Deiurich  V.  139

Umgegend  Frieden  und  Sicherheit  zu  gewähren  und  der  Kirche  ihre  Güter  zurückzustellen.
Dann  wurde  Heinrich  vom  Papste  gekrönt.

Sofort  aber,  nachdem  Heinrich  von  Rom  weggezogen  war,  trat  dort  wieder  ein
Umschlag  der  Stimmung  ein;  auf  einer  Kirchenversammlung  wurde  das  dem  Papst  abgezwungene
  Investiturrecht  für  ungültig  erklärt,  und  Erzbischof  Guido  von  Vienne,  der
päpstliche  Legat  in  Gallien  belegte  Heinrich  aufs  neue  mit  dem  Bann.

Zu  gleicher  Zeit  erhob  sich  auch  in  Deutschland  wieder  Aufruhr  und  Empörung.
Heinrich  hatte  sich  in  Sachsen  und  Thüringen  durch  rücksichtsloses  Eingreifen  in  die
dortigen  Nachfolgeangelegenheiten  bei  den  Fürsten  manchen  Feind  erworben,  und  nicht
allein  Lothar  von  Supplinburg,  dem  Heinrich  nach  Erlöschen  des  Billung'schen  Mannesstamms
  das  Herzogtum  Sachsen  verliehen  hatte,  sondern  auch  Verwandte  Ulrichs  von
Weimar,  namentlich  Pfalzgraf  Siegfried  bei  Rhein,  Wiprecht  von  Groitzsch  und  Ludwig
von  Thüringen  fielen  von  ihm  ab.  Ja  sogar  Erzbischof  Adalbert  von  Mainz  verließ
seinen  Freund  und  Wohltäter,  wurde  aber  auf  Schloß  Trifels  in  Verwahrung  gebracht.
Wohl  errang  Heinrichs  Feldherr  Hoyer  von  Mansfeld  einen  Sieg  bei  Warnstädt,  allein
bald  hob  sich  infolge  der  Härte,  mit  welcher  Heinrich  gegen  seinen  Feind  verfuhr,  der
Aufstand  von  neuem.  Am  7.  Januar  1114  feierte  der  Kaiser  seine  Vermählung  mit
der  englischen  Königstochter  Mathilde  noch  im  Frieden,  allein  schon  im  Juli  dieses  Jahres
erhoben  sich  mehrere  geistliche  und  weltliche  Fürsten,  mit  Erzbischof  Friedrich  von  Köln,
Graf  Friedrich  von  Arnsberg,  Gottfried  von  Löwen  und  Heinrich  von  Limpurg  an  der
Spitze,  und  die  Vorteile,  die  der  Kaiser  anfangs  im  Kampfe  mit  ihnen  hatte,  vernichtete
wieder  die  Niederlage  seines  Feldherrn  Hoyer  von  Mansfeld  am  Welfsholz,  wo  dieser
mit  vielen  anderen  tapferen  Rittern  fiel.  Nun  wurde  der  Bann  gegen  den  Kaiser  wiederholt,
  und  sogar  in  der  Kirche  des  heiligen  Gereon  zu  Köln  verkündigt,  nur  wenige  Fürsten,
unter  ihnen  die  Hohenstaufen  Konrad  und  Friedrich  mit  dem  Herzog  Welf  von  Bayern
blieben  dem  Kaiser  treu.

Der  Tod  der  Markgräfin  Mathilde  steigerte  die  gegenseitige  Erregung  noch  mehr.
Von  päpstlicher  und  kaiserlicher  Seite  wurden  auf  ihre  Güter  Ansprüche  erhoben  und
Heinrich  entschloß  sich  deswegen  zu  einem  neuen  Zug  nach  Italien.  Allein,  trotzdem  er
durch  eine  Gesandtschaft  den  Papst  zur  Milde  zu  bestimmen  suchte,  wies  dieser  jede
Annäherung  aufs  bestimmteste  zurück,  und  verdammte  auf  einer  Synode  im  Lateran  das
Investiturrecht  und  alle,  welche  an  demselben  festhielten  aufs  neue,  und  wenn  er  selbst
sich  auch  standhaft  weigerte,  den  Kaiser  zu  bannen,  so  hinderte  er  doch  nicht,  daß  dies
durch  seine  Legaten  geschah.  Beim  Heranrücken  des  Kaisers  aber  floh  der  Papst  nach
Benevent  und  starb  dort  am  21.  Jannar  1118.  Der  nun  einstimmig  zum  Papst  ausgerufene
  Gelasius  II.  wurde  indessen  von  Heinrich  nicht  anerkannt,  allein  der  von  diesem
aufgestellte  Gregor  VIII.  wurde  sofort  von  Gelasius  in  den  Bann  getan.  Kaum  aber,
nachdem  Heinrich  Italien  verlassen  hatte,  starb  Gelasius  und  es  bestieg  Calixtus  II.  den
päpstlichen  Thron.  Noch  einige  Zeit  lang  hielt  sich  Gregor  VIII.,  wurde  aber  bald
von  den  Bürgern  von  Sutri  an  Calixtus  ausgeliefert,  der  ihn  in  ewige  Verbannung  trieb.

Der  tragische  Ausgang  dieses  Pseudo-Papstes  verfehlte  seine  Wirkung  nicht,  und
man  war  nun  auf  beiden  Seiten  zur  Aussöhnung  bereit.  So  waren  denn  auch  die
Friedensverhandlungen  der  Fürsten  in  Würzburg  von  Erfolg  begleitet,  und  es  wurde
nun  ein  allgemeiner  Reichsfriede  aufgerichtet,  und  beschworen,  zugleich  aber  auch  eine