194  Deutschland  nach  dem  Snterregunm.

der  Lützelburger  ausstarb,  seinem  Schwiegersohn  und  einzigen  Erben,  Albrecht  von
Oesterreich,  zuzuwenden.  Friedrich  der  Streitbare,  Markgraf  zu  Meißen  und  Landgraf
zu  Thüringen,  erhielt  von  Siegmund  die  sächsische  Kurwürde  und  den  wittenbergischen
Kreis,  nachdem  auch  der  Zweig  des  anhaltischen  Hauses,  welcher  Sachsen—Wittenberg
und  den  Kurhut  besaß,  ausgestorben  war.

Hlbredh#t  II.  1438  —  1430.

Albrecht  II.  von  Oesterreich,  Siegmunds  Schwiegersohn  und  der  Erbe  Böhmens
und  Ungarns,  den  die  Kurfürsten  am  18.  März  1438  zum  Könige  wählten,  war  ein  edler
und  einsichtsvoller  Fürst,  nicht  allein  durch  Tatkraft  und  kühnen  Mut,  sondern  auch  durch
Milde  und  Gerechtigkeitsliebe  ausgezeichnet.  Doch  seine  kurze  Regierungszeit  ging  beinahe
spurlos  für  Deutschland  vorüber,  da  die  Angelegenheiten  seiner  Erblande  ihn  ganz  in
Anspruch  nahmen.  Nachdem  er  gegen  den  Prinzen  Kasimir  von  Polen,  den  ein  Teil
der  Calixtiner  als  Gegenkönig  aufgestellt,  seine  Rechte  auf  Böhmen  mit  den  Waffen  in
der  Hand  geltend  gemacht,  rief  ihn  ein  Einfall  der  Türken  in  Siebenbürgen  nach  dem
gleichfalls  von  ihnen  bedrohten  Ungarn;  ehe  er  jedoch  den  beabsichtigten  Feldzug  gegen
sie  antreten  konnte,  erlag  Albrecht  im  Alter  von  42  Jahren  einem  Anfall  der  Ruhr.
Von  seiner  Thronbesteigung  an  blieb  die  Kaiserkrone  mit  einer  einzigen  kurzen  Unterbrechung
  bei  dem  österreichischen  Hause.

Friedrich  III.  1439  —  1493.

Auf  Albrecht  folgte  sein  Vetter  Friedrich  III.,  der  während  der  längsten  Regierung
eines  Oberhauptes  der  deutschen  Nation  und  in  einer  sehr  bewegten  Zeit  doch  fast  nichts
zu  Stande  brachte,  wegen  allzugroßer  Bedächtlichkeit  und  aus  Mangel  an  eigner  Tatkraft.
  In  Böhmen  stellte  sich  an  die  Spitze  der  strengen  Hussiten  Georg  Podiebrad,  der
sich  nach  und  nach  zu  solchem  Ansehen  erhob,  daß  er  es  später  sogar  wagen  konnte,  nach
der  Königskrone  zu  streben.  Er  drang  in  Prag  ein,  zog  alle  Utraquisten  der  Stadt  an
sich,  und  besetzte  die  Stadt  (1448).  Seit  dieser  Zeit  benahm  er  sich  wie  wenn  er  der
rechtmäßige  Beherrscher  von  Böhmen  wäre  und  er  ward  von  seinen  Landsleuten  ebenso
als  Held  der  Nation  und  als  Beschützer  ihrer  Religion  betrachtet,  wie  Johann  Hunyad
von  der  seinigen.  Hunyad  führte  die  Magyaren  gegen  die  Türken,  Podiebrad  die
Tschechen  gegen  die  Deutschen  ins  Feld.  Aeneas  Sylvius,  der  erste  Minister  Friedrich  III.,
behauptet,  Podiebrad  habe  sich  schon  damals  zum  König  mählen  lassen  wollen,  er  sei  nur
durch  seine,  des  Aeneas  Beredsamkeit  daran  gehindert  worden.  Wenn  er  aber  auch  nicht
gleich  anfangs  König  wurde,  so  war  er  darum  nicht  weniger  mächtig.

Das  Basler  Konzilium  ging  im  Jahre  1448  auseinander,  ohne  seine  ursprüngliche
Absicht  erreicht  zu  haben.

Friedrich  wollte  auch  den  schweizerischen  Eidgenossen  das  Habsburgische  Stammland,
  den  Aargau  wieder  entreißen,  verlangte  aber  zu  diesem  Zwecke  von  dem  König