130  Bie  fränkischen  oder  salischen  Kaiser.

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an  des  Kaisers  getreue  Vasallen;  alle  Flüchtigen  und  Ungehorsamen,  die  den  zur  Ergebung
  festgesetzten  Tag  nicht  einhielten,  wurden  mit  der  Reichsacht  belegt.

Nur  Otto  von  Nordheim  wurde  aus  der  Haft  entlassen.  Er  stellte  Heinrich
seine  beiden  Söhne  als  Geiseln,  und  gewann  dessen  Vertrauen  bald  in  solchem  Masße,
daß  sein  Einfluß  am  Hofe  rasch  aufs  höchste  stieg.  Heinrich  ernannte  ihn  zum  Statthalter
  in  Sachsen,  zugleich  mit  dem  Auftrag,  die  Harzburg  herzustellen,  und  eine  andere
Feste  auf  dem  Steinberg  bei  Goslar  zu  errichten.

„Die  schwierigste  Aufgabe,“  sagt  Giesebrecht,  „die  der  junge  Kaiser  bisher  seiner
Regierung  gestellt,  schien  glücklich  gelöst,  der  Trotz  der  sächsischen  Fürsten  gebengt,  dem
Sonderwesen  der  Sachsen  eine  Schranke  gesetzt.  Eine  populäre  Bewegung  in  der  Geschichte
  des  Reiches  ohne  Gleichen,  das  nach  Selbstherrschaft  trachtende  Fürstentum  hatte
er,  fast  von  jedem  Beistand  verlassen,  siegreich  niedergekämpft.  Aber  unter  welchen  Gefahren!
  Mehr  als  einmal  hatte  er  in  diesen  Kämpfen  für  seine  Krone  zu  fürchten  gehabt,
  und  konnte  sie  kaum  sich,  geschweige  denn  seinem  Sohne  zu  erhalten  hoffen.  Es  ist
bezeichnend,  daß  er  damals  zu  Goslar  sogleich  auch  die  Erbfolge  seines  kaum  zweijährigen
Knaben  zu  sichern  suchte.  Er  verlangte  von  den  anwesenden  Fürsten  einen  Eid,  daß  sie
nur  diesen  Knaben  als  seinen  Nachfolger  anerkennen  würden,  und  die  Fürsten  weigerten
sich  nicht,  den  Schwur  zu  leisten.  Nach  so  vielen  Demütigungen  hatte  der  Kaiser  endlich
eine  Stellung  gewonnen,  wie  sie  der  Krone  würdig  war,  und  in  der  er  ohne  Beschämung
auf  seinen  Vater  und  Großvater  zurückblicken  konnte.  Er  durfte  sich  sagen,  daß  er  mehr
für  sein  Glück,  als  das  Glück  für  ihn  getan  hatte.  Wie  hätte  er  ahnen  sollen,  daß  die
tiessten  Demütigungen  ihm  noch  bevorstanden,  daß  alle  diese  mühsam  errungenen  Erfolge
binnen  kürzester  Frist  vernichtet  sein  würden.  Heinrichs  Mißgeschick  ließ  sie  verschwinden,
wie  der  Sturm  die  Spreu  von  der  Tenne  fegt.“

Peinrich  IV.  und  Gregor  VII.

Der  Eluniacensermönch  Hildebrand,  dessen  Namen  wir  im  Laufe  der  Erzählung
schon  mehrfach  begegnet  sind,  hatte  im  Jahre  1073  nach  dem  Tode  Alexander  II.  den
päpstlichen  Stuhl  als  Gregor  VII.  bestiegen.  Er  wußte,  welch  heftigen  Widerstand  er  zu
bewältigen  haben  werde,  um  die  Reformen  durchzuführen,  zu  denen  unter  seiner  Mitwirkung
seine  Vorgänger  schon  den  Grund  gelegt  hatten.  Aber  nachdem  er  einmal  gewählt  war.
trat  er  mit  aller  ihm  zu  Gebote  stehenden  Energie  und  mit  unbeugsamem  Mute  für  die
hohe  Aufgabe  ein,  zu  welcher  er  sich  als  oberstes  Haupt  der  Christenheit  berufen  fühlte.
Sein  großes  Ziel  war  die  Befreiung  der  Kirche  vom  Staat;  losgelöst  von  allen
hemmenden  Schranken,  sollte  die  Kirche  frei  und  selbständig  ihre  Angelegenheiten  leiten,
damit  sie  aus  ihrem  Schoß  alles  entfernen  könne,  was  ihre  Heiligkeit  beeinträchtigte,  und
als  die  Hüterin  des  Glaubens  und  des  christlichen  Lebens  Gewalt  habe,  selbst  Fürsten
und  Könige  vor  ihren  Richterstuhl  zu  ziehen,  wenn  sie  öffentliches  Aergernis  zu  geben
schienen,  den  Frieden  der  Christenheit  störten,  oder  durch  Gewalttätigkeit  und  Feindseligkeit
  die  Freiheit  der  Kirche  bedrohten.  Um  dies  zu  erreichen,  mußten  zuerst  die