Kourad  IV.  und  Kontadin  rtr.  161

aber  dieser  Mut  machte  auf  die  Barbaren  doch  solchen  Eindruck,  daß  sie,  als  auch  ein
zweites  Heer  unter  dem  Böhmenkönig  Wenzel  vorrückte,  Europa  mit  Ausnahme  Rußlands
räumten.

Friedrich  II.  selbst,  niedergebeugt  durch  das  Unglück,  das  sein  Feldherr  Enzio  im
Kampf  gegen  die  Bologneser  hatte,  die  ihn  gefangen  nahmen,  starb  auf  dem  Schlosse
Fiorentino  in  Apulien  am  13.  Dezember  1250.

Konrad  IV.  und  Konradin,  das  Ende  der  Hohenstoufen
und  das  Interregnum  1250  —  1200.

Auf  die  Nachricht  vom  Tode  seines  Vaters  war  Kourad  IV.,  dessen  Sache  in
Deutschland  fast  rettungslos  darniederlag,  sofort  nach  Italien  gezogen,  um  sein  Erbland
in  Besitz  zu  nehmen,  das  sein  Stiesvater  Manfred  für  ihn  zu  behaupten  gewußt  hatte.
Allein  schon  am  20.  Mai  1254  erlag  er,  noch  nicht  volle  siebenundzwanzig  Jahre  alt,
einem  Fieberanfall.

Da  Konrads  gleichnamiger  Sohn,  von  den  Italienern  Konradin  genannt,  bei
dem  Tod  seines  Vaters  kaum  zwei  Jahre  alt  war,  beruhte  die  Hoffnung  der  italienischen
Ghibellinen  einzig  auf  dem  zweiundzwanzigjährigen  feurigen  und  mutvollen  Manfred,
der  am  11.  August  1258  in  Palermo  zum  König  gekrönt  wurde.

Indessen  hatte  Papst  Urban  IV.,  dessen  Vorgänger  Alexander  IV.  über  Manfred
den  Bann  ausgesprochen  hatte,  dem  Bruder  Ludwigs  IX.  von  Frankreich,  Karl  von  Anjon
das  sizilische  Reich  übertragen,  und  dieser  erschien  mit  Heeresmacht,  um  von  demselben
Besitz  zu  nehmen.  An  der  Spitze  seiner  Getreuen  zog  ihm  Manfred  entgegen,  doch  der
Verrat  einzelner  sizilischer  Großen  bereitete  ihm  in  der  Entscheidungsschlacht  von  Benevent
am  25.  Februar  1266  eine  vollständige  Niederlage,  in  welcher  Manfred  selbst  den  Tod
suchte  und  sand.  Seine  drei  Söhne,  welche  mit  der  Mutter  dem  Sieger  in  die  Hände
gefallen  waren,  wurden  auf  Karls  Befehl  geblendet  und  starben  im  Gefängnis.

Mit  der  gleichen  herzlosen  Grausamkeit,  wie  gegen  die  Familie  des  gefallenen
Manfred,  wütete  Karl,  ohne  die  ernsten  Abmahnungen  des  Papstes  zu  beachten,  auch
gegen  die  sizilischen  Ghibellinen.  Diese  sandten  daher  Boten  nach  Deutschland,  um  den
sechzehnjährigen  Konradin  zur  Besitznahme  seiner  Erblande  einzuladen.

Konradin,  zum  mutigen  Jüngling  herangereift,  und  voll  von  Erinnerung  an  die
einstige  Größe  seines  Hauses,  folgte  dieser  Einladung  gerne,  obgleich  seine  Mutter,  die
seit  kurzem  an  den  Beherrscher  von  Tyrol  verheiratet  war,  und  sein  Oheim  Herzog
Ludwig  von  Bayern,  bei  dem  er  lebte,  ihn  warnten  und  abmahnten.  Mit  einem  kleinen
Heer,  das  er  durch  Verkauf  und  Verpfändung  seiner  Erbgüter  in  Schwaben  und  Bayern
geworben  hatte,  ging  er  im  Herbst  1167  über  die  Alpen.  Ihn  begleitete  Friedrich  von
Baden,  der  Sohn  des  Markgrafen  Hermann  von  Baden,  mit  dem  ihn  gleiches  Alter
und  gleiches  Geschick  zu  innigster  Freundschaft  verband.  Denn  Friedrich  war  durch  den
König  Ottokar  von  Böhmen  ebenfalls  aus  seinem  Erbe,  dem  Großherzogtum  Oesterreich
verdrängt  worden.  Der  Hohenstaufe  wurde  in  Italien,  namentlich  in  Rom,  mit  Jubel
begrüßt,  auch  schien  das  Glück  anfangs  sein  Unternehmen  zu  begünstigen.  Aber  in  der

Ebner.  Illustrierte  Geschichte  Deutschlands.  12