126  Die  fränkischen  oder  salischen  Kaiser.

ging  darauf  aus,  sich  einen  dauernden  Einfluß  auf  Heinrichs  Regierung  zu  sichern,  und
er  bemühte  sich  darum  vor  allen  Dingen,  dessen  Zuneigung  zu  gewinnen.  Um  dies  zu
erreichen,  stürzte  er  ihn  nicht  nur  in  den  Strudel  des  üppigen  Hoflebens,  sondern  legte
auch  den  erwachenden  Begierden  und  schlimmen  Leidenschaften  des  jungen  Königs  keinerlei
Hindernis  in  den  Weg.  Er  zog  in  ihm  den  Gedanken  einer  unbeschränkten  Herrschaft
groß,  und  erfüllte  ihn  namentlich  mit  Vorurteilen  und  einem  blinden  Haß  gegen  die
Sachsen,  mit  deren  Großen  er  selbst  zerfallen  war.

Heiurich  IV.  zu  Bingen.  Von  A.  Rethel.

Um  sich  seinen  Einfluß  zu  sichern,  erklärte  Adalbert  schon  im  Jahre  1065  den  erst
fünfzehnjährigen  König  für  mündig,  und  Heinrich,  dem  es  an  jedem  sittlichen  Halt  fehlte,
gab  sich  nun  einem  zügellosen  Leben  hin.  Um  die  verhaßten  Sachsen  in  strengem
Gehorsam  zu  halten,  ließ  er  in  ihrem  Lande  zahlreiche  feste  Burgen  anlegen,  die  mit
Besatzung  versehen  waren.  Sein  Lieblingsaufenthalt  war  Goslar,  wo  er  von  einer
großen  Schaar  gleichgesinnter  Genossen  umgeben,  durch  Spielleute  und  Gaukler  sich  die
Zeit  vertreiben  ließ,  und  mehr  und  mehr  alle  Leidenschaften  eines  zügellosen  Lebens
kennen  lernte.

So  konnte  es  nicht  überraschen,  daß  sich  die  sächsischen  Großen,  erbittert  über  die
Lasten,  welche  Heinrichs  schwelgerische  Hofhaltung  ihrem  Lande  auferlegte  und  besorgt