186  Deutschland  nach  dem  Interregnum.

gesinnt,  so  daß  seine  ganze  Regierung  unruhig  und  voll  von  Zwistigkeiten  war.  Und.
Ludwig,  den  sein  milder  und  edler,  wenngleich  wenig  kräftiger  Sinn  in  anderen  Zeiten
zum  guten  Herrscher  gemacht  haben  würde,  konnte  in  solchem  Drange  der  Verwirrung
das  Steuer  nicht  lenken.  Seine  Maßregeln  erscheinen  schwankend,  bald  wandte  er  Bitten
und  bald  Widerstand  an,  verband  sich  bald  mit  dem  König  von  Böhmen  und  bald  mir
dem  von  England,  und  zuletzt  gar  mit  dem  von  Frankreich,  und  an  den  Papst  hat  er
mehr  als  sieben  Gesandtschaften  geschickt.  Die  Päpste  hatten  von  1305—1378  ihren  Sitz
in  Avignon  in  Frankreich  und  standen  dadurch  unter  dem  Einfluß  der  französischen
Könige;  sie  hatten  Deutschland  mit  dem  Interdikt  belegt,  und  über  Ludwig  sprach  der
Papst  den  Bann  aus,  und  erklärte  den  deutschen  Thron  für  erledigt.  Vergeblich  waren
Ludwigs  Bemühungen,  vom  Banne  loszukommen.  Die  Könige  von  Frankreich  freuten
sich  über  die  Uneinigkeit  in  Deutschland,  und  verhinderten  nach  Kräften  eine  Aussöhnung
zwischen  Papst  und  Kaiser.  Auch  der  König  Johann  von  Böhmen  war,  nachdem  er  sich
gegen  Oesterreich  gesichert  hatte,  ein  Feind  des  bayrischen  Hauses,  dessen  wachsender
Größe  er  entgegenzuarbeiten  suchte.  Es  gelang  ihm  in  Italien  Unruhen  zu  erregen,
sowie  er  auch  die  Päpste  und  den  König  von  Frankreich  in  ihrer  Feindschaft  gegen
Ludwig  bestärkte.  Doch  jetzt  beschlossen  die  Kurfürsten  zur  Erhaltung  des  Reiches  im
Jahre  1338  das  berühmte  Bündnis  zu  Rense  am  Rhein,  welches  unter  dem  Namen  des
ersten  Kurvereins  bekannt  ist.  Sie  erklärten  es  als  ewiges  Gesetz  des  Reiches,  daß
derjenige  rechtmäßiger  König  der  Deutschen  sei,  der  von  den  Kurfürsten  gewählt  wurde.
daß  demnach  die  Wahl  unabhängig  von  der  Bestätigung  des  päpstlichen  Stuhles  sei.
Hätte  nun  Ludwig  diese  Stimmung  recht  zu  benutzen  gewußt,  wäre  in  der  alten  Weise
auf  Treue  und  Glauben  alles  zu  bauen  gewesen,  so  hätte  er  trotz  aller  Anfeindungen
der  Fremden  doch  glücklich  regieren  mögen.  Allein  teils  gebrach  es  ihm  an  Kraft,  teils
wurde  die  Stimmung  der  Fürsten  gegen  ihn  immer  feindlicher,  so  daß  sie  ihm  auf  einem
neuen  Kurtage  zu  Rense  1344  feste  Vorwürfe  über  seine  Reichsregierung  machten.  Ber
vielen  rührte  dieser  Unwille  aus  Eifersucht  über  die  Vergrößerung  von  Ludwigs  Hausmacht
  her.  Namentlich  machte  er  sich  das  Haus  Oesterreich  durch  die  Vermählung  seines
Sohnes  Ludwig  mit  der  Erbin  von  Tyrol,  Margarete  Maultasch  benannt,  noch  mehr
zum  Feinde.

Ludwigs  Gegner  brachten  es  am  Ende  so  weit,  daß  ein  Teil  der  Fürsten  den
Sohn  des  Königs  Johann  von  Böhmen,  Karl,  im  Jahre  1346  zum  deutschen  König
erwählte.  Aber  er  konnte  zu  keinem  Ansehen  kommen,  solange  Ludwig  lebte.  Dieser

starb  indessen  schon  im  folgenden  Jahre  1347,  auf  einer  Bärenjagd  plötzlich  vom
Schlage  getroffen.

Karl  IV.  1347—  1378.

Drei  übermächtige  Häuser  waren  jetzt  in  Deutschland,  welche  vereinigt  die  andern
leicht  hätten  unterdrücken  mögen.  Allein  sie  feindeten  einander  selbst  an.  Das  war  das
luxemburgische  Haus,  welches  außer  Böhmen  und  Mähren  auch  einen  Teil  von
Schlesien  und  der  Lausitz  besaß;  das  bayrische,  welches  Brandenburg,  Holland  und  Tyrol
erworben  hatte,  das  österreichische,  welches  außer  den  österreichischen  Ländern  auch  viele
Besitztümer  in  Schwaben  hatte.  Das  Haus  Bayern  konnte  es  nie  vergessen,  daß  Karl  IV.