Heiurich  IV.  129

Alles  schien  nun  für  Heinrich,  der  zudem  damals  auch  noch  schwer  erkrankte,
verloren.  Allein  er  genas,  und  die  Treue  der  Städte,  namentlich  Worms,  rettete  ihn.
Er  mußte  ja  wohl  den  Sachsen  in  dem  Frieden  zu  Gerstungen  an  der  Werra  1074  die
Niederreißung  der  Burgen  zusichern,  aber  als  die  sächsischen  Bauern  in  ihrem  Uebermut
auch  die  Kirche  der  Harzburg  verbrannt  und  die  dortigen  Gräber  entweiht  hatten,  da
wandte  sich  die  Stimmung  aller  gegen  die  Freoler.  Mehr  und  mehr  sank  der  Mut  der
sächsischen  Großen,  Zwietracht  und  Abfall  schwächten  ihre  Reihen,  während  die  süddeutschen
  Fürsten,  und  unter  ihnen  namentlich  Rudolf  von  Schwaben,  in  Zorn  über  den
Gerstunger  Frieden,  nun  alles  ausboten,  dem  Kaiser  ihre  Dienstbeflissenheit  zu  zeigen.
Ebenso  trat  Siegfried  von  Mainz  eifrig  für  Heinrich  ein,  und  Herzog  Welf  von  Bayern
verteidigte  in  des  Kaisers  Sache  sein  eigenes  Herzogtum.  So  fand  Heinrichs  Aufruf  zur
Rüstung  weit  freundlichere  Aufnahme  als  früher  und  gern  hätten  sich  die  Sachsen  mit
Heinrich  ausgesöhnt,  konnten  sich  aber  zur  bedingungslosen  Unterwerfung  auf  Gnade
und  Ungnade  nicht  entschließen.  Bei  Hohenburg  an  der  Unstrut  kam  es  am  9.  Juli  1075
zur  Schlacht;  durch  hohen  Wuchs  ausgezeichnet  saß  Heinrich  zu  Roß,  unter  Tausenden
sichtbar  von  goldener  Wehr  umglänzt.  Die  Sachsen  hatten  keinen  so  raschen  und
unvermuteten  Angriff  erwartet.  Allein  einmal  im  Kampfe,  bewährten  sie  sich  auch
tapfer  und  mutig.  Trotzdem  aber  endigte  diese  Schlacht  mit  einer  schweren  Niederlage
der  Sachsen.  Alle  Fürsten  und  Edlen  derselben  entkamen,  gegen  das  gemeine  Fußvolk
aber  raste  die  Wildheit  der  Feinde  über  alle  Maßen,  sodaß  sie  alle  christliche  Milde
vergessend,  Vieh  und  nicht  Menschen  hinzuwürgen  schienen.  Eine  große  Menge  verschlang
  auch  die  Unstrut,  in  welche  sich  viele,  den  Mordstahl  fürchtend,  gestürzt  hatten.

Schwer  hatte  nun  das  ganze  Land  unter  der  Rache  des  Siegers  zu  leiden.  Die
Bauern  verbargen  sich  in  den  Wäldern  und  Sümpfen,  die  Fürsten,  die  sich  dem  Kaiser
nicht  auf  Gnade  und  Ungnade  ergeben  wollten,  wie  Otto  von  Nordheim,  Pfalzgraf
Friedrich  und  andere,  zogen  sich  nach  Magdeburg  zurück,  und  erklärten,  sich  nur  der  Entscheidung
  eines  Fürstentags  unterwerfen  zu  wollen.  Heinrich  drang  nun  bis  Goslar
vor,  konnte  aber,  da  die  Verpflegung  des  Heeres  Schwierigkeiten  machte,  den  Krieg  nicht
zu  Ende  führen  und  entließ  nun  den  größten  Teil  seines  Heeres,  den  er  indessen  verpflichtete,
  am  22.  Oktober  sich  wieder  in  Gerstungen  einzufinden.  Mit  einem  kleinen,
zumeist  aus  Böhmen  bestehenden  Teil,  bemächtigte  er  sich  zunächst  Meißens  und  der  Ostmark,
  und  nun  suchten  die  Sachsen  auf  alle  mögliche  Weise  sich  mit  ihm  zu  versöhnen,
ehe  er  den  Kampf  wieder  aufnehme.  Selbst  die  Bauern,  früher  am  hartnäckigsten  im
Widerstand,  verlangten  nun  den  Frieden,  damit  ihre  Ernte  nicht  von  feindlichen  Kriegsscharen
  verwüstet  werde,  und  drohten  die  Waffen  gegen  ihre  eigenen  Herren  zu  kehren,
wenn  diese  sich  nicht  dem  König  unterwürfen.  Heinrich  indessen  ließ  sich  auf  keine  Bedingungen
  ein,  und  als  nun  das  kaiserliche  Heer  abermals  nach  Thüringen  vorrückte,
mußten  die  sächsischen  Fürsten  den  Frieden  um  jeden  Preis  gewinnen.  So  ergaben  sie
sich  denn,  unter  vielen  Tränen  und  Seufzern  bedingungslos  der  Gnade  des  Kaisers.

Es  war  ein  freudiges  Schauspiel  für  Heinrich  und  sein  Gefolge,  als  die  Häupter
des  Aufstandes  barfuß  und  gesenkten  Hauptes  auf  der  Ebene  von  Sondershausen  zwischen
den  in  langen  Reihen  aufgestellten  Kriegsleuten  vor  den  Kaiser  geführt  wurden,  der  auf
erhabenem  Sitze  inmitten  der  Fürsten  und  Würdenträger  des  Reichs,  ihre  Unterwerfung
entgegennahm.  Sie  wurden  nach  verschiedenen  Gegenden  Deutschlands,  selbst  nach  Burgund

und  Italien  gebracht  und  in  ritterlicher  Haft  behalten,  ihre  Lehen  und  Würden  kamen
Ebner,  Illuktrierte  Geschichte  Deutschlands.  10