Friedrich  I.  Barbarossa.  I  45

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neue  Kämpfe  mit  den  Welfen  verwickelt;  ehe  sie  beendet  waren,  und  ehe  er  die  Kaiserkrone
  gewonnen  hatte,  starb  der  König,  nachdem  er  den  Fürsten  seinen  Neffen,  den  eben
erwähnten  Friedrich  von  Schwaben  zum  Nachfolger  empfohlen  hatte.

Friedrich  I.  Barborossa  1152  —  1190.

Noch  einmal  sollte  das  Reich  einen  Herrscher  sehen,  der  an  Bedeutung  Karl  d.  Gr.
und  Otto  d.  Gr.  gleichkam.  Dreißig  Jahre  war  damals  Friedrich  alt,  allein  er  hatte
sich  jetzt  schon  vielfach  ausgezeichnet,  und  in  ganz  Deutschland  begrüßte  man  seine  Wahl
mit  Freuden,  da  man  von  ihm  in  erster  Linie  die  Tilgung  des  alten  Haders  zwischen
den  Welfen  und  Hohenstaufen  erhoffte.  Nach  seiner  Wahl  in  Frankfurt  a.  M.  empfing
Friedrich  in  Aachen  die  Krone  mit  dem  festen  Entschluß,  die  Macht  Karls  d.  Gr.
wieder  zu  erneuern.  Die  Stellung  der  deutschen  Könige  war  ja  nicht  mehr  eine  so  unmittelbar
  gewaltige,  wie  ehedem,  aber  noch  immer  galt  der  König  als  der  Quell  aller
Gewalt,  er  war  der  oberste  Kriegsherr  und  Richter  für  alle  Stämme,  und  die  Fürsten
unter  ihm,  obwohl  erblich,  waren  doch  seine  Vasallen.  So  konnte  also  ein  tatkräftiger
Kaiser,  indem  er  die  bereits  bestehenden  Rechte  der  Fürsten  würdig  anerkannte,  auch  ihre
Pflichten  gegen  das  Reichsoberhaupt  umsomehr  betonen,  und  so  alle  Gegner  in  fester
Hand  zusammenfassen.  Friedrich,  gestützt  auf  seine  starke  Hausmacht  in  Schwaben  und
Franken,  war  entschlossen  so  zu  handeln.  Das  Glück  begünstigte  ihn,  so  daß  es  ihm  gelang,
den  Frieden  zwischen  Staufen  und  Welfen  wieder  herzustellen.  Auf  dem  ersten  Reichstage
  in  Merseburg  schon  konnte  er  als  Schiedsrichter  in  dem  dänischen  Thronstreite  auftreten,
  und  gewann  durch  die  Belehnung  Svends  mit  der  Krone  Dänemarks  einen  Einfluß
  in  den  nordischen  Staaten,  wie  ihn  lange  kein  deutscher  Herrscher  mehr  besessen
hatte.  Der  Böhmenherzog  hielt  sich  zwar  noch  fern,  allein  dadurch,  daß  ihm  Friedrich,
dem  Beispiel  Heinrich  IV.  folgend,  die  Königkrone  verlieh,  fesselte  er  Böhmens  Herrschaft
bald  enge  an  seine  und  Deutschlands  Interessen.  Auch  Burgund  trat  unter  ihm  dem
Reiche  wieder  näher,  weil  Friedrichs  zweite  Gemahlin  Beatrice  dort  reich  begütert  war.
So  waren  schon  seine  ersten  Regierungsjahre  vielversprechend,  und  es  dauerte  nicht  lange,
da  stand  Friedrich  unbestritten  als  der  erste  unter  den  Fürsten  Europas  da.

Es  ist  nur  natürlich,  daß  Friedrichs  Augenmerk  zunächst  auf  Italien  gerichtet  war,
wo  die  durch  Reichtum  und  Volkszahl  mächtig  gewordenen  lombardischen  Städte  sich
während  der  langen  Wirren  des  Investiturstreits  zu  einer  solchen  Selbständigkeit  emporgeschwungen
  hatten,  daß  von  der  kaiserlichen  Oberhoheit  kaum  noch  der  Name  übrig
blieb.  Friedrichs  Bemühen,  diese  kaiserliche  Oberhoheit  wieder  in  vollstem  Umfange  herzustellen,
  mußte  demgemäß  bei  den  Lombarden  auf  heftigen  Widerstand  stoßen,  und  so
sah  er  sich  bald  in  einen  langjährigen,  wechselvollen  Kampf  mit  den  lombardischen  Städten
verwickelt,  der  nicht  nur  den  Kaiser  manchmal  weit  abführte  von  den  Bahnen  besonnener
Mäßigung,  sondern  auch  der  haßerfüllten  Parteiung  der  einzelnen  Städte  unter  sich  neue
Nahrung  und  Gelegenheit  zu  mancherlei  Greueltaten  gab.  Einzelne  derselben  standen
ja  freilich  trotzdem  auf  Friedrichs  Seite.  Am  treuesten  hielten  zu  ihm  Pavia,  Kremona
und  Lodi,  während  auf  der  andern  Seite  Mailand  und  Verono  sich  ganz  besonders  trotzig
erwiesen.

Ebner,  Illustrierte  Geschichte  Deutschlands.  11