158  Die  Hahenstanfen  in  Deutschland.

Erbe,  verdrängen  wollte.  Vom  Papste  ermuntert,  riefen  daher  die  Anhänger  des  hohenstaufischen
  Kaiserhauses  den  schönen  und  geistreichen  Friedrich,  der  damals  18  Jahre
zählte,  nach  Deutschland,  um  den  Thron  in  Besitz  zu  nehmen  (1212).  Hier  gewann  der
Hohenstaufe  bald  alle  Herzen.  Otto  II.,  von  seinen  Anhängern  verlassen,  zog  sich  in
seine  Erblande  zurück  und  starb  auf  der  Harzburg  (1218).

Friedrich  II.  1215  —  1250.

Im  Jahre  1215  wurde  Friedrich  II.  zu  Aachen  als  König  der  Deutschen  gekrönt.
Die  Kaiserkrone  empfing  er  zu  Rom  durch  Papst  Honorius  III.  im  Jahre  1220.  Er
war  ein  durch  körperliche  Schönheit,  hellen,  durchdringenden  Geist  und  umfassende
Bildung  ausgezeichneter  Kaiser.  Er  redete  und  schrieb  fünf  Sprachen,  war  ein  ausgezeichneter
  Dichter,  stiftete  die  Universität  Neapel  (1224)  und  sammelte  die  tüchtigsten
Männer  um  sich.  Für  sein  Erbreich  Sizilien  ließ  er  ein  vortreffliches  Gesetzbuch  verfertigen,
  sowie  er  überhaupt  seine  Kraft  und  seine  Zeit  mehr  diesem  Reiche  als  Deutschland
  widmete,  so  daß  seine  Regierungszeit  für  das  letztere  weit  nicht  so  wohltätig  wurde,
als  sie  hätte  sein  können.  Die  Verwaltunng  des  Deutschen  Reiches  überließ  Friedrich
seinem  ältesten  Sohne  Heinrich,  den  er  gegen  ein  dem  Papst  gegebenes  Versprechen,  die
Krone  von  Sizilien  nie  mit  Deutschland  zu  vereinigen,  zu  Frankfurt  zum  König  wählen
ließ  (1220).  Er  selbst  suchte  den  Plan  auszuführen,  ganz  Italien  zu  vereinigen,  und
so  ein  Reich  zu  gründen,  welches  das  blühendste  der  Christenheit  wäre.  Allein  der  Kampf,
in  den  er  dabei  mit  den  Päpsten  und  den  lombardischen  Städten  geriet,  verzehrten  nicht
nur  Friedrichs  Kraft,  sondern  bereitete  auch  seinem  ganzen  Hause  den  Untergang.

Der  Streit  mit  den  Päpsten  entstand  zunächst,  weil  Friedrich  einen  zweimal,  bei
seiner  Krönung  in  Aachen  und  Rom  gelobten  Kreuzzug,  der  italienischen  Angelegenheiten
wegen,  immer  wieder  verschob.  Papst  Gregor  IX.  sprach  daher  nach  wiederholten
Mahnungen  im  Jahre  1227  den  Kirchenbann  über  Friedrich  aus;  dieser  trat  nun  trotzdem
  im  folgenden  Jahre  den  Kreuzzug  an,  und  erwarb  in  einem  Vergleich  mit  dem
Sultan  Alkamel  von  Aegypten  Jerusalem  und  alle  heiligen  Orte  bis  zur  Küste  von
Akkon.  Er  setzte  sich  in  der  Kirche  des  heiligen  Grabes  selbst  die  Krone  von
Jerusalem  aufs  Haupt,  da  der  Patriarch  den  Gebannten  nicht  krönen  wollte.  Unterdessen
  hatte  Gregor  IX.  sogar  ein  Kriegsheer  gegen  Friedrichs  Erblande  aufgeboten,  die
er  als  verwirkte  Lehen  einziehen  wollte.  Nach  Friedrichs  Heimkehr  kam  aber  durch  den
wackeren  Deutschordensmeister  Hermann  von  Salza  eine  Aussöhnung  zwischen  Kaiser
und  Papst  zu  sttande,  und  der  Kirchenbann  wurde  1230  von  Friedrich  genommen.
Der  Kaiser  aber  blieb,  trotzdem  er  sich  scheinbar  gedemütigt  hatte,  mit  allen  Feinden
Gregors,  besonders  mit  den  unruhigen  Römern  im  Einverständnis,  und  der  Papst  seinerseits
  bestärkte  die  Lombarden  in  ihrer  Widersetzlichkeit  gegen  Friedrich.

Der  Kaiser  trat  mit  dem  grausamen  Exzelino  von  Romano  in  Verbindung  und
verabredete  mit  ihm  einen  tief  angelegten  Plan  zum  Verderben  der  Städte.  Um  die
Universität  Bologna,  deren  Ruf  über  12  000  Fremde  anzog  und  die  unter  dem  Schutze
des  Papstes  stand,  zu  Grunde  zu  richten,  stiftete  er  die  schon  genannte  Universität  Neapel,