  zu  Tränen  gerührt,  aber  kein  Wort,
keine  Gebärde  sprach  aus,  was  in  ihm  vorging.  Da  vereinigten  alle  Anwesenden,  Prä-·4—

  laten,  Herzöge  und  alles  Volk  ihre  Bitte  mit  der
—'"  des  Erzbischofs  und  der  König  sprach  es  aus,  daß
er  allen  seinen  Feinden  verzeihen  wolle.  Da  war
eine  Freude  in  der  ganzen  Versammlung,  so  daß
viele  vor  Freude  weinten.  Dann  leisteten  alle  vom
Herzog  und  Erzbischof  bis  zu  den  anwesenden  gemeinen
  Freien  durch  Handschlag  den  Eid  der  Treue.
Konrad  war  eine  edle  Natur,  voll  Kraft
und  Wollen,  er  wußte  seine  Zwecke  zu  verfolgen
und  die  Mittel  zu  wählen,  die  zum  Ziele  führten,
ein  Kriegsheld  und  ein  Staatsmann  wie  kaum  einer
seiner  Zeit.  Aber  eine  gewisse  Härte  charakterisierte
ihn,  und  eine  entschiedene  Richtung  zur  Prosa.
Alles  ist  an  ihm  nüchtern  wie  an  seiner  Zeit,  ohne
höhere  Bildung  und  höheren  Sinn.  Ein  hochpoetisches
  Bild  jedoch  ist  in  das  graue  Einerlei
des  Gewebes,  das  seine  Regierung  bildet,  hineingestellt,
  die  Episode  mit  seinem  Stiefsohn  Herzog
Ernst  von  Schwaben.
Es  war  Konrad  bald  gelungen,  den  Frieden
in  Deutschland  wenigstens  äußerlich  und  für  eine
Zeitlang  herzustellen.  Sein  alter  Freund  und
Konrad  u.  Waffengenosse  Werner,  Bischof  Bruno  von  Augs-Nach
  dem  Gemalde  von  Lorenz  burg,  der  Bruder  Heinrichs  II.,  und  Bischof  Werner
Clasen  im  Römer  zu  Frankfurt  a.  M.  von  Straßburg  standen  ihm  mit  treuem  Rat  zur
Seite.  Indem  er  Basel  dem  Reiche  sicherte,  gab
er  damit  zu  verstehen,  daß  er  die  Ansprüche  auf  Burgund,  welche  Rudolf  und  seine
Fürsten  als  mit  dem  Tode  Heinrichs  II.  als  erloschen  darstellen  wollten,  keineswegs  aufgebe,
  wenn  auch  Rudolf  nach  ihrer  Ansicht  nicht  dem  Reiche,  sondern  nur  seinem  Verwandten
  Heinrich  die  Nachfolge  zugesichert  habe.  Allein  als  Gemahl  Giselas,  einer  Nichte
Rudolfs,  glaubte  Konrad  das  gleiche  Recht  zu  haben,  und  war  durchaus  nicht  gesonnen,
dasselbe  aufzugeben.  So  wurde  Rudolf  1025  zu  einem  neuen  Vertrag  genötigt,  der
Burgund  dem  deutschen  Reiche  sichern  sollte.

Konrads  Vorsatz,  nach  Italien  zu  ziehen,  um  dort  des  Römischen  Reiches  Rechte
zu  sichern,  fand  in  der  damaligen  Lage  Italiens  vollkommene  Rechtfertigung.  Kaum
hatte  man  dort  die  Kunde  von  dem  Tode  Heinrichs  II.  vernommen,  als  in  Pavia  die