heinrich  III.  121

politischen  Interessen;  ja  er  eröffnete  sogar,  indem  er  sich  die  Verleihung  der  kaiserlichen
Aemter  nicht  selten  bezahlen  ließ,  der  Simonie  ihre  verhängnisvolle  Bahn.  Daher
wurden  von  allen  Seiten  Klagen  laut  über  die  Verweltlichung  der  Geistlichkeit,  deren  unkirchlicher
  Sinn  sich  nicht  selten  in  einem  anstößigen  Lebenswandel,  sowie  in  Unbotmäßigkeit
  und  Widerspenstigkeit  gegen  den  päpstlichen  Stuhl  kundgab.

Bald  sollte  sich  für  Konrad  wieder  Veranlassung  geben  nach  Italien  zu  ziehen.
Für  den  Unruhestifter  hielt  er  Aribert,  den  er  vergeblich  in  Mailand  belagerte.  Aribert
bewaffnete  damals  zuerst  die  Bürgerschaft  der  Stadt  Mailand,  die  sich  mutig  um  ihren
riesigen  Fahnenwagen,  den  Carroccio  scharte,  und  verlieh  ihnen  Ordnung  und  Rechte;
so  begann  hier  in  Mailand  zuerst  die  italienische  Städtefreiheit  zu  keimen,  mit  der
spätere  Kaiser  so  schwer  zu  rechnen  haben  sollten.  Im  Kampfe  mit  Mailand  tat  der
Kaiser  einen  Schritt,  der  von  mächtigen  Folgen  sein  mußte,  er  erklärte  auch  die  kleineren
Lehen  für  erblich  und  je  gewisser  er  dadurch  der  Macht  und  dem  Wachstum  der  geistlichen
  und  weltlichen  Großen  den  empfindlichsten  Stoß  versetzte,  desto  fester  knüpfte  er  dadurch
  die  kleinen  Vasallen  an  den  Kaiserthron.

An  Gichtschmerzen  leidend  kehrte  Konrad  nach  Deutschland  zurück  und  bestellte  nun
in  der  Ahnung  seines  baldigen  Hinscheidens  sein  Haus.  Auf  einer  Reichsversammlung
zu  Sölothurn  übergab  er  seinem  Sohne  Heinrich  die  Regierung,  und  verbrachte  dann
den  Winter  und  Frühling  des  Jahres  1039  in  Ostfranken,  Sachsen  und  den  Städten  am
Rhein,  überall  bemüht,  den  inneren  Frieden  zu  festigen.  Noch  feierte  er  in  Utrecht  mit
seiner  Gemahlin  und  seinem  Sohne  das  Pfingstfest  in  großer  Pracht.  Am  4.  Juni  1039
schied  er  aus  dem  Leben  und  acht  Tage  nachher  starb  auch  sein  einstiger  Mitbewerber  Konrad.

Auf  das  Volk,  das  den  Kaiser  noch  am  Tage  zuvor  von  all  seiner  Macht  und
Pracht  umstrahlt  gesehen  hatte,  machte  die  erste  Kunde  von  seinem  Tode  einen  gewaltigen
Eindruck.  Wo  hätte  es  auch  jemals  einen  schärferen  Gegensatz  irdischer  Größe  und
irdischer  Hinfälligkeit  gegeben.  Viele  Träuen  flossen  um  Konrad,  denn  vielen  war  er
ein  freigebiger  Herr  gewesen,  und  manchem  war  seine  strenge  Rechtspflege  die  Quelle
reichen  Segens  geworden.  Aber  die  Tränen  der  Menschen  trocknen  schnell,  wenn  sich  die
Trauer  am  den  Verlust  nicht  mit  Besorgnis  vor  naher  Gefahr  und  eigener  Bedrängnis
verbindet.  So  war  der  gewaltige  Kaiser  nur  allzubald  von  der  Masse  vergessen,  welche
die  Erbfolge  gesichert  sah,  und  sich  Großes  von  dem  jungen  König  versprach.  Anders  war
jetzt  die  Lage  des  Reiches,  als  beim  Tode  Heinrichs  II.,  wo  alles  mit  banger  Spannung
der  nächsten  Zukunft  entgegenging.  Aber  auch  das  war  Konrads  Verdienst  und  mit
großem  Recht  klagt  der  Hildesheimer  Annalist  seine  Zeitgenossen  schreienden  Undankes
an:  „Oh  ihr  harten  und  fühllosen  Menschen,“  ruft  er  aus,  „bei  dem  jähen  Tode  eines
Mannes,  in  dem  die  gewaltigste  Kraft  und  Macht  des  Eroberers  unterging,  hört  man
kaum  einen  Seufzer.“

Heinrich  III.  10309  —  1056.

Der  schon  längst  zu  Lebzeiten  seines  Vaters  zum  König  gewählte  und  gesalbte
Heinrich  hatte  von  seiner  klugen  Mutter  Gisela  eine  tüchtige  Erziehung  genossen,  den
Wissenschaften  und  ihrer  Pflege  blieb  der  Kaiser  sein  Leben  lang  treu.  In  Deutschland
hatte  ihm  sein  Vater  geordnete  Zustände  hinterlassen,  Kämpfe  erwarteten  ihn  nur  in  den