180  Bentschland  nach  dem  Jnterregunm.

Die  beiden  Söhne  Albrechts,  Friedrich  und  Diezmann,  kämpften  ritterlich  für  ihr  Erbe,
weil  das  Land  ihnen  treu  war,  und  der  Kaiser  sah  sich  genötigt,  einen  ungerechten  Krieg
gegen  sie  zu  führen,  während  es  doch  seine  erste  Pflicht  war,  Recht  und  Gerechtigkeit  zu
üben.  Solch  unwürdiges  Verfahren  machte  den  Kaiser  Adolf  in  ganz  Deutschland  verhaßt.
  Dazu  kam,  daß  der  Erzöbischof  von  Mainz  gleichfalls  mit  ihm  unzufrieden  war,
weil  er  sich  in  seiner  Hoffnung  betrogen  sah,  ihn  nach  Gefallen  zu  lenken.  Auf  seine
Veranlassung  wurde  eine  Fürstenversammlung  gehalten  und  Adolf  abgesetzt,  weil  er
Kirchen  verwüstet,  von  einem  Geringeren  (dem  König  von  England)  Sold  genommen.
das  Reich  nicht  gemehrt,  sondern  gemindert  und  den  Landfrieden  nicht  gehandhabt  habe.
Albrecht  von  Oesterreich  wurde  gewählt.  Dies  ist  das  erste  Beispiel,  daß  die  Kursürsten
  ohne  Antrieb  des  Paxstes  einen  Kaiser  abgesetzt  haben.  Die  beiden  Gegner  zogen
gegen  einander  in  der  Ebene,  die  sich  von  Worms  aus  bei  dem  Dorfe  Gellheim  ins  Gebirge
zieht.  Zwischen  diesem  Dorf  und  dem  Kloster  Rosenthal  kam  es  am  12.  Juli  1298  zur
Schlacht.  Ein  gefährlicher  Sturz  vom  Pferde  beraubte  Adolf  seiner  gewohnten  Stärke
und  Besonnenheit.  Fast  bewußtlos,  vereinzelt  und  nicht  imstande  den  Helm  zu  tragen,
kämpfte  er  gleichwohl  tapfer  gegen  eine  Menge  von  Feinden,  unter  welchen  Albrecht
selbst  war,  erlag  der  Uebermacht  und  fiel  durch  unbekannte  Hand.  Eine  unverbürgte
Nachricht  sagt,  daß  Albrecht  selbst  seinem  Gegner  den  Todesstoß  gegeben  habe,  er  selbst
leugnete  es  stets.

Albrecht  l.  von  Oesterreich  1298—  1308.

Albrecht  war  klug  genug,  allen  Forderungen,  die  man  an  ihn  stellte,  zu  willfahren
und  am  27.  Juli  1298  wurde  nun  in  Frankfurt  die  Königswahl  vollzogen,  welcher  vier
Wochen  später  die  Krönung  in  Aachen  folgte.  Allein  auch  Albrecht  änderte  ähnlich  wieeinst
  Adolf  sofort  seine  Stellung  den  Kurfürsten  gegenüber,  als  er  sich  einmal  auf  dem
Throne  sicher  fühlte.  Graf  Theobald  von  Pfirt,  welcher  von  Adolf  zum  Landgrafen  von
Elsaß  ernannt  worden  war,  wurde  unterworfen  und  dann  hielt  Albrecht  seinen  ersten
Hoftag  in  Nürnberg  ab.

Bald  sah  sich  auch  Albrecht  veranlaßt,  seine  Verbindungen,  die  er  schon  früher  mit
dem  französischen  König  angeknüpft  hatte,  noch  enger  zu  machen.  Papst  Bonifacius  VIII.
hatte  Albrechts  Boten,  die  ihn  um  Anerkennung  für  dessen  Wahl  baten,  kurzer  Hand
wieder  heimgeschickt  und  nun  hatte  Albrecht  mit  dem  König  von  Frankreich  in  Straßburg.
ein  förmliches  Schutzbündnis  abgeschlossen.  Albrechts  Sohn  Rudolf  verlobte  sich  mir
Philipps  Schwester  Blanca  und  ein  Sohn  Philipps  mit  einer  Tochter  Albrechts.  In
Quaternoux,  zwischen  Tours  und  Nauconteurs,  kamen  gegen  Ende  des  Jahres  beide
Könige  zusammen,  und  wenn  auch  nun  hier  schon  zu  Tage  trat,  wie  weit  die  Kluft
zwischen  dem  König  und  den  Kurfürsten  war,  so  führten  doch  die  Unterhandlungen
zwischen  Albrecht  und  Philipp  zu  dem  erwünschten  Ziele.  Mehr  und  mehr  schlossen  sich
dagegen  nun  die  deutschen  Kurfürsten  gegen  Albrecht  zusammen.  Mit  Neid  und  Argwohn
sahen  sie,  denen  sich  nun  auch  König  Wenzel  von  Böhmen  genähert  hatte,  auf  die
steigende  Macht  des  Habsburger,  zumal  diesem  nun  auch  noch  die  Aussicht  ward,  in
Holland  seine  Herrschaft  zu  begründen.  Allein  als  der  Versuch,  dort  mit  bewaffneter