154  Die  Hohenstaufen  in  Beutschland.

dieses  letzte  und  glänzende  Gelingen  seines  großartigen  Lebens  den  Grund  zum  baldigen
Untergang  seines  Hauses  legte.

Bald  darauf  drang  die  Kunde  von  dem  Fall  Jerusalems,  das  der  Sultan  Saladin
1187  erobert  hatte,  in  das  Abendland.  Die  mächtigsten  Herrscher  rüsteten  sich  zum
Kreuzzug:  Richard  Löwenherz  von  England,  Philipp  August  von  Frankreich  und  allen
voran  Friedrich  Barbarossa.  Im  Jahre  1189  zog  er  mit  einem  glänzenden  Heere  nach
Konstantinopel  und  durch  die  öden,  heißen  Hochebenen  Kleinasiens.  Vor  Iconium,  wo
ihm  der  Feind  entgegentrat,  schlug  er  diesen  in  die  Flucht  und  eroberte  die  Stadt.
Endlich  erreichte  man  den  Kalykadnus  oder  Seleph,  der  nahe  dem  Cydnus  strömte
und  von  Regengüssen  stark  angeschwollen  war.  Friedrich  suchte  mit  wenigen  Begleitern
  eine  Furt  und  wagte  sich,  als  ob  er  noch  ein  Jüngling  wäre,  in  die  Flut,
um  zum  andern  Ufer  zu  schwimmen.  Allein  in  der  Mitte  des  Stromes  verließ  ihn  die
Kraft  und  er  rief  um  Hilfe.  Tödlich  ermattet  wurde  er  ans  Ufer  gezogen  und  bald
darauf  hauchte  er  seinen  Geist  aus.  Sein  Leichnam  wurde  bis  Antiochien  gebracht:
bald  im  Jahre  1191  starb  auch  sein  Sohn  Friedrich.  Da  kehrten  viele  in  die  Heimat
zurück,  viele  waren  schon  den  Mühen  und  Gefahren  unterlegen  und  nur  kümmerliche
Reste  der  Deutschen  vereinigten  sich  mit  Richard  Löwenherz  und  dem  König  von
Frankreich  vor  Akkon.

Heinrich  VI.  1190  —  1107.

In  Heinrich  VI.  lebten  nicht  nur  die  großen  Entwürfe  seines  Vaters,  sondern  auch
dessen  Feldherrntalent,  Scharfblick  und  unermüdliche  Tätigkeit  fort;  doch  fehlten  seinem
reichbegabten  Geiste  die  edleren  sittlichen  Grundlagen.  In  seiner  Jugend  dem  Zauber
der  Dichtung  zugänglich  und  selbst  Dichter,  tritt  er  uns  nach  seiner  Thronbesteigung  als
kalt  berechnender,  rücksichtsloser  Staatsmann  entgegen,  der  nur  eine  Leidenschaft  kannte,
die  zu  herrschen,  und  sogar  Hinterlist  und  Grausamkeit  nicht  schente,  wenn  sie  ihn  zum
Ziele  führen  konnten.

Heinrichs  Regierung  begann  mit  der  Bekämpfung  des  alten  Feindes  seines  Hauses,
Heinrichs  des  Löwen,  der  gleich  nach  Barbarossas  Abreise  1189  sein  Wort  gebrochen
hatte,  und  wieder  nach  Deutschland  zurückgekehrt  war,  um  die  Abwesenheit  des  Kaisers
und  so  vieler  Reichsvasallen  zur  Wiedererlangung  seiner  Macht  zu  benutzen.  Anfangs
begünstigte  ihn  auch  das  Glück,  aber  doch  wurde  er  gezwungen,  sich  auf  Unterhandlungen
einzulassen,  und  der  Kaiser,  welcher  diese  Angelegenheit  schnell  abmachen  wollte,  um  seine
Romfahrt  antreten  zu  können,  nahm  ihn  wieder  zu  Gnaden  an.  Nun  eilte  Heinrich  nach
Italien,  um  die  durch  den  Tod  seines  Schwiegervaters,  des  Königs  Wilhelm  II.  von
Neapel  und  Sizilien  erledigten  Reiche  in  Besitz  zu  nehmen.  Gefühllos  wütete  er  gegen
die  Partei  des  Grafen  Lecce,  einen  unehelichen  Nachkommen  des  normannischen  Königshauses,
  der  zum  König  von  Neapel  und  Sizilien  ernannt  worden  war.  Ebenso  unedel
benahm  sich  Heinrich  gegen  den  von  seiner  Kreuzfahrt  heimkehrenden  Richard  Löwenherz
von  England.  Dieser  hatte  nach  der  Eroberung  von  Akkon  eine  Fahne,  die  der  Herzog
Leopold  von  Oesterreich  auf  einem  Turm  aufpflanzen  ließ,  herabreißen  lassen.  Richard
wurde  nun,  als  er  auf  der  Rückreise  an  die  Küste  von  Aquileja  verschlagen,  seinen