152  Die  hohenstaufen  in  Deutschland.

und  zwar  nicht  bloß  in  Sachsen  und  den  benachbarten  Ländern,  sondern  auch  in  Bayern,
wo  die  Gewalt  seiner  Waffen  überwog.  Er  nahm,  als  er  sein  Interesse  darin  fand,
Lübeck  zu  einer  bedeutenden  Handelsstadt  zu  machen,  dem  Grafen  von  Holstein  ohne
weiteres  seine  Rechte  über  diese  Stadt,  zwang  ihn  mit  Gewalt  zur  Nachgiebigkeit,  gab
dann  den  Lübeckern  bedeutende  Privilegien  und  ließ  in  den  nordischen  Reichen  bekannt
machen,  daß  der  Handel  mit  Lübeck  von  allen  Zöllen  befreit  sei.  Uebrigens  blühte  von
der  Zeit  an  diese  Stadt  rasch  auf  und  nahm  an  Einwohnerzahl  ungemein  zu.  Er
unterwarf  sich  einen  großen  Teil  der  Wenden,  siedelte  Kolonisten  aus  den  Niederlanden
und  Mecklenburg  an  den  Ufern  der  Weser  und  Elbe  an,  erbaute  nicht  nur  Burgen,
sondern  machte  auch  die  dort  eingesetzten  und  abhängigen  Bischöfe  zu  Herren  und  Gebietern
  der  Wenden.  Er  verband  sich  zur  Bekämpfung  der  Wenden  mit  dem  König
Waldemar  von  Dänemark,  entzweite  aber  sich  dadurch  mit  allen  seinen  Nachbarn.  Vergebens
schlossen  die  norddeutschen  Fürsten,  besonders  der  Markgraf  Albrecht  von  Brandenburg
und  Landgraf  Ludwig  von  Thüringen,  einen  Bund  gegen  ihn.  Um  der  Zudringlichkeit
des  Kaisers  in  seinen  italienischen  Angelegenheiten  zu  entgehen,  machte  er  1172  eine
Pilgerfahrt  nach  Jerusalem.  Seine  Rückkehr  fiel  gerade  in  die  Zeit,  als  Friedrich  seinen
Hanptrachezug  gegen  die  Lombarden  beginnen  wollte,  1173.  Er  wollte  aber  auch  jetzt
keinen  Anteil  an  dessen  Kriegen  nehmen.  Er  erweiterte  seine  Besitzungen,  betrieb  mit
besonderem  Eifer  seinen  Bergbau  im  Harz,  wußte  bei  Belagerungen  auch  seine  Bergleute
trefflich  zu  benutzen  und  suchte  endlich,  um  den  ganzen  Harz  sein  nennen  zu  können,  auch
Goslar  seiner  Herrschaft  zu  unterwerfen.  Darüber  zerfiel  endlich  Friedrich  ganz  mit  dem
Herzog;  nach  des  Kaisers  Rückkehr  aus  Italien,  wo  die  Schlacht  von  Legnano  verloren
worden  war,  traten  alle  Feinde  Heinrichs  klagend  gegen  ihn  auf.  Auf  dem  Reichstag
zu  Goslar  erschien  er  nicht.  Auf  einem  Reichstag  zu  Würzburg  wurde  er  1180  in  die
Acht  erklärt.

Mit  den  Trümmern  des  Reiches,  welches  Heinrich  dreißig  Jahre  lang  gebaut  hatte,
wurden  viele  deutsche  Häuser  bereichert.  Bayern  wurde  1180  an  den  treuen  Pfalzgrafen
Otto  von  Wittelsbach  vergeben,  dessen  Nachkommen  auch  jetzt  noch  dort  herrschen.  Doch
wurden  zugleich  beträchtliche  Teile  von  diesem  Herzogtum  als  unmittelbare  Reichslehen
an  Bischöfe,  Grafen  und  Städte  verliehen.  Auch  das  Herzogtum  Sachsen  wurde
zerstückelt.  Der  westliche  Teil  kam  an  das  Erzstift  Köln;  die  Bischöfe  von  Paderborn,
Hildesheim,  Bremen  und  Magdeburg  wurden  reichsunmittelbar.  Das  so  verkleinerte
Herzogtum  Sachsen  wurde  dann  an  Bernhard  von  Anhalt,  einen  Sohn  Albrecht  des
Bären  verliehen.  Auf  solche  Weise  wurde  durch  diesen  hohenstaufischen  Kaiser  die  großen
Reichslehen  oder  Herzogtümer  zerstückelt,  was  zu  einer  immer  größeren  Zersplitterung
des  Reichs  führte,  ohne  daß  dadurch,  wie  Friedrich  beabsichtigte,  die  kaiserliche  Macht
gewann.

Tapfer  widerstand  der  Löwe  seinem  Gegner  zwei  Jahre  lang.  Als  aber  der  Kaiser
selbst  die  Waffen  gegen  ihn  wandte,  mußte  er  sich  diesem  unterwerfen  und  auf  dem
Reichstage  zu  Erfurt  fußfälliz  um  Gnade  bitten.  Uebrigens  war  der  Kaiser  nicht  geneigt,
ihn  gänzlich  zu  verderben,  mußte  aber  dem  Drängen  von  Heinrichs  Feinden  soweit  nachgeben,
  daß  er  ihn  auf  drei  Jahre  aus  dem  Reiche  verbannte;  dagegen  sicherte  er  ihm
alle  vererbten  Familiengüter,  aus  denen  später  das  Herzogtum  Braunschweig  entstand,
geierlichst  zu.  Der  Herzog  begab  sich  zu  seinem  Schwiegervater,  dem  König  Heinrich  II.
von  England  Dieser  unterhandelte  für  ihn  mit  dem  Papst  und  dem  Kaiser,  bis  er