160  Die  Hohenstaufen  in  Deutschland.

beschenkte  sie  mit  großen  Privilegien,  und  verbot  allen  Bewohnern  der  neapolitanischen
Reiche  im  Auslande  zu  studieren  oder  zu  lehren.

Friedrich  hatte,  als  er  im  Jahre  1220  für  eine  lange  Reihe  von  Jahren  nach
Italien  zurückkehrte,  seinen  damals  erst  zehn  Jahre  alten  Sohn  in  Deutschland  zurückgelassen,
  und  dem  Namen  nach  an  die  Spitze  der  deutschen  Angelegenheiten  gestellt.
Heinrich  wuchs  ganz  ohne  Erziehung  zum  Teil  in  roher  und  ungebildeter,  zum  Teil  in
leichtsinniger  Gesellschaft  auf  und  ergab  sich  einem  üppigen  Leben.  Daher  auch  hier
überall  Fehde  und  Streit  der  Fürsten  und  Edlen  untereinander.  Am  Ende  trat  Heinrich
sogar  ins  Einverständnis  mit  den  Lombarden  und  lehnte  sich  gegen  den  Vater  auf,  von
dem  er  sich  unabhängig  machen  wollte  (1234).  Friedrich  zog  deswegen  1235  nach
Deutschland,  und  kaum  war  er  dort  angekommen,  als  Heinrich  von  all  seinen  Anhängern
verlassen  wurde.  Der  betörte  Sohn  reiste  dem  Vater  entgegen,  erbat  und  erhielt  Verzeihung,
  beging  aber  gleich  nachher  neue  Unbesonnenheiten  und  Gewalttätigkeiten  und
verweigerte  auch  die  Uebergabe  der  Burg  Trifels,  in  welcher  seit  Friedrichs  I.  Zeit  die
kaiserlichen  Schätze  verwahrt  wurden.  Nun  ließ  ihn  der  Kaiser  gefänglich  einziehen  und
zuerst  in  der  alten  Burg  Heidelberg,  über  dem  jetzt  als  Ruine  bewunderten  Schloß  des
Pfalzgrafen,  und  dann  in  einer  Stadt  von  Graubünden  in  harter  Haft  halten.  Von
hier  wurde  der  unglückliche  Prinz  nach  Unteritalien  gebracht  und  erlag  endlich  im
Gefängnis.

Auf  einem  glänzenden  Reichstag  zu  Mainz  1235  erhob  Friedrich  die  welfischen
Erblande  zu  dem  Herzogtum  Braunschweig-Lüneburg  und  gab  in  deutscher  Sprache  ein
wichtiges  Gesetz  über  Erhaltung  des  Landfriedens.  Im  folgenden  Jahre  1236  richtete
Friedrich  II.  den  letzten  Babenberger,  Friedrich  den  Streitbaren  von  Oesterreich,  der  bei
dem  Aufstand  des  jungen  Heinrich  eine  etwas  zweideutige  Rolle  gespielt  hatte,  und
erschien  von  Oberitalien  her  selbst  in  Wien,  um  seinen  Widerstand  zu  brechen.  Hier
wurde  dann  des  Kaisers  Sohn  Konrad  1237  zum  König  von  Deutschland  erwählt;  aber
durch  einen  feierlichen  Wahlvertrag  sorgten  die  Fürsten  dafür,  daß  ihre  Rechte  unverkümmert
  blieben.

Im  Jahre  1237  gelang  es  Friedrich  den  lombardischen  Städten  bei  Cortenuova
am  Oglio  eine  schwere  Niederlage  beizubringen;  da  er  aber,  wie  einst  Friedrich  Barbarossa,
  nun  seine  Ansprüche  zu  hoch  gehen  ließ,  dauerte  der  Kampf  fort,  in  dessen  Verlauf
Papst  Gregor  IX.  von  neuem  den  Bann  über  Friedrich  aussprach.  Dagegen  begann
nun  dieser  einen  Kampf,  wie  vor  ihm  kein  Herrscher;  und  dieser  Kampf  endigte  auch
nicht,  als  Gregor  IX.  beinahe  hundertjährig  gestorben  war,  und  nach  langer  Zeit
Innocenz  IV.,  ein  bisheriger  Freund  des  Kaisers,  gewählt  wurde.  Dieser  entfloh  vor
Friedrich  nach  Frankreich,  wo  er  eine  Kirchenversammlung  nach  Lyon  berief,  die  den
Bann  gegen  den  Kaiser  erneuerte.  Seitdem  sank  Friedrich  in  der  öffentlichen  Meinung
und  damit  sein  Glück.  In  Deutschland  stellte  die  welfische  Partei,  unterstützt  vom
Papste,  zuerst  einen  Gegenkönig  in  dem  Landgrafen  Heinrich  Raspe  von  Thüringen
(1246),  und  als  dieser  ohne  Ansehen  bald  starb,  in  dem  Grafen  Wilhelm  von
Holland  (1247)  auf.  Dazu  kam  von  außen  Unheil.  Die  Mongolen,  ein  furchtbarer
Schwarm  heidnischer  Barbaren,  hatten,  aus  dem  Inneren  Asiens  kommend,  nun  auch  in
Schlesien  Einbrüche  verübt.  Allein  weder  Kaiser  noch  König  kümmerten  sich  um  diese
Gefahr,  und  nur  Herzog  Heinrich  II.  von  Niederschlesien  war  ihnen  bei  Liegnitz  entgegengetreten.
  Er  siegte  zwar  nicht,  ja  er  fand  in  der  Schlacht  sogar  selbst  den  Heldentod,