176  Beutschland  nach  dem  Interregnum.

nach  einer  fünfwöchentlichen  Belagerung  ihren  Bürgermeister,  die  Stadt  an  Rudolf  von
Habsburg  zu  übergeben.  Da  Rudolf  schnell  eine  Brücke  über  die  Donau  schlug,  um
Ottokar  in  seinem  Stammlande  Böhmen  zu  bedrohen,  so  bat  dieser  um  Frieden.  Es
kam  ein  Vergleich  zustande  unter  folgenden  Bedingungen:  Ottokar  sollte  dem  Kaiser  als
Reichsvasall  huldigen,  auf  Oesterreich,  Steiermark,  Kärnten,  Krain  Verzicht  leisten,  dagegen
  von  Rudolf  mit  Böhmen  und  Mähren  belehnt  werden.  Außerdem  sollte  eine
künftige  Wechselheirat  zwischen  einem  Sohne  Rudolfs  und  einer  Tochter  Ottokars,  und
einer  Tochter  des  ersteren  und  dem  minderjährigen  Sohne  Ottokars,  Wenzel  II.,  beschlossen
werden,  Rudolf  aber  seinen  Kindern  von  dem  ihm  abgetretenen  Lande  Oesterreich  ein
bestimmtes  Heiratsgut  mitgeben.

Ottokar  war  indessen  nicht  gesonnen,  den  Frieden  zu  halten;  er  rüstete  sich  wieder,
erkaufte  sogar  Hilfstruppen  von  den  Tartaren.  Daher  rüstete  sich  auch  Rudolf  zu  einem
neuen  Kriege.  Er  zog  von  Wien  aus  dem  Ottokar  entgegen  und  traf  auf  dem  Marchselde
  mit  dem  feindlichen  Heer  zusammen.  In  der  entscheidenden  Schlacht  vom  26.  August
1278  konnte  der  Sieg  nicht  zweifelhaft  sein;  auf  der  einen  Seite  nichts  als  große  Zahl
und  blinde  Wut,  auf  der  andern  Seite  Ordnung,  bewußte  Kraft  und  ritterlicher  Heldenmut.
  Die  Deutschen  erfochten  nach  einem  hartnäckigen  Kampfe  einen  glänzenden  Sieg,
das  böhmische  Heer  wurde  teils  getötet,  teils  in  verwirrte  Flucht  getrieben.  Ottokar
selbst  verlor  das  Leben.  Um  weiteres  Blutvergießen  zu  verhindern,  knüpfte  Rudolf  mit
Ottokars  Schwestersohn,  dem  Markgrafen  Otto  von  Brandenburg  als  Vormund  Wenzel  II.
Friedensunterhandlungen  an.  Infolge  derselben  wurde  der  alte  Vertrag  erneuert,  Oesterreich
  und  Steiermark  verlieh  Rudolf  seinen  beiden  Söhnen  Albrecht  und  Rudolf.  So
wurde  er  der  Gründer  des  nachher  so  mächtigen  österreichisch-habsburgischen  Hauses.
Kärnten  übergab  er  einige  Jahre  nachher  dem  Grafen  Mainhard  von  Tirol,  der  ihm  im
Kriege  die  kräftigste  Hilfe  geleistet  hatte.

Seitdem  Rudolf  Oesterreich  an  sein  Haus  gebracht  hatte,  stand  er  zwar  machtvoll
da;  es  fehlte  aber  viel  daran,  daß  er  seine  oberrichterliche  Gewalt  auch  nun  im  Süden
von  Deutschland  hätte  geltend  machen  können.  Der  Graf  Eberhard  II.  von  Württemberg
z.  B.  fragte  nach  keinem  Gesetz  und  keiner  Ordnung,  und  weigerte  sich  sogar,  Rudolf
als  König  anzuerkennen;  ihn  konnte  Rudolf  erst  nach  mehrjährigem  Kampfe  zur  Unterwerfung
  zwingen.  Andere  Fürsten  und  Herren  trotzten  noch  länger.  Der  Erzbischof  von
Trier,  der  mit  seiner  ganzen  Ritterschaft  und  mit  der  Stadt  Coblenz  in  Fehde  war,
und  diese  Stadt  zur  Uebergabe  zwang,  lachte  des  Kaisers,  als  dieser  ihn  abmahnte  und
Rudolf  mußte  sich  zuletzt  bittweise  bei  ihm  für  die  armen  Coblenzer  verwenden.  Aus  der
Geschichte  der  Züge,  die  Rudolf  im  Reiche  machte,  geht  indessen  hervor,  daß  in  denselben
nur  rechter  Nachdruck  zur  Geltung  kam,  wenn  er  zugleich  eine  Privatsache  dabei  zu  betreiben
  hatte.  Dann  halfen  ihm  gewöhnlich  Schwaben  und  Schweizer  und  zwar
nicht  etwa  nur  die  Ritterschaft,  sondern  auch  die  Bauern  und  Hirten  der  kleinen  Kantone,
welche  gerne  und  zahlreich  mit  ihm  zogen.  So  folgten  ihm  z.  B.  auf  einem  Zuge  gegen
den  Herzog  von  Burgund  allein  1200  Hirten  aus  den  Alpen.  Keiner  unter  allen
deutschen  Kaiser  verknüpfte  freilich  auch  die  Eigenschaft  eines  demokratischen  Anführers
mit  dem  Schimmer  der  Monarchie,  je  nach  den  verschiedenen  Zeiten  und  Umständen
auf  eine  so  verständige  Weise  wie  Rudolf.

In  Thüringen  hausten  die  Ritter  infolge  von  Streitigkeiten,  welche  durch  Albrecht
den  Unartigen  entstanden  waren,  arg.  Dieser  verstieß  seine  Gemahlin  Margarethe,  eine