146  Die  Hohenstaufen  in  Beutschland.

Im  Oktober  1154  eilte  Friedrich  nach  Italien.  Er  hielt  besonders  der  Mailänder
wegen  eine  große  Versammlung  auf  den  roncalischen  Feldern.  Die  schlauen  Mailänder
unterwarfen  sich,  weil  sie  des  Kaisers  Waffen  fürchteten,  einem  gerichtlichen  Ausspruch.
  Sie  wurden  zu  einer  großen  Geldbuße  und  zur  Freilassung  der  vorher  gefangenen
Bürger  von  Pavia  verurteilt.  Friedrich  mußte  sie  vor  der  Hand  schonen,  obgleich  sie
treulos  gehandelt  hatten  und  obgleich  ihre  Abgeordneten,  welche  er  als  Wegweiser  mit
sich  genommen  hatte,  sein  Heer  absichtlich  in  öde  Gegenden  geführt  hatten.  Aber  ihre
Verbündeten,  die  Bürger  von  Chiari  und  Asti  griff  er  an,  und  schleifte  ihre  Mauern.
Noch  härter  züchtigte  er  Tortona,  daß  er  nach  zweimonatlicher  Belagerung  eroberte,  und
zerstörte.

In  Pavia  ließ  Friedrich  sich  mit  der  eisernen  Krone  der  Lombarden  krönen  und
zog  dann  nach  Rom,  wo  kurz  zuvor  Arnold  von  Brescia  dem  Papst  Hadrian  IV.  hatte
weichen  müssen.  Die  Römer  hatten  ihm  Abgeordnete  entgegengeschickt,  ließen  ihm  stolz
die  Kaiserkrone  antragen,  und  forderten  für  sich  nicht  nur  die  Anerkennung  ihrer  alten
Rechte  und  Gewohnheiten,  sondern  verlangten  auch  Brief  und  Siegel  darüber  und  5000
Pfund  Silber.  Friedrich  wies  sie  unwillig  von  sich,  drang  in  Rom  ein,  und  ließ  sich
vom  Papst  krönen.  Die  Römer  griffen  gleich  nach  der  Krönung  das  deutsche  Heer  an,
es  kam  zu  einem  blutigen  Kampfe,  in  welchem  sie  den  kürzeren  zogen.  Besonders  tapfer
hatte  sich  Heinrich  der  Löwe  bewiesen,  wofür  ihm  vom  Papste  besonders  Lob  gespendet
wurde.  Arnold  von  Brescia  wurde  aufgespürt,  dem  Papste  ausgeliefert  und  hingerichtet.
Die  Furcht  vor  der  Sommerhitze  und  den  durch  sie  erzeugten  Fiebern  trieb  den  Kaiser
nach  Hause.  Auf  diesem  Marsch  wäre  er  an  einer  Stelle  der  Tyroler  Pässe  wahrscheinlich
umgekommen,  hätte  ihn  nicht  die  Tapferkeit  seines  Bannerträgers  Otto  von  Wittelsbach
auf  eine  kühne  Weise  gerettet.  Das  deutsche  Heer  war  nämlich  rund  von  Felsen  eingeschlossen,
  und  eine  lombardische  Schar  sperrte  von  einer  Höhe  aus  die  einzige  offene
Stelle  des  Wegs.  Otto  erkletterte  aber  mit  200  Rittern  die  über  dem  Feinde  emporragenden
  Felsspitzen  und  erzwang  so  dem  Heere  den  Durchzug.

In  Deutschland  lebte  bei  des  Kaisers  Rückkehr  Recht  und  Gerechtigkeit  wieder  auf.
Die  Fürsten  lernten,  daß  sie  Glieder  eines  Reiches  und  dem  Gesetz  unterworfen  seien;
sie  mußten  sich  vor  Gericht  stellen,  und  die  alte  Strafe  des  Hundetragens  wurde  gegen
sie  erneuert.  Die  Ritterschaft  verlor,  so  oft  sie  Raub  und  Mord  verübten,  ihre  Burgen,
den  Bürgern  wurden  ihre  Privilegien  erneuert,  die  Künste  erfreuten  sich  des  kaiserlichen
Schutzes.  Die  einzige  schwierige  Aufgabe,  welche  Friedrich  in  Deutschland  vorfand,  war
die  Ausgleichung  des  neu  ausgebrochenen  Streites  zwischen  Heinrich  dem  Löwen  und  dem
Markgrafen  von  Oesterreich.  Sie  ward  aber  1156  auf  einem  Reichstag  beigelegt,  indem
der  letztere  zu  Gunsten  des  ersteren  dem  Herzogtum  entsagte  und  dafür  für  seine  durch
einen  kleinen  Teil  von  Baiern  vergrößerte  Markgrasschaft  Oesterreich  den  Titel  und  Vorzug
  eines  Herzogtums  erhielt.  Dann  wurde  ein  allgemeiner  Friede  beschworen,  damit
nun  die  Reichsmacht  gegen  die  Mailänder  gerichtet  werden  konnte.

Wieder  war  ein  Streit  zwischen  Kaiser  und  Papst  ausgebrochen,  der  freilich  bald
beigelegt  wurde,  und  im  Sommer  1158  zog  Friedrich  wieder  über  die  Alpen.  In  Mailand
hätte  sich  der  Adel  und  die  höhere  Bürgerschaft  gern  gefügt,  das  Volk  selbst  aber  bestand
auf  den  Krieg.  Der  Kaiser  rückte  mit  allen  seinen  Truppen  vor  Mailand,  und  begann
eine  förmliche  Belagerung.  Hartnäckig  wehrte  sich  die  Stadt  gegen  eine  Macht  von
150  000  Mann,  während  die  Bürger  von  Pavia  und  Cremona  das  mailändische  Gebiet