Heiurich  V.  137

gegenüber  gestanden,  ohne  daß  es  zum  Kampfe  kam,  nach  Schloß  Hammerstein  geflohen,
während  sein  Sohn  in  Mainz  einzog;  allein  des  Kaisers  Entschluß,  sich  mit  seinen
Anhängern  ebenfalls  dort  einzufinden,  kam  den  Verbündeten  sehr  ungelegen  und  man
beschloß  nun,  zu  einer  List  seine  Zuflucht  zu  nehmen.

So  sandte  der  jüngere  Heinrich  Boten  zu  seinem  Vater,  die  ihn  zu  einer  Zusammenkunft
  einladen  sollten.  In  Koblenz  fand  dieselbe  statt,  und  als  der  Kaiser  den  Sohn  bat,
sich  nicht  zum  Richter  über  ihn  und  seine  Sünden  aufzuwerfen,  da  schien  auch  dieser
erschüttert,  und  bat  den  Vater  um  Verzeihung,  nur  solle  er  sich  dem  Papste  unterwerfen.
So  entließ  denn  der  Kaiser  sein  Heer  bis  auf  300  Reisige,  und  alle  seine  Zweifel  und
Regungen  des  Verdachts  wußte  der  junge  Heinrich  mit  schlauen  Worten  zu  beseitigen.
Allein  auf  dem  Wege  nach  Mainz  teilte  er  dem  Vater  in  Bingen  mit,  daß  der  Erzbischof
Ruthard  sich  weigere,  den  gebannten  Kaiser  aufzunehmen,  er  möge  einstweilen  auf  der
Burg  Böckelheim  bleiben,  während  er  selbst  nach  Mainz  eile,  um  seinen  Einzug  vorzubereiten.
  Als  sie  kaum  auf  der  Burg  angelangt  waren,  bemerkte  der  Kaiser,  daß  er  ein
Gefangener  sei,  gegen  den  man  nun  mit  rücksichtsloser  Härte  verfuhr.  Die  Aufregung
der  Mainzer  Bürger  veranlaßte  dann  die  Verbündeten,  ihren  Gefangenen  nach  Ingelheim
  zu  bringen.

Freilich  gelang  es  dem  Kaiser,  zu  dem  ihm  befreundeten  Bischof  Otbert  von  Lüttich
zu  entfliehen,  wo  er  von  Herzog  Heinrich  von  Niederlothringen  aufs  glücklichste  gegen
seinen  Sohn  geschützt  wurde.  Ebenso  erfolglos  war  dessen  Belagerung  von  Köln,  und
schon  drohte  abermals  ein  neuer  Bürgerkrieg  Deutschland  zu  verheeren,  da  eilte  die
Nachricht  durch  das  Land,  daß  der  Kaiser  sein  vielbewegtes  Leben  im  August  1106
beendigt  habe.

Allein  auch  im  Tode  noch  hatte  der  Gebannte  keine  Ruhe.  Der  Leichnam,  den
der  Bischof  von  Lüttich  mit  allen  kaiserlichen  Ehren  hatte  bestatten  lassen,  wurde  wieder
ausgegraben  und  auf  eine  kleine  Insel  der  Maas  gebracht,  wo  ein  Mönch  aus  Jerusalem,
Mitleid  mit  dem  Verbannten  fühlend,  Tag  und  Nacht  für  ihn  betete.  Dann  wurde  er
nach  Speyer  gebracht,  allein  der  Sarg  mußte  in  eine  noch  ungeweihte  Kapelle  außerhalb
der  Kirche  gebracht  werden,  wo  er  nun  fünf  Jahre  stand,  bis  endlich  der  Bann  aufgehoben
  und  der  Verfolgte  in  der  Kaisergruft  zu  seinen  Ahnen  gebettet  wurde.

Heinrich  V.  1100  —  1125.

Das  erste  Bestreben  des  neuen  Herrschers  war  es,  in  den  Grenzlanden  die  durch
den  langen  Bürgerkrieg  in  Verfall  geratenen  Reichsrechte  wieder  herzustellen.  War  er
dabei  in  Flandern  im  allgemeinen  vom  Glück  begünstigt,  so  gelang  es  ihm  dagegen
in  Polen,  Ungarn  und  Böhmen  weniger.

Heinrich  ist  sich  die  ganze  Zeit  seiner  öffentlichen  Tätigkeit  über  gleich  geblieben.
Herrschsucht  und  Neigung  zu  Intriguen  verbanden  sich  bei  ihm  mit  einem  politischen
Scharfblick,  mit  praktischem  Verstand  und  großer  Tapferkeit.  Milde,  Mitleid  und
Wohlwollen  kannte  er  nicht,  das  zeigte  sich  nun  sofort  in  dem  Streite,  in  den  er  nach
seinem  Regierungsantritt  geriet.  So  eng  er  vorher  mit  dem  Papste  Paschalis  II.  verbunden
  gewesen  war,  so  energisch  trat  er  nun  gegen  denselben  auf,  als  dieser  in  der