148  Die  Hohenstaufen  in  Deutschland.

verheerten,  und  in  der  Stadt  endlich  Mangel  aller  Art  einriß.  Endlich  kam  es  zu
Unterhandlungen,  und  Friedrichs  harte  Bedingungen  wurden  angenommen.  Die  Mailänder
sollten  Abbitte  tun,  einen  kaiserlichen  Palast  in  ihrer  Stadt  bauen,  Geiseln  stellen,  und
was  das  Härteste  war,  sich  gefallen  lassen,  daß  die  kaiserlichen  Regalien  auf  einer  Ver—
sammlung  festgesetzt  wurden,  bei  welcher  der  Kaiser  selbst  den  Vorsitz  führte.  Nun
züchtigte  Friedrich  zuerst  die  Städte  Verona  und  Ferrara.  Bald  brach  wieder  ein  Zwist
zwischen  Kaiser  und  Papst  aus,  der  Bruch  wurde  immer  größer;  und  Hadrian  war  nahe
daran,  den  Kaiser  wieder  in  den  Bann  zu  tun,  als  er  1159  starb.

Auf  einem  großen  Reichstag  in  der  roncalischen  Ebene  bei  Piacenza  ließ  Friedrich
durch  Rechtsgelehrte  die  kaiserlichen  Rechte  nach  den  Bestimmungen  des  römischen  Reiches
untersuchen  und  feststellen.  Nach  deren  Ausspruch  wurde  dem  Kaiser  das  Recht  beigelegt,
  die  Obrigkeiten  in  den  Städten  mit  Beistimmung  des  Volks  einzusetzen,  und  Zölle,
Kopfsteuern  und  andere  Abgaben  zu  fordern.

Friedrich  verfuhr  gewalttätig;  die  erbitterten  Lombarden  und  ihre  Bundesgenossen
wurden  durch  Abgeordnete  des  griechischen  Kaisers,  die  sich  in  Venedig  aufhielten,  zur
Verteidigung  ihrer  Freiheit  aufgefordert,  die  deutschen  Komissare,  welche  die  Abgaben  zu
erheben  hatten,  verfuhren  hart.  Die  Mailänder  griffen  daher  schon  im  Jahre  darauf
wiederum  zu  den  Waffen,  und  Friedrich  war  lange  nicht  im  stande,  die  Stadt  einzuschließen,
weil  seine  Lehensmannschaft  ihn  gleich  nach  dem  Frieden  von  Mailand  verlassen  hatte.
Als  aber  Hilfe  aus  Deutschland  gekommen  war,  schritt  er  zu  energischen  Maßnahmen.
Er  nahm  sein  Hauptquartier  zu  Lodi,  und  gelobte,  nicht  eher  wieder  die  Krone  aufzusetzen,
  als  bis  er  die  Stadt  gezüchtigt  hätte.  Er  schnitt  allen  Verkehr  der  Stadt  mit
Piacenza  ab,  und  machte  das  Gebiet  um  die  Stadt  zu  einer  Wüste.  Unterdessen  wurde
Alexander  III.  zum  Papst  gewählt,  der  den  Kaiser  in  den  Bann  tat  und  sich  mit  den
Mailändern  verbündete.  Dennoch  wurden  die  Mailänder  in  die  äußerste  Not  gebracht,
und  mußten  sich  zuletzt  im  Jahre  1163  aufs  Neue  dem  Kaiser  auf  Gnade  und  Ungnade
ergeben.  Damals  wenn  anders  je,  wäre  der  günstige  Augenblick  gewesen,  die  deutsche
Herrschaft  in  der  Lombardei  fest  zu  gründen,  wenn  Friedrich  seinen  Sieg  mäßig  gebraucht
hätte.  Allein  er  verfuhr  gegen  die  Mailänder  und  ihre  Bundesgenossen  aufs  grausamste.
Nachdem  sich  die  ganze  Bürgerschaft  persönlich  vor  ihm  gedemütigt,  und  die  Erhaltung
ihres  Lebens  von  ihm  erfleht  hatte,  wurden  die  Mauern  und  Hauptgebäude  der  Stadt
niedergerissen,  und  sie  selbst  in  offene  Flächen  zerstreut.  Auch  Brescia,  Piacenza  und
andere  mit  Mailand  verbundene  Städte  erlitten  ein  ähnliches  Schicksal,  und  das  unglückliche
  Tortona  gab  Friedrich,  als  er  nach  Deutschland  zurückkehrte  zum  zweiten  Male  der
Wut  der  Pavesaner  frei,  die  es  dem  Erdboden  gleich  machten.

Aber  nach  Friedrichs  Abzuge  vereinigten  sich  die  meisten  lombardischen  Städte,  erbittert
über  das  harte  Schicksal  Mailands  und  den  Druck  der  kaiserlichen  Vögte,  zu  einem  großen
Bunde  (1167),  dessen  Seele  der  von  Friedrich  nicht  anerkannte  Papst  Alexander  III.  war.
Friedrich  zog  wieder  nach  Italien,  erschien  vor  Rom  und  nötigte  Alexander  zur  Flucht.
Er  setzte  seinen  Papst  Paschalis  III.  feierlich  ein,  und  ließ  sich  von  den  Römern  huldigen.
Allein  das  römische  Sommerfieber,  das  in  ganz  ungewöhnlichem  Grade  zu  müten  begann,
raffte  einen  großen  Teil  seines  Heeres  weg.  Sobald  die  Nachricht  von  diesem  Unglück
in  die  Lombardei  kam,  erhob  alles,  von  den  Tälern  Piemonts  an  bis  zur  Etsch  die
Waffen  gegen  den  Kaiser,  selbst  das  getreue  Lodi  wurd  genötigt,  dem  Bunde  gegen  ihn
beizutreten  nur  Pavia  allein  blieb  ihm  treu.  Wenn  aber  Friedrich  je  groß  erscheint,  so