Heinrich  VI.  155

Weg  durch  Deutschland  nehmen  wollte,  in  der  Nähe  von  Wien  in  seiner  Verkleidung
erkannt  und  von  dem  beleidigten  Herzog  gefangen  gesetzt.  Heinrich  verlangte  nun  die
Auslieferung  des  königlichen  Gefangenen,  und  ließ  ihn  auf  das  Bergschloß  Trifels  bringen,
wo  er  ihn  in  harter  Gefangenschaft  hielt,  bis  der  Sänger  Blondel  seinen  Aufenthalt
erforschte,  und  Richard  um  eine  bedeutende  Summe  losgekauft  wurde.

Diese  Summe  diente  zur  Bestreitung  eines  neuen  Zugs  nach  Italien;  die  Umstände
waren  günstig.  Heinrich  der  Löwe  hatte  sich  zurückgezogen,  und  ein  Jahr  später  starb
er  (1195).  Tankred  starb  schon  1194.  Eine  Flotte  ihm  zu  stellen  bewog  er  die  Genuesen
und  Pisaner,  indem  er  ihnen  außerordentliche  Rechte  und  Vorteile  zukommen  ließ,  und
sie  durch  große  Versprechungen  betrog,  die  er  me  zu  halten  gesonnen  war.  Im  Jahre

Aus  Petri  d'’Ebulo,  Carmen  de  Bello  Sleulo  inter  Henricum  VI.  Imp.  et  Tancredum
in  der  Berner  Bibliothek.

1194  griff  er  Neapel  und  Sizilien  an,  und  bemächtigte  sich  in  wenig  Monaten  des  Reichs.
Nachdem  er  zu  Palermo  gekrönt  worden  war,  suchte  er  seine  Herrschaft  durch  grausame
Verfolgung,  namentlich  der  Familie  Tankreds  zu  befestigen.  Mehrere  Erzbischöfe  und
Bischöfe  sowie  viele  Edle  und  Grafen  wurden  als  Teilnehmer  an  einer  gegen  ihn
gerichteten  Verschwörung  teils  zu  einem  schmachvollen  Tod  verurteilt,  teils  geblendet,  ein
Schicksal,  das  auch  Tankreds  minderjährigen  Sohn  Wilhelm  traf.

Nach  seiner  Rückkehr  nach  Deutschland  saßte  Heinrich  den  großen  Gedanken,  die
Erblichkeit  seiner  Krone  festzustellen,  und  so  die  verderbliche  Einrichtung  des  Wahlreiches
zu  beseitigen.  Er  bot  dafür  den  weltlichen  Fürsten  das  Versprechen,  daß  ihre  Lehen  nicht
bloß  —  was  ja  längst  feststand  —  auf  die  männliche,  sondern  nach  dem  Aussterben  auch
auf  die  weibliche  Linie  und  auch  Nebenlinie  übergehen  solle,  den  Geistlichen  die  Aufhebung
  des  Spolienrechtes.  Nahe  stand  er  der  Verwirklichung  dieses  Planes,  denn  die