166  Die  Hohenstaufen  in  Deuischland.

wesens.  Der  Handwerkerstand  suchte  die  Fesseln  der  Unfreiheit  und  bürgerlichen  Ungleichheit,
in  die  seine  Glieder  als  Hintersaßen  oder  Schutzbürger  gelegt  waren  abzuschütteln,  und  mit
der  persönlichen  Freiheit  auch  bürgerliche  Rechte  zu  erringen,  bis  er  in  Gilden  und  Zünfte
geschieden,  aber  einig  in  allen  gemeinsamen  Bestrebungen  den  größten  Einfluß  auf  das
städtische  Leben  erlangte.  Das  Emporkommen  der  Städte  führte  zur  Auflösung  des  unkräftigen
  Lehensstaates  und  zur  Blüte  eines  vielgestaltigen,  auf  kleinere  Kreise  beschlossenen
politischen  Lebens,  welche  zugleich  die  Keime  einer  unabsehbar  fortschreitenden  Kultur  in
sich  trug  und  den  kommenden  Zeiten  zur  weiteren  Ausbildung  überlieferte.“  Ihre
Mauern  boten  dem  Gewerbefleiß  Schutz;  das  genossenschaftliche  Leben  der  Bürger  erweckte
Eifer  und  Vertrauen  für  ihre  gemeinschaftlichen  Unternehmungen,  der  gegenseitige  Schutz
erhöhte  ihre  Kraft.

Am  meisten  Einfluß  auf  Staatsgewalt  und  Rechtspflege  hatten  die  Geistlichen.
Im  Besitz  einer  mehr  als  gewöhnlichen  Bildung  waren  Bischöfe  und  Aebte  die  ersten
Ratgeber  des  Kaisers;  daneben  waren  sie  mächtige  Lehensfürsten,  die  nicht  selten  sogar
Waffendienste  versahen.  Ihnen  freilich  galt  das  geistliche  Wohl  zumeist  höher  als  das
Interesse  des  Reiches  und  allmählich  standen  die  geistlichen  Fürstentümer  dem  Kaiser
ähnlich  gegenüber,  wie  die  weltlichen  Grafen  durch  Erblichkeit  des  Lehens.  Die  Macht
der  Krone  wurde  geschwächt  und  die  aristokratischen  Elemente  verlangten  nun  auch  in
der  Kirche  eine  imposantere  selbständige  Macht.

Das  Reichsheer  hatte  man  in  sieben  Heerschilde  geteilt,  den  ersten  Heerschild  trug
der  König,  den  zweiten  die  geistlichen  Fürsten,  den  dritten  die  weltlichen  Fürsten,  den
vierten  die  Grafen  und  alle  freie  Besitzer  eines  Gutes  mit  eigener  Gerichtsbarkeit,  den
fünften  die  Mittelfreien,  den  sechsten  deren  Vasallen  und  den  siebenten  ein  jeder  Freie.
Am  übelsten  dran  waren  wohl  in  dieser  Zeit  die  Bauern  und  die  Juden.  „In  den
Fehden  der  ritterlichen  Gutsherren,  namentlich  zurzeit  des  Interregnums  waren  oft  die
Dörfer  und  Höfe  niedergebrannt  und  die  Ernte  verwüstet.  Die  Jagden  wie  das  Wild
waren  den  Saaten  verderblich;  die  persönlichen  Leistungen,  durch  Frohndienste,  Steuern,
Zehenten  und  Abgaben  jeglicher  Art  waren  endlos;  ohne  Recht  und  Schutz  der  Gesetze
war  der  unfreie  Mann  den  härtesten  und  entehrendsten  Strafen  ausgesetzt.  Dabei  noch  feudaler
Uebermut  und  die  durch  brutale  Rechte  geförderte  Frivolität  eines  zuchtlosen  Herrenstandes."

Was  die  Bildung  des  Volkes  in  dieser  ganzen  Zeitepoche  anbelangt,  so  war  dieselbe,
  da  auch  jetzt  noch  zumeist  in  den  Händen  der  Geistlichen  ruhend,  nach  wie  vor  eine
ziemlich  einseitige.  Ein  Dichter  wie  Wolfram  von  Eschenbach,  war  bekanntlich  nicht  einmal
  imstande  zu  schreiben,  die  ganze  Methode  ging  auch  jetzt  noch  auf  eine  geistige  Ausbildung
  hinaus,  allein  auch  in  dieser  war  nur  insofern  eine  Aenderung  eingetreten,  als
jetzt  selbst  die  sogenannten  sieben  freien  Künste,  in  denen  man  doch  bis  jetzt  die  Grundlage
  jeder  wahren  Bildung  gesehen  hatte,  zuweilen  einer  fruchtbaren,  philosophischen
Spekulation  wichen,  die  so  ganz  verschieden  von  den  tatsächlich  wissenschaftlichen  Spekulationen
  eines  Friedrich  II.  waren.  Auch  dann  trat  in  diesem  Bildungsgange  keine
Aenderung  ein,  als  man  allmählich  von  der  Bürgerschaft  selbst  aus  begann  Schulen  zu
errichten.  Auch  jetzt  waren  die  Leiter  derselben  wiederum  Geistliche.  Zudem  mußte
zur  Errichtung  von  Schulen  die  Erlaubnis  des  zuständigen  Prälaten  eingeholt  werden
während  man  dagegen  in  seinem  eigenen  Hause  seine  Kinder  unterrichten  lassen  konnte
von  wem  man  wollte.  Schulgelder  wurden  im  Anfang  nicht  angenommen,  allmählich
aber  sahen  sich  wenig  begabte  Schulen  gezwungen  dasselbe  einzuführen.  Schulbücher  und