190  Deutschland  nach  dem  Inierregunm.

der  reichsstädtischen  Rechte  und  Freiheiten,  der  schwäbische  Städtebund  gegründet  worden
war,  erklärte  der  Kaiser  zwar  anfangs  die  verbündeten  Städte  in  Acht,  und  ließ  sie,
nachdem  er  erst  selbst  zu  den  Waffen  gegriffen,  durch  die  bayrischen  Herzöge  und  namentlich
auch  durch  Graf  Eberhard  dem-  Greiner  von  Württemberg  bekriegen,  allein  schon  1377
befreite  König  Wenzel,  auch  im  Namen  seines  Vaters  die  Städte  von  der  Acht  und
erkannte  den  Bund  trotz  der  widersprechenden  Bestimmungen  der  Goldenen  Bulle  an.

Im  Jahre  1378  starb  Karl  auf  seinem  Schlosse  zu  Prag,  nachdem  ihm  die  letzten
Jahre  seiner  Regierung,  namentlich  durch  den  Städtekrieg  noch  mancherlei  Sorgen  gebracht
  hatten.

Wenzel  1378  —  1400  und  Ruprecht  von  der  Pfalz  1400  —  1010.

König  Wenzel,  der  nur  seinen  sinnlichen  Genüssen  lebte,  tat  weder  für  Deutschland,
noch  für  seine  Erblande  etwas  Erhebliches.  Es  war  eine  furchtbar  unordentliche  Zeit.
Das  Kaisertum  hatte  sein  Ansehen  verloren;  die  Religion  war  gesunken,  die  Christen
waren  in  Parteiungen  geteilt.  Die  Sitten  verwilderten  allenthalben.  Lange  und  vergeblich
  erhoben  die  rechtschaffensten  und  einsichtsvollsten  Männer  ihre  Stimmen  wider
das  Verderben  der  Zeit,  und  forderten  ein  allgemeines  christliches  Conzilium,  allein
Wenzel,  der  als  Kaiser  es  hätte  zur  Ausführung  bringen  müssen,  hatte  nicht  Geist  und
nicht  Kraft  dazu.

In  Deutschland  entstanden  unter  ihm  immer  mehr  Bündnisse  einzelner  Reichsglieder
untereinander,  welche  ein  Zeichen  der  darniederliegenden  höchsten  Gewalt  waren,  und  sie
noch  mehr  schwächten.  Der  mächtigste  war  der  schwäbische  Bund,  der  aus  34  nachher
41  Städten  und  mehreren  Fürsten  bestand;  dagegen  blühten  auch  mehrere  Gesellschaften
des  Adels,  der  Löwenbund,  der  Falkenbund,  der  Bund  der  Schlegler  u.  a.  Da  konnte
es  an  größeren  und  kleineren  Kriegen  nicht  fehlen.  Die  deutschen  Städte  nahmen  sich
den  Schweizerbund  zum  Muster,  welcher  sich  immer  mehr  ausbreitete,  ja  sie  nahmen
sogar  schweizerische  Orte,  Bern,  Zürich,  Solothurn  und  Zug  in  ihr  Bündnis  auf  und
nannten  sich  schon  die  Eidgenossenschaft.  Umsonst  hatte  Wenzel  auf  dem  Reichstag  zu
Nürnberg  1383  die  Streitenden  zu  vereinigen  gesucht.  In  diese  Zeit  fielen  die  Schlachten
bei  Sempach  und  Näfels.  Indessen  war  auch  der  Streit  zwischen  den  Städten  und
Fürsten  entbrannt.  Aber  die  schwäbischen  Städte  wurden  von  dem  Grafen  Eberhard
dem  Greiner  von  Württemberg  bei  Döffingen  1388  besiegt,  wobei  dessen  Sohn  Ulrich
fiel.  Die  rheinischen  Städte  erlagen  dem  Pfalzgrafen  Ruprecht,  worauf  Wenzel  die
Bündnisse  auflöste  und  einen  allgemeinen  Landfrieden  gebot  1389.  Uebrigens  machte
sich  Wenzel  durch  Trunksucht,  Jähzorn  und  Grausamkeit,  Wucher  mit  Adelsbriefen  und
Privilegien  so  allgemein  verhaßt,  daß  er  in  Böhmen  selbst  mehrmals  gefangen  gehalten
und  endlich  von  den  vier  rheinischen  Kurfürsten  zu  Oberlahnstein  als  ein  unnützer,
saumseliger  und  unwürdiger  Handhaber  des  heiligen  römischen  Reiches  abgesetzt  wurde
(1400).  An  Wenzels  Stelle  wurde  Ruprecht  von  der  Pfalz  (1400—1410)  gewählr.
Aber  auch  dieser,  wie  tätig  und  tapfer  er  war,  vermochte  die  verwirrte  Zeit  nicht  zu
meistern,  und  starb  schon  1410.  In  einer  Doppelwahl  wurde  nun  Siegmund,  der