134  Die  fränkischen  oder  salischen  Kaiser.

sitzen,  und  ließ  durch  sie  Gregor  VII.  absetzen.  Die  Antwort  des  Papstes  war,  daß  er
auf  der  zu  Rom  tagenden  Synode  über  Heinrich  den  Bann  aussprach,  ihn  der  Regierung
entsetzte,  und  alle  seine  Untertanen  und  Vasallen  des  ihm  geleisteten  Eides  der  Treue
entband.  Das  war  für  die  Fürsten,  die  mit  scheelem  Auge  auf  die  Wiederherstellung  der
Kaisermacht  sahen,  ein  willkommenes  Zeichen,  von  Heinrich  abzufallen.  Auf  einer
Tagfahrt  zu  Tribur  im  Herbst  des  gleichen  Jahres  zwangen  sie  den  Kaiser,  einstweilen
auf  alle  Regierungshandlungen  zu  verzichten,  und  sich  dem  Schiedsspruch  Gregors  VII.,
der  1077  nach  Deutschland  kommen  wollte,  zu  unterwerfen.  Eine  feierliche  Verabredung
zwischen  ihnen  ging  aber  dahin,  ihn  nicht  mehr  als  ihren  Herrn  anzusehen,  wenn  er
nicht  binnen  Jahr  und  Tag  vom  Banne  erlöst  sei.

Nun  war  Heinrich  von  allen  verlassen.  Es  kam  die  Kunde,  daß  der  Papst  schon
auf  dem  Wege  nach  Deutschland  sei,  um  über  ihn  zu  Gericht  zu  sitzen.  Es  stand  für  ihn
sest,  daß  dieß  unter  allen  Umständen  verhindert  werden  mußte;  er  mußte,  mochte  es
kosten,  was  es  wollte,  vom  Banne  gelöst  sein.  So  zog  er  denn  im  harten  Winter,
nur  von  seiner  edlen  Gemahlin  Bertha,  seinem  kleinen  Sohne  und  einigen  treuen
Dienern  begleitet,  über  die  Alpen,  und  eilte  nach  Kanossa,  der  südlich  von  Reggio
gelegenen  Burg  der  mächtigen  Markgräfin  Mathilde  von  Tuscien,  die  mit  ganzer
Seele  dem  Papst  ergeben  war  und  ihm  jetzt  beim  Herannahen  des  Königs  ihr  Schloß
als  schützenden  Aufenthalt  angeboten  hatte.  Aber  Heinrich  kam  ja  nicht  als  Feind  mit
dem  Schwerte  in  der  Faust;  er  kam  als  Bittender  und  Büßender,  und  drei  Tage  lang
vom  25.  bis  zum  27.  Januar  1077  stand  er  vor  den  Toren  der  Burg,  Einlaß  bittend,
bis  ihn  Gregor  VII  endlich  aufnahm  und  vom  Banne  löste.

Indessen  hatten  die  Fürsten  in  Deutschland  Heinrichs  Abwesenheit  benutzt  und
einen  andern  König,  Rudolf  von  Schwaben  gewählt,  gegen  den  Heinrich  nun,  über
die  Alpen  eilend,  zu  Felde  ziehen  mußte.  Wieder  traf  ihn  1080  während  des  Kampfes
der  Bann,  allein  er  rang  trotzdem  weiter  um  die  Herrschaft.  Wohl  schwankte  das  Glück
und  die  Fürsten  hin  und  her,  allein  nun  fand  der  Kaiser  treue  Hilfe  in  den  Bürgern
der  aufblühenden  Städte,  in  den  Ministerialien  des  Reichs,  die  durch  die  Salier  groß
geworden  waren,  und  endlich  auch  in  dem  jungen  Friedrich  von  Staufen,  dem  er
seine  Tochter  zur  Ehe  und  das  Herzogtum  Schwaben  zu  Lehen  gab.  In  der  Gegend
von  Merseburg  fiel  sein  Gegenkönig  Rudolf  von  Schwaben  in  einem  Gefechte,  und  nun
hrach  Heinrich  zum  Rachezug  gegen  den  Papst  auf.  Nachdem  er  am  14.  April  1081  in
Pavia  die  lombardische  Krone  empfangen  hatte,  rückte  er,  durch  zahlreiche  Gegner  des
Papstes  verstärkt,  in  Begleitung  des  von  ihm  gewählten  Gegenpapstes  in  Rom  ein,
konnte  jedoch,  da  es  ihm  an  den  nötigen  Belagerungswerkzeugen  fehlte,  nichts  gegen  die
Stadt  ausrichten.  Erst  im  Jahre  1082  öffneten  ihm  die  Römer  die  Tore,  worauf  sich
Gregor  in  die  Engelsburg  zurückzog,  ohne  jedoch  sich  auf  irgend  eine  Verhandlung  mit
dem  Gebannten  einzulassen.  Während  er  hier  von  Heinrich  belagert  wurde,  eilte  zu
seiner  Befreiung  der  mächtige  Normannenfürst  Robert  Guiscard  herbei,  und  vor  solcher
Uebermacht  zog  sich  Heinrich,  der  indessen  aus  den  Händen  des  Gegenpapstes  die  Kaiserkrone
  empfangen  hatte,  nach  der  Lombardei  zurück,  von  wo  er  bald  darauf  den  Heimweg
nach  Deutschland  antrat.  Gregor  VII.  begab  sich  nach  der  Einnahme  Roms  nach  Salerno
wo  er  am  25.  Mai  1085  starb  mit  den  Worten:  „Ich  habe  die  Gerechtigkeit  geliebt  und
die  Gottlosigkeit  gehaßt,  darum  sterbe  ich  in  der  Verbannung.-“