162  Die  Hoheunstanfen  in  Deutschland.

Schlacht  von  Tagliocco  am  23.  August  1268  ging  der  anfängliche  Sieg  durch  einen  klug
angelegten  Hinterhalt  des  französischen  Heeres  in  völlige  Besiegung  über.  Konradin  und
Friedrich  von  Baden  mit  einigen  Getreuen  waren  nach  Rom  und  von  da  nach  der  Küstenstadt
  Astura  verkleidet  entflohen,  um  nach  Pisa,  dem  Haupte  der  ghibellinischen  Partei
in  Toscana  zu  entkommen.  Sie  wurden  aber  erkannt,  für  Lohn  an  König  Karl  ausgeliefert
  und  nach  Neapel  gebracht.  Karl,  um  den  Schein  des  Rechtes  zu  wahren,  berief
nun  eine  Versammlung  von  Richtern,  diese  waren  alle  bis  auf  einen  der  Meinung,  daß
Konradin  nicht  als  Empbrer,  sondern  im  Glauben  an  sein  gutes  Recht  gegen  Karl  gekämpft
  habe.  Dessen  ungeachtet  wurde  unter  dem  Seufzen  und  Klagen  des  weinenden
Volkes  dieser  letzte  Sprößling  des  hohenstaufischen  Hauses  zum  Tode  verurteilt,  den
er  mit  seinem  treuen  Freunde  Friedrich  von  Baden  und  dreizehn  andern  deutschen
und  italienischen  Edeln  mit  Mut  und  Fassung  auf  dem  Blutgerüst  zu  Neapel  erlitt
(29.  Oktober  1268).

So  endete  das  glanz=  und  ruhmvolle,  vielgepriesene  Geschlecht  der  Hohenstaufen.
Je  stolzer  seine  Macht  gewesen  war,  um  so  erschütternder  ist  sein  Untergang.  In  kaum
einem  Menschenalter  sank  es  von  der  höchsten  irdischen  Höhe  tief  herab,  und  mit  ihm
sank  der  Ruhm  des  Kaisertums.  Denn  gegen  Ende  der  Hohenstaufenzeit  begann  trotz
allen  Glanzes  schon  die  innere  Auflösung  des  Reiches.  Beim  Ausgange  der  sächsischen
Kaiser  waren  die  großen  Lehen  erblich,  als  der  letzte  fränkische  Kaiser  starb,  war  die
Erblichkeit  aller  Lehen  durchgeführt,  und  die  geistlichen  Fürsten,  früher  die  Stützen  der
kaiserlichen  Macht,  dem  wachsenden  Einfluß  der  Päpste  je  länger  desto  mehr  verfallen.
Beim  Ausgange  der  Staufen  waren  die  Fürsten  in  ihren  Gebieten  selbständige  Herren;
die  fürstliche  Landeshoheit  war  geschaffen,  und  die  emporblühenden  Städte,  von  den
Kaisern,  deren  Stütze  sie  hätten  werden  können,  den  Landesherren  überantwortet,  und
dadurch  in  den  Gegensatz  zur  kaiserlichen  Gewalt  gedrängt,  waren  zur  Sonderentwicklung
genötigt.  Geflissentlich  hatten  die  Staufen  die  großen  Herzogtümer,  die  der  obersten
Reichsgewalt  am  bedenklichsten  sein  mußten,  in  kleine  geistliche  und  weltliche  Territorien
geschlagen.  Noch  machte  die  herrschend  gewordene  Vereinzelung  die  Deutschen  nicht
wehrlos;  in  Notfällen,  wie  bei  dem  Mongolenangriff,  oder  bei  den  Eroberungsversuchen
der  Dänen  im  Norden,  taten  sich  die  Nächstwohnenden  und  zunächst  Bedrohten  zum  freien
Bunde  zusammen,  und  die  Tüchtigkeit,  die  in  allen  Gliedern  lebte,  war  noch  immer
mächtig  genug,  Hilfe  zu  schaffen.  Aber  das  waren  Erfolge  der  Sondermächte,  des
Fürstentums,  später  auch  der  vereinigten  Städte:  Deutschlands  Gesamtmacht  war  dahin
und  sechshundert  Jahre  vergingen,  ehe  unsere  Nation  wieder  den  Weg  zur  Einheit  fand,
und  auf  dem  Untergrunde  glorreicher  Taten  Gesamtdeutschlands  das  neue  deutsche  Reich
erschuf,  zu  Deutschlands  Ehre.

Das  Interregnum  1208  —  1273.

Nach  dem  Untergange  der  Hohenstaufen  wollte  kein  Fürst  mehr  die  Krone  annehmen.
Den  meisten  war  mehr  daran  gelegen,  ihre  eigenen  Erbländer  zu  verwalten  und
womöglich  eigennützig  zu  vergrößern,  als  die  schwere  Pflicht  auf  sich  zu  nehmen,  in  den
fast  verwilderten  deutschen  Landen  Frieden  und  Ordnung  herzustellen  und  mit  Selbst-