196  Deuischland  nach  dem  ISnlerreguum.

dieser  Stadt  sein  würde.  Die  Stadt  Basel  hatte  namentlich  jenen  über  die  Birs  gelockten
Eidgenossen  4000  Bürger  zu  Hilfe  gesandt,  und  von  denselben  waren  500  auf  dem  Kirchhof
  von  St.  Jakob  eingeschlossen  worden.  Diese  wetteiferten  mit  den  Spartanern  des
Leonidas  und  nahmen  den  Kampf  mit  dem  ganzen  überlegenen  Heer  der  Franzosen  auf,
obgleich  sie  keine  Hoffnung  auf  Sieg  hatten.  Sie  stritten  zehn  Stunden  lang  gegen  einen
Feind,  der  ihnen  durch  Zahl  und  Geschütz  weit  überlegen  war,  bis  nur  noch  zehn  Mann
von  ihnen  übrig  blieben.  Der  Verlust,  den  die  Franzosen  erlitten,  war  in  Anbetracht  der
kleinen  Anzahl  ihrer  Feinde  so  bedeutend,  daß  der  Dauphin,  ihr  Anführer,  es  nicht  ratsam
fand,  seinen  Marsch  fortzusetzen.  Er  ward  Vermittler  zwischen  dem  deutschen  König  und
den  Schweizern.  Die  Stadt  Basel  wurde  geschont,  die  Prälaten  nicht,  wie  der  Papst
gehofft  hatte,  nun  auseinander  getrieben  und  sogar  mit  den  Eidgenossen  am  26.  Oktober
1444  zu  Ensisheim  ein  Friede  geschlossen.

Die  räubernden  und  mordenden  Scharen  der  Armagnaken  blieben  am  Rhein  und
die  ganze  Last  des  Zuges  fiel  auf  die  deutsche  Reichslande.  Das  Räuberheer  überschwemmte
nicht  nur  alle  Gegenden  von  der  Mündung  der  Aar  an  bis  zum  Schweizer  Jura,  sowie
das  Elsaß  bis  nach  Straßburg,  sondern  auch  ganz  Schwaben.  Das  letztere  Land  war
der  Schauplatz  eines  schrecklichen  gegenseitigen  Mordens,  weil  sich  die  Bewohner  des
Schwarzwaldes  in  Massen  erhoben  und  auf  die  Banden,  wie  auf  Raubtiere,  Jagd
machten.

Der  Einfall  der  Franzosen  in  das  Reichsgebiet  rief  bei  den  Deutschen  große  Erbitterung
  hervor  und  man  machte  ihm  auf  einem  Reichstag  zu  Nürnberg  bittere  Vorwürse
über  die  Berufung  der  Franzosen.  Er  schickte  nun  eine  Gesandtschaft  an  den  Dauphin,
aber  dieser  schickte  in  Begleitung  der  deutschen  Gesandten  einen  Bevollmächtigten  nach
Nürnberg,  wo  dann  die  Reichsversammlung  sehr  stolze  Worte  von  den  Franzosen  anhören
  mußte.  Denn  statt  den  Abzug  der  französischen  Truppen  von  deutschem  Gebiet  zu
versprechen,  wurden  sehr  harte  Anforderungen  an  den  König  Friedrich  gemacht.  Die
französischen  Raubhorden  blieben  allen  Vorstellungen  Friedrichs,  der  Kurfürsten  und  der
Städte  zum  Trotz,  liegen,  bis  alles  aufgezehrt  und  ausgeplündert  war.  Erst  im  folgenden
Jahre  wurden  sie  nach  einem  zwischen  dem  König  von  Frankreich  und  den  mächtigsten
deutschen  Reichsfürsten  geschlossenen  Vertrage  langsam  zurückgezogen.

Auf  dieselbe  Weise  wie  beim  Schweizerkriege  und  beim  Einfall  der  französischen
Raubritter  in  das  Reichsgebiet  wurden  auch  in  den  kirchlichen  Angelegenheiten  die  Rechte
und  die  Ehre  des  Deutschen  Reiches  wenig  beachtet,  und  die  deutsche  Nation  zum  Gegenstand
  des  Hohns  ihrer  Nachbarn  gemacht.  In  Deutschland  waren  Händel  und  Fehde
und  die  Stimme  des  Kaisers  ward  nicht  gehört.  Friedrich  der  Siegreiche,  Pfalzgraf  am
Rhein,  der  die  Pfalz  durch  glückliche  Kämpfe  um  den  dritten  Teil  vergrößerte,  durfte  an
seinem  Schlosse  zu  Heidelberg  einen  festen  Turm  bauen,  den  er  Trutzkaiser  nannte.  Der
Gemeindesinn  und  die  Liebe  des  deutschen  Namens  war  erstorben;  der  Eigennutz
und  die  Eigenliebe  war  an  deren  Stelle  getreten.  Auf  den  Reichstagen  wurde  wenig
Ersprießliches  ausgemacht,  die  Fürsten  kamen  nicht  mehr  selbst,  sondern  schickten  ihre
Gesandten  und  diese  waren  nur  darauf  bedacht,  dem  Vorteile  ihrer  Herren  nichts  zu
vergeben.  Sehr  häufig  wurden  solche  geschickt,  die  in  dem  römischen  Recht,  welches  jetzt
fleißig  studiert  wurde,  wohl  erfahren  waren.  Diese  kamen  mit  feingesponnener  Rede  und
hatten  hundert  Gründe,  mit  denen  sie  bewiesen,  daß  ihren  Fürsten  oder  ihrer  Reichsstadt
zu  viel  von  der  Last  des  Ganzen  aufgebürdet  werde.  Und  wenn  man  endlich  glaubte,