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Heinrich  IV.  1:

Pelnrich  IV.  1056  —  1100.

Die  rücksichtslose  Art  und  Weise,  in  welcher  der  verstorbene  Kaiser  Heinrich  die
Machtvollkommenheit  der  Krone  hatte  herzustellen  gesucht,  hatte  unter  den  Großen  seit
lange  eine  Unzufriedenheit  hervorgerufen,  die  nur  durch  Heinrichs  eisernes  Regiment
niedergehalten  worden  war,  nach  seinem  Tode  aber  das  Reich  mit  gefährlichen  Unruhen
bedrohte.  Kaiserin  Agnes,  eine  geistreiche,  sein  gebildete  und  wohlwollende  Fürstin,  die
anfangs  für  ihren  Sohn  die  Regentschaft  führte,
war  freilich  solchen  Stürmen  nicht  gewachsen.  Sie
suchte  darum  die  Großen  durch  Nachgiebigkeit  zu
versöhnen,  indem  sie  die  erledigten  Herzogtümer
neu  besetzte,  allein  ihre  Bemühungen  scheiterten  an
der  Erbitterung  über  den  Einfluß,  den  sie  dem  im
Geiste  Heinrichs  fortwirkenden  Kanzler  desselben,
dem  Bischof  Heinrich  von  Augsburg  auf  die  Verwaltung
  einräumte.  Infolge  dessen  traten  mehrere
der  mächtigsten  Fürsten  zu  einem  geheimen  Bund
zusammen,  der  den  Zweck  hatte,  der  Kaiserin  ihren
Sohn,  und  mit  demselben  zugleich  die  Regierung  zu
entreißen.  An  der  Spitze  dieser  Verschwörung  stand
der  Bischof  Anno  von  Köln  und  eine  günstige  Gelegenheit
  zur  Ausführung  ihres  Planes  bot  sich  den
Verbündeten  bald  bei  dem  Aufenthalt  des  Hofes  in
Kaiserswerth,  wo  das  Pfingstfest  des  Jahres  1062
gefeiert  werden  sollte.  Nach  einem  heiteren  Festmahle
  luden  die  Fürsten  den  jungen  König  ein,  das
prachtvoll  ausgeschmückte  Schiff  Annos  zu  besichtigen;
kaum  hatte  er  jedoch  dasselbe  bestiegen,  als  die
Diener  des  Erzbischofs  zu  den  Rudern  griffen,  und
das  Schiff  nach  der  Mitte  des  Stromes  trieben.
Heinrich,  in  der  Angst  um  sein  Leben,  sprang  in
die  Flut,  wurde  aber  von  seinem  Vetter,  dem  Grafsen
Egbert  von  Braunschweig  den  Wellen  entrissen,  und
nach  dem  Schiffe  zurückgebracht,  wo  man  seine  Furcht
durch  gütliches  Zureden  zu  beschwichtigen  suchte.  Die  Verschworenen  brachten  den  jungen
König  nach  Köln,  wo  er  unter  der  Obhut  Annos  blieb.  Die  tief  gekränkte  Königin  zog
sich  nach  Italien  zurück,  und  Anno  wurde  nun  in  Wahrheit  Beherrscher  des  Reichs,
wenn  auch  dem  Namen  nach  die  Regierung  der  Gesamtheit  der  Bischöfe  zufiel.

Um  in  dem  einflußreichen  Erzbischof  Adalbert  von  Bremen,  einem  Manne  von
großer  Begabung  und  rastloser  Tätigkeit,  der  jedoch  ganz  im  Banne  einer  schrankenlosen
Ruhmbegierde  stand,  eine  Stütze  gegen  seine  zahlreichen  Gegner  zu  gewinnen,  überließ
Anno  demselben,  während  er  selbst  zur  Schlichtung  der  in  Italien  entstandenen  Wirren
nach  Rom  zog,  die  Leitung  des  leidenschaftlichen  Knaben.  Adalberts  ganzes  Streben

Heinrich  IV.  Nach  dem  Gemälde  im
Römer  zu  Frankfurt  a.  M