122  Die  fräukischen  oder  salischen  Raiser.

Nebenreichen.  Erst  mußte  der  kühne  Herzog  Bretislav  von  Böhmen  zur  Unterwerfung
gezwungen  werden.  In  Ungarn  setzte  er  den  durch  einen  Empörer  vertriebenen  Neffen
und  Nachfolger  König  Stefan  I.,  Peter  wieder  in  seine  Rechte  ein,  ja  Peter  nahm  sogar
sein  Reich  von  Deutschland  zu  Lehen,  während  Heinrich  das  Land  bis  zur  March  und
Leitha,  das  die  Ungarn  im  Laufe  der  Kämpfe  hatten  abtreten  müssen,  als  die  „Neumark
von  Oesterreich“  an  Luitpold  von  Babenberg  verlieh.  Im  Vollbesitz  der  koaiserlichen
Gewalt  vermählte  sich  Heinrich  zum  zweiten  Male  mit  Agnes  von  Poitou,  und  so  mit
dem  fürstlichen  Adel  Frankreichs  verwandt,  konnte  er  um  so  eher  seine  Stellung  in
Burgund  behaupten.  Ja  seine  Pläne  schienen  sogar  darauf  hinauszugehen,  von  Burgund
aus  das  ganz  zersplitterte  Frankreich  zu  beherrschen.

In  die  verwilderten  und  verrohten  Sitten  damaliger  Zeit  suchte  eine  vom  Kloster  von
Cluny  ausgehende
Reform  bessernd
einzudringen.  Dort
regte  sich  ein  ernster,
strenger  und  frommer
  Sinn,  der  sich
zunächst  in  Bußübungen
  und  mönchischer
  Zucht  äußerte,
  dann  aber
auch  zu  weitgehenden
  Reformen  überging.
  Von  hier  aus
wurde  der  zuerst  auf
einer  aquitanischen
Synode  verkündete
Gottesfriede  (Treuga
  Dei)  empfohlen
und  nach  Burgund,
Frankreich  verbreitet.
  Von  Mittwoch  abend  bis  Montag  früh  sollte  keine  Fehde  ausgefochten  werden,  und  die
Kirche  heiligte  diese  ideale  Bestimmung.  Bald  schlossen  sich  all  die  zahlreichen  Klöster  in
Burgund  und  Frankreich  dieser  Kongregation  von  Cluny  an  und  auch  Heinrich  III.  billigte
dieselbe.  Er  sah  nur  in  den  strengsten  Mitteln  eine  Rettung  gegen  das  drohende  Verderben,
und  hielt  sich  als  Kaiser  für  berufen,  diese  den  Völkern  zu  bringen.  Er  selbst  ging  mit
gutem  Beispiel  voran;  er  setzte  hinfort  nur  ernste  und  würdige  Bischöfe  ein,  und  zwar
ohne  Geld  und  Geschenke  von  ihnen  zu  nehmen,  und  trieb  und  mahnte  unablässig  zum  Frieden
und  zur  Versöhnung.  Er  sah  die  Kaiserwürde  als  ein  heiliges  Amt  an,  die  Christenheit
zu  bessern,  und  setzte  die  Kaiserkrone  nie  auf  sein  Haupt,  ohne  vorhergegangene  Beichte
und  Buße.  Indem  er  sich  aber  so  selbst  demütigte,  glaubte  er  sich  um  so  mehr  berufen,

mit  der  gewaltigen  Hand  des  ersten  Herrschers  der  Erde  die  Kirche  aufzurichten.

Von  diesem  Gefühle  geleitet,  entschloß  sich  Heinrich  zu  seiner  Romfahrt,  die  er  im
Jahre  1046  antrat.  In  Rom  herrschten  zu  jener  Zeit  nicht  weniger  als  drei  Pänste.
Auf  einer  Synode  in  Sutri  ließ  Heinrich  alle  drei  absetzen  und  setzte  den  Bischof