168  Die  hohenstaufen  in  Beutschland.

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bedeutende  Weiterbildung,  am  gewaltigsten  und  schönsten  aber  sehen  wir  dus  mittelalterliche
  Geistesleben  sich  in  der  Poesie  und  der  ganzen  deutschen  Literatur  dieses  Zeitraums
  entfalten.  Von  den  Minstrels  und  Troubadours  der  Franzosen,  deren  Blühen
und  Gedeihen  sich  an  den  Namen  Bertrand  de  Borns  knüpft,  zu  sprechen,  ist  hier  nicht
der  Platz;  die  deutsche  Poesie  ging  ihren  ganz  eigenen  Weg,  und  die  Kreuzzüge  waren
es,  die  derselben  hauptsächlich  ihren  Glanz  und  Farbe  gaben.  „Die  Kreuzzüge  legten
erst  die  Ideen  der  alten  Welt  ab  und  setzten  christliche  und  neue  an  die  Stelle;  sie
bildeten  die  große  Umwälzung  von  der  alten  zu  der  neuen  Welt.  Bis  zu  ihnen  hatte
das  Griechische  und  Römische  nie  aufgehört,  das  geistige  Reich  zu  beherrschen;  von  jetzt
beginnt  jene  schrankenlose  Herrschaft  des  Gemüts  und  der  Empfindung,  welche  den
schärfsten  Gegensatz  des  Mittelalters  gegen  die  römische  Zeit  bildet,  jenes  Gemütsleben,
zu  welchem  die  nordischen  Nationen  alle  neigten.  Im  Anfang  der  Kreuzzüge  war  die
gesamte  deutsche  Literatur  noch  in  geistlicher  Pflege,  die  Sprache  derselben  war  fast
durchweg  die  lateinische,  erst  durch  die  Kreuzzüge,  in  welchen  die  Ritterschaft  sich  zu
einer  maßgebenden  Bedeutung  im  deutschen  Leben  aufschwang,  wurden  nun  auch  die
Laien  veranlaßt,  in  der  Poesie  mit  dem  Klerus  zu  wetteifern.  Die  Laien  natürlich  gebrauchten
  die  deutsche  Volkssprache,  und  schufen  durch  sie  eben  auch  ihrer  Poesie  den
Weg  ins  Volk.  Schon  hatte  man  auch  im  Anfang  des  dreizehnten  Jahrhunderts
Predigten  und  Andachtsbücher  in  deutscher  Sprache;  „noch  einige  Zeit  versuchte  die
Geistlichkeit  sich  im  Alleinbesitz  der  Dichtkunst  zu  behaupten  und  das  Interesse  durch
Gedichte  religiösen  und  geschichtlichen  Inhalts,  durch  Legenden  und  Erzählungen  aus  der
Heiligengeschichte  und  aus  der  alten  Welt  zu  fesseln.  Selbst  die  Kreuzzüge,  welche  im
Anfang  einen  vorwiegend  kirchlichen  Charakter  trugen,  boten  Seiten  dar,  welche  sie  in
ihrem  Sinne  verwerten  konnte:  die  Dichter  durften  nun  das  Morgenland  und  die
Kämpfe  mit  den  Ungläubigen  in  den  Vordergrund  stellen,  die  Landessprache  und  die
neue  leichtere  Verskunst  in  Anwendung  bringen  und  das  ritterliche  Kriegsleben,  an  dem
der  geistliche  Stand  ja  bis  dahin  stets  den  regsten  Anteil  genommen,  in  die  Darstellung
verweben.  So  entstanden  nach  französischen  Vorbildern  zwei  der  vorzüglichsten  Epopöen
des  früheren  Mittelalters,  das  Rolandslied  und  das  Alexanderlied.  Ja  selbst  als
Frauendienst  und  Minne  das  höfische  Ritterleben  zu  durchdringen  und  zu  beherrschen
begann,  wußte  der  Klerus  noch  seine  Stellung  zu  behaupten,  indem  er  den  Kultus  der
Mutter  Gottes  zum  Gegenstand  seiner  „Gottesminne“  machte.  In  den  der  Verherrlichung
der  Himmelskönigin  geweihten  Marienliedern  konnten  noch  die  geistlichen  Dichter  mit  den
weltlichen  Hand  in  Hand  gehen.  Erst  als  die  ritterlichen  Sänger  ihre  Muse  der
irdischen  Liebe  zuwandten,  mußten  jene  das  Feld  räumen.  Und  nun  ging  die  deutsche
Dichtung  einen  andern  Weg.  Wenn  der  lyrische  Minnegesang  sich  in  das  Gemüts=  und
Naturleben  versenkte,  und  die  gesellschaftlichen  Kreise  an  den  Fürstenhöfen  und  auf  den
Ritterburgen  zu  beleben  und  verschönern  beflissen  war,  so  benutzten  die  epischen  Dichter
die  bretonisch-französischen  Heldensagen,  um  die  Lebensinteressen  der  adeligen  Stände  zu
fesseln  und  zu  heben,  indem  sie  entweder,  wie  Gottfried  von  Straßburg  die  persönliche
Liebe  zum  Mittelpunkt  des  poetischen  Schaffens  erhoben,  und  in  das  Gemütsleben  der
Ritter=  und  Hofwelt  einführten,  oder,  wie  Wolfram  von  Eschenbach,  dem  Ritterleben
außer  der  Frauenliebe  noch  eine  tiefere  religiöse  Unterlage  schufen  und  in  das  Ideenleben
  der  Zeit  versetzten.  Und  während  die  ritterlichen  Sänger  das  lyrische  Natur=  und
Liebeslied  in  mannigfachen  Tönen  und  Weisen,  aber  mit  einförmigem  Inhalt  pflegten