156  Hie  Hohenstausen  in  Beutschland.

meisten  Fürsten  hatte  er  für  denselben  gewonnen;  da  rief  ihn  noch  einmal  eine  Empörung
nach  Sizilien,  die  er  dieses  Mal  mit  äußerster  Strenge  bestrafte.  Dabei  wurden  seine
Pläne  immer  kühner  und  umfassender.  Seine  Oberhoheit  hatte  England  bereits
anerkennen  müssen,  Frankreich  begann  er  nun  ebenfalls  wie  einen  Lehensstaat  seines
Reiches  zu  behandeln;  auch  die  spanischen  Lande,  besonders  Kastilien  dachte  er  sich
untertan  zu  machen,  und  mit  eiserner  Hand  pochte  er  auf  das  griechische  Ostreich.
Zu  einem  neuen,  gewaltigen  Kreuzzug,  auf  dem  er  seine  Pläne  im  Orient  auszuführen
gedachte,  strömten  schon  Scharen  aus  ganz  Deutschland  nach  Unteritalien  zusammen;  da
setzte  Heinrichs  Tod  allen  diesen  kühnen  Pläuen  ein  Ziel;  im  Jahre  1197  starb  zu
Messina  der  32jährige  Herrscher,  und  mit  sich  nahm  er  den  Traum  einer  deutschen  Weltherrschaft
  ins  Grab.

Philipp  von  Sch#baben  1198  —1208.  Otto  IV.  1198  —1215.

Da  Heinrichs  Sohn,  der  nachherige  Friedrich  II.  beim  Tode  des  Vaters  erst  drei
Jahre  alt  war,  so  wählte  die  hohenstaufensche  Partei,  um  einer  vormundschaftlichen
Regierung  zu  entgehen,  Heinrichs  Bruder,  den  Herzog  Philipp  von  Schwaben  zum
König,  während  die  zu  Köln  versammelten  Anhänger  des  welfischen  Hauses  auf  Betreiben
des  dortigen  Erzbischofs  die  Krone  zuerst  dem  reichen  Berthold  von  Zähringen,  und
als  dieser  seine  Ansprüche  gegen  eine  reiche  Entschädigung  an  Philipp  von  Schwaben
abtrat,  einem  Sohne  Heinrichs  des  Löwen,  Otto  IV.  die  Krone  übertrug.  So  entstand
von  neuem  Parteiung  und  blutiger  Kampf  zehn  Jahre  lang  in  Deutschland.

Während  dieser  Wirren  gelang  es  dem  geistesstarken  Papst  Innocenz  III.,  welcher
schaffend  und  leitend  in  alle  Verhältnisse  seiner  Zeit  eingriff,  die  geistliche  Macht  auf  den
höchsten  Gipfel  zu  erheben;  als  Vormund  des  jungen  Friedrich  von  seiner  Mutter
Constantia  sterbend  ernannt,  gab  Innocenz  diesem  eine  treffliche  Erziehung,  und  erhielt
ihm  sein  von  den  Parteien  zerrüttetes  Erbteil  Sizilien.

In  Deutschland  kämpfte  Philipp  mit  Erfolg  gegen  den  Welfen  Otto,  gewann  durch
seine  Leutseligkeit  und  Milde  immer  mehr  Anhänger,  auch  der  Papst  neigte  sich  ihm  zu,
da  er  einem  Neffen  desselben  eine  seiner  Töchter  zur  Gemahlin  versprochen  hatte,  ja  er
erklärte  sich  am  Ende  bestimmt  für  Philipp.  Die  Hohenstaufen  würden  gewiß  obgesiegt
haben,  wenn  nicht  im  folgenden  Jahre  (1208)  der  Pfalzgraf  Otto  von  Wittelsbach,  der
Neffe  des  von  Friedrich  Barbarossa  mit  dem  Herzogtum  Bayern  belehnten  Wittelsbachers,
den  König  Philipp  auf  der  Altenburg  bei  Bamberg  ermordet  und  dadurch  dessen  Gegner
zur  unbestrittenen  Herrschaft  verholfen  hätte.  Philipp  war  einer  Privatrache  zum  Opfer
gefallen;  er  hatte  dem  Pfalzgrafen  früher  eine  seiner  Töchter  zur  Ehe  versprochen,  dann
aber  sein  Wort  wieder  zurückgenommen.  Otto  wurde  nun  allgemein  als  König  anerkannt,
  nachdem  er  sich  mit  Philipps  Tochter  Beatrix  verlobt  hatte.  Auch  empfing  er
vom  Papste  Innocenz  III.  zu  Rom  die  Kaiserkrone  (1209),  nachdem  er  demselben  eine
Reihe  von  Besitzungen  abgetreten  hatte.  Doch  verlor  Otto  bald  Macht  und  Ansehen  im
Reiche;  denn  er  geriet  mit  dem  Papste  in  Streit,  weil  er  seinem  Königseide  gemäß  die
kaiserlichen  Rechte  in  Unteritalien  ungeschmälert  ausüben  wollte.  Er  wurde  von  dem
Papste  sogar  in  den  Bann  getan,  als  er  den  jungen  Friedrich  aus  Unteritalien,  seinen