188  Beutschland  nach  dem  Inteiregnum.

Ludwigs  Feind  gewesen  war.  Es  siellte  in  dem  Grafen  Günther  von  Schwarzburg
einen  Gegenkönig  auf.  Dieser,  ein  tapferer,  kräftiger  und  rechtschaffener  Mann,  wäre
wohl  ein  rechter  Gegner  für  Karl  geworden,  wenn  er  nicht  plötzlich  an  Gift,  wie  er  selbft
glaubte,  erkrankt  und  gestorben  wäre.  Nun  regierte  Karl  allein.  Man  hoffte  viel  von
ihm.  Er  war  am  frauzösischen  Hofe  zu  Paris  erzogen  worden,  weil  seine  Mutter  eine
große  Vorliebe  für  Frankreich  hatte.  Er  war  fein  und  geschickt  im  Unterhandeln  und
wohl  erfahren  in  mehreren  Sprachen.  Allein  er  war  ein  Stiefvater  des  Reichs  und  nur
für  sein  Haus  und  sein  Böhmen  besorgt.  Die  letzten  Ueberbleibsel  des  Reichsgutes,  welche
das  kaiserliche  Ansehen  noch  einigermaßen  erhielten,  verkaufte  er.  Er  erwarb  Brandenburg,
die  Lausitz,  ganz  Schlesien,  einen  Teil  der  oberen  Pfalz,  zog  aus  allen  Gelegenheiten,
aus  Heiraten,  aus  dem  Geldmangel  deutscher  Fürsten,  Vorteile  für  sich  und  herrschte  auf
diese  Weise  erblich  für  sich  von  Oesterreich  bis  Pommern.

Gleich  der  Anfang  seiner  Regierung  bezeichnete  eine  sehr  unglückliche  Zeit  für
Deutschland,  wie  für  viele  andere  Länder  Europas.  Der  sogenannte  „schwarze  Tod“
hielt  seinen  Umzug  und  hauste  schrecklich  in  allen  Landen.  In  seinem  Gefolge  zogen
dann  die  Geißler  oder  Flagellanten  durch  ganz  Deutschland,  und  auch  die  Jndenverfolgung
  war  eine  Folge  dieser  schrecklichen  Pest.

Das  wichtigste  politische  Werk,  welches  man  von  Karl  für  Deutschland  rühmt,  ist
die  sogenannte  goldene  Bulle,  ein  im  Jahre  1356  gegebenes  Reichsgrundgesetz,  wodurch
die  Rechte  der  sieben  Kurfürsten,  die  Ordnung  der  Kaiserwahl  in  Frankfurt,  die  Krönung
in  NAachen,  die  Reichserzämter  und  einiges  andere  festgelegt  wurden.  Aber  Spaltung,
Eifersucht  und  Eigensucht  wurden  durch  die  Vorzüge,  die  er  den  kurfürstlichen  Häusern
vor  allen  andern  gab,  nur  vermehrt,  so  daß  von  der  goldenen  Bulle  an  eher  die  Auflösung,
  als  die  Neugründung  des  Reiches  zu  rechnen  ist.  Die  sieben  Kurfürsten,  welche
übrigens  das  Wahlrecht  schon  beinahe  ein  Jahrhundert  geübt  hatten,  waren  die  Erzbischöse
  von  Mainz,  Trier  und  Köln,  der  König  von  Böhmen,  der  Herzog  von  Sachsen-Wittenberg,
  der  Kurfürst  von  Brandenburg  und  der  Pfalzgraf  vom  Rhein.

Unter  Karls  Regierung  kam  Tyrol  an  Oesterreich,  Brandenburg  gab  er  seinem
Sohne  Sigmund.  In  beiden  Ländern  starb  der  Zweig  des  bayrischen  Hauses,  der  durch
Ludwig  in  ihren  Besitz  gekommen  war,  aus.

Auch  in  Italien  war  Karl.  Er  hatte,  als  ihn  der  Papst  zuerst  als  deutschen
König  bestätigte,  versprechen  müssen,  daß  er,  wenn  er  zur  Krönung  nach  Rom  komme,
nur  an  diesem  einen  Tag  dorthin  komme,  und  die  Stadt  schon  am  Abend  wieder
verlassen  werde,  und  geraden  Weges  aus  dem  Kirchenstaat  abziehen  wolle.  Nun  hielt
er  am  Ostertag  1355  seinen  Einzug  in  Rom,  wurde  gekrönt,  und  schlich  sich  noch  an
demselben  Tag  unter  dem  Vorwand,  auf  die  Jagd  zu  ziehen,  zur  Stadt  hinaus,  und  zog
aus  dem  Lande.  Die  Römer,  welche  die  Ursache  dieses  raschen  Abzuges  nicht  kannten,
waren  sehr  erstaunt  und  der  berühmte  italienische  Dichter  Petrarka  schrieb  ihm  sogar,
was  wohl  seine  Vorfahren,  die  alten  deutschen  Kaiser  gesagt  haben  würden,  wenn  sie
ihm  so  auf  dem  Alpengebirge  begegnet  wären.

In  seiner  ganzen  Regierung  hatte  Karl  gezeigt,  daß  er  ein  praktischer  Politiker
sei  und  einem  Vorteil  auch  manches  seitherige  Recht,  zu  opfern  bereit  war.  So  scheute
er  sich  denn  auch  gar  nicht  gegen  die  Bestimmung  seines  berühmten  Werkes,  der  Goldenen
Bulle,  zu  verstoßen  und  seinem  Sohn  Wenzel  die  Wahl  zu  sichern,  was  ihm  denn  auch
nach  vielen  Bemühungen  gelang.  Und  als  im  Jahre  1376  zunächst  zur  Verteidigung