140  Die  fränkischen  oder  salischen  Kaiser.

Beendigung  des  Investiturstreites  in  Aussicht  genommen.  Nun  schrieb  auch  der  Papst
an  den  Kaiser  in  versöhnlichem  Sinne,  und  in  dem  am  23.  September  1122  abgeschlossenen
Wormser  Concordat  kam  das  zum  Ausdruck.  Der  Kaiser  wurde  wieder  in  den
Schoß  der  Kirche  aufgenommen,  und  alles  Vergangene  sollte  vergeben  und  vergessen  sein.

In  diesem  Wormser  Concordat  verzichtete  der  Kaiser  auf  Vergebung  der  Kirchengüter
  durch  Ring  und  Stab,  gestattete  die  freie  Wahl  der  Geistlichkeit  und  verpflichtete
sich  zur  Herstellung  aller  Kirchengüter.  Dagegen  sollte  die  Wahl  der  Bischöse  und  Aebte
im  Reiche  in  Gegenwart  des  Kaisers  oder  eines  seiner  Stellvertreter  vor  sich  gehen,  ohne
Bestechung  oder  Gewalt;  in  Deutschland  sollte  der  Erwählte  durch  das  Szepter  mit  dem
Krongut  von  den  fürstlichen  Rechten  beliehen  werden,  im  übrigen  Reiche  sollte  erst  die
Weihe  und  dann  innerhalb  sechs  Monaten  die  Uebertragung  der  Regalien  mittelst  des
Szepters  geschehen.

Keiner  der  beiden  Fürsten  überlebte  den  Abschluß  des  Concordats  lange.  Im
folgenden  Jahre  starb  Calixtus  llI.

Heinrichs  letzte  Lebenszeit  war  friedlos,  wie  seine  ganze  Regierung.  Die  sächsischen
Fürsten  mit  Herzog  Lothar  an  der  Spitze,  konnten  ihre  Abneigung  gegen  den  fränkischen
Herrscher  nicht  überwinden,  und  erst  nach  manchem  Kampfe  wurde  die  Angelegenheit  derselben
  dahin  erledigt,  daß  Konrad  von  Wettin  die  Mark  Meißen  erhielt,  die  Niederlausitz
dem  Grafen  Albrecht  von  Ballenstädt  zufiel.  Am  23.  Mai  1125  starb  Heinrich  an  den
Folgen  eines  krebsartigen  Geschwüres  kinderlos,  als  lastete  auf  ihm  bis  an  sein  Lebensende
  der  Fluch  seines  Vaters.

Lothar  von  Sachsen  1125  —  1137.

Als  die  natürlichen  Erben  des  ausgestorbenen  fränkischen  Herrscherhauses  erschienen
  die  Staufer,  die  Brüder  Friedrich  und  Konrad.  Allein  mancherlei
Gründe  kirchlicher  und  weltlicher  Natur  sprachen  doch  gegen  die  Wahl  eines  dieser
Fürsten.  An  der  Spitze  der  gegen  Heinrich  V.  aufständigen  Sachsen  hatte  Lothar  von
Supplinburg  gestanden,  der  nach  dem  Aussterben  der  Billunger  1106  Herzog  in  Sachsen
geworden  war,  und  durch  Verwandtschaft  und  Heirat  die  Güter  der  ausgestorbenen  Nordheimer
  und  Göttinger  und  der  Brunonen  in  Braunschweig  in  seiner  Hand  vereinigt
hatte.  Seit  der  Schlacht  am  Welfsholz  herrschte  er  mit  fast  königlicher  Gewalt  in  Sachsen,
und  mit  unveränderlichem  Glücke  hatte  er  die  Sache  der  Fürsten,  wie  der  Kirche  gegen
den  Kaiser  verfochten.  So  erschien  er  dieser  Partei  trotz  seines  Alters  —  er  hatte  das
60.  Jahr  schon  erreicht,  —  als  der  geeignete  Mann  für  die  deutsche  Krone.

Wohl  hatte  sich  Lothar  im  Anfang  gesträubt,  die  Wahl  anzunehmen,  allein  Friedrich
von  Schwaben,  der  dem  Verlangen  des  an  der  Spitze  der  Wahlbewegung  stehenden  Erzbischofs
  von  Mainz,  daß  man  denjenigen  ohne  Widerrede  anerkenne,  auf  den  die  Wahl
fiele,  durch  Abzug  geantwortet,  hatte  dadurch  zugleich  den  Zorn  der  Fürsten  herausgefordert,
  und  so  sah  sich  Lothar  am  Ende  gezwungen,  die  Krone  zu  übernehmen.  Auch
Friedrich,  der  eine  Zeitlang  gezaudert  hatte,  erkannte  ihn  nachher  an,  und  Lothar  wurde
vierzehn  Tage  später  vom  Erzbischof  vom  Köln  in  Aachen  gekrönt.