heinrich  IV.  und  die  letzte  zeit  seiner  Regirrung.  135

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Peinrich  IV.  und  die  letzte  Zeit  leiner  Regierung.

Wohl  sah  sich  nun  Heinrich  von  seinem  größten  Feinde  befreit,  aber  Ruhe  ward
darum  doch  nicht.  Kaum  war  der  Kaiser  über  die  Alpen  gezogen,  so  hatten  die  Sachsen
den  Grafen  Hermann  von  Salm  als  Gegenkönig  aufsgestellt,  und  Heinrich  kämpfte  nach
seiner  Rückkehr  aus  Italien  mit  wechselndem  Glück  gegen  ihn.  Auch  nach  dem  Tode
Hermanns  1087  fanden  die  Unruhen  kein  Ende,  doch  gewann  Heinrich  immer  mehr  und
mehr  die  Oberhand;  das  ganze  deutsche  Volk  sehnte  sich  nach  Frieden,  sogar  die  Sachsen
hatten  sich  mit  dem  Kaiser  ausgesöhnt,  und  nur  noch  Welf  IV.  von  Bayern  und  ein
Teil  von  Schwaben  standen  ihm  feindlich  gegenüber.

Mitten  in  die  Unruhen  in  Deutschland  fiel  nun  eine  neue  Bewegung.  Die  religlöse
Begeisterung,  die  von  Cluny  ausgegangen,  und  durch  Hildebrand  und  die  Seinigen
zur  Herrschaft  gekommen  war,  fand  bald  auch  ein  äußerliches  sichtbares  Zeichen.  Die
abendländische  Christenheit  erhob  sich,  um  das  Grab  des  Erlösers  aus  den  Händen  der
Heiden  zu  befreien.  Auf  die  feurigen  Ermahnungen  des  Papstes  Urban  II.  und  auf  die
Predigten  des  Eremiten  Peter  von  Amiens  nahmen  viele  Tausende  das  Kreuz  zum  Zug
in  das  heilige  Land.  In  Deutschland  erfaßte  diese  Bewegung  damals  nur  Niederlothringen
  nachhaltiger,  an  der  Mehrzayl  des  Volkes  und  an  Kaiser  Heinrich  selbst  ging
sie  spurlos  vorüber,  fast  staunend  sah  man  die  ersten  Schwärme  der  Kreuzfahrer  durch
Deutschland  ziehen.  Dann  kam  unter  Führung  seiner  Fürsten  das  geordnete  Kreuzheer
das  1099  wirklich  Jerusalem  eroberte,  und  damit  den  Grund  zu  dem  gleichnamigen
Königtum  legte.

Die  Vermählung  der  Gräfin  Mathilde  mit  dem  jungen  Welf  von  Bayern  gab
Heinrich  Gelegenheit  zum  dritten  Male  über  die  Alpen  zu  ziehen.  Elf  Monate  lang
belagerte  er  Mantua,  allein  die  äußerlichen  Vorteile,  die  er  errang  vergalt  ihm  Mathilde
dadurch,  daß  sie  seinen  Sohn  Konrad,  den  der  Vater  vor  mehreren  Jahren  schon  zum
Statthalter  in  Italien  eingesetzt  hatte,  zum  Abfall  vom  Kaiser  bewog.  Ein  weichherziger,
mehr  religiös  angelegter  Jüngling,  mochte  er  schon  lange  auf  des  Vaters  wildes  Treiben
mit  Widerwillen  gesehen  haben,  und  wenn  gleich  dieser,  sobald  er  von  seinem  Abfall
Kunde  erhielt,  den  Sohn  in  Haft  nehmen  ließ,  so  gelang  es  diesem  doch  bald  zu  entfliehen,
um  bei  Mathilde  Schutz  zu  finden.

Doch  während  der  Kaiser  in  Italien  weilte,  hatte  sich  in  Deutschland  manches  zu
seinen  Gunsten  geändert.  Herzog  Welf  von  Bayern  und  sein  Sohn  hatten  sich,  als  sie
erfuhren,  daß  die  Mathildischen  Güter  ihnen  zu  Gunsten  des  päpstlichen  Stuhles  verloren
seien,  dem  Kaiser  angeschlossen,  und  dadurch  erhielt  dieser  das  Uebergewicht  in  ganz
Süddeutschland.  Auch  in  Sachsen  waren  die  feindlichen  Elemente  nach  und  nach  unterdrückt
  worden,  und  Heinrich  übertrug  nun,  da  Konrad  durch  seinen  Abfall  den  Anspruch
auf  die  Krone  verloren  hatte,  diese  an  seinen  jüngeren  Sohn  Heinrich,  den  er  am
6.  Jannar  1099  in  Nachen  krönen,  und  zugleich  schwören  ließ,  daß  er,  so  lange  der
Vater  lebe,  nie  nach  dessen  Herrschaft  trachten  werde.  Konrad  starb  bald  darauf  1101
in  der  Blüte  seiner  Jugend.

Die  Bemühungen  des  Kaisers,  in  seinem  Reiche  nun  geordnete  Verhältnisse  und
einen  dauernden  Frieden  herbeizuführen,  indem  er  namentlich  auch  den  „Gottesfrieden“