Maximilian  I.  197

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daß  eine  Sache  zur  Entscheidung  gebracht  sei,  so  trat  vielleicht  ein  Gesandter  mit  der
Entschuldigung  auf,  daß  er  keine  Verhaltungsbefehle  mehr  habe,  und  mit  der  Einholung
neuer  gingen  wiederum  Monate  verloren.  So  kam  es,  daß  von  nun  ab  fast  auf  keinem
Reichstage  ein  fester  und  bündiger  Beschluß  gefaßt  wurde.

Der  Kaiser  konnte  in  die  öffentlichen  Angelegenheiten  keinen  Ernst  bringen;  kaum
konnte  er  sein  Ansehen  bei  seinen  eigenen  Untertanen  behaupten.  Der  östereichische  Adel
erkühnte  sich,  seinem  Landesherrn  Fehdebriefe  zuzuschicken;  selbst  die  Stadt  Wien  empörte
sich  gegen  ihn,  und  sein  eigener  Bruder  Albrecht  hatte  seine  Freude  an  diesem  Unfug
und  schürte  das  Feuer  immer  stärker  an.  Es  kam  so  weit,  daß  Kaiser  Friedrich  (1462)
von  seinen  Untertanen  in  der  Burg  zu  Wien  belagert  wurde.  Ein  gemeiner  Bürger,
Holtzer  mit  Namen,  hatte  sich  an  die  Spitze  der  Anführer  gestellt  und  Herzog  Albrecht
kam  selbst  nach  Wien,  um  die  Belagerung  zu  leiten.  Es  ward  ein  Graben  um  die  Burg
gezogen  und  man  beschoß  sie.  Der  Kaiser  zeigte  sich  diesmal  standhaft  und  entschlossen.
Er  munterte  seine  kleine  Besatzung  von  400  Mann  zur  tapfersten  Gegenwehr  aus,  und
rief  laut  von  der  Mauer:  „Diesen  Ort  will  ich  verteidigen,  bis  er  mein  Gottesacker
wird.“  —  Solche  Schmach  konnten  die  Fürsten  doch  nicht  gleichgiltig  ansehen.  Sie
sammelten  sich,  ihn  zu  befreien;  am  schnellsten  war  Georg  Podiebrad,  nun  König  von
Böhmen,  mit  seiner  Hilfe  zur  Stelle,  machte  den  Kaiser  frei  und  vermittelte  den  Frieden
zwischen  ihm  und  seinen  Bürgern.

Auch  später  war  der  Kaiser  in  seinen  eigenen  Erbländern  hart  bedrängt;  teils
durch  die  Türken,  welche  bis  nach  Kärnten  und  Krain,  ja  bis  ins  Salzburgische  streiften,
teils  durch  den  König  Mathias  von  Ungarn.  Dieser  eroberte  sogar  Wien,  und  das
Deutsche  Reich,  in  der  Erschlaffung  jedes  Gefühls  für  die  gemeinsame  Ehre,  konnte  erst
nach  vielen  vergeblichen  Bemühungen  zu  einiger  Anstrengung  für  seinen  Kaiser  gebracht
werden.  Nur  wenige  Jahre  vor  Friedrichs  Tode  wurde  Mathias  durch  einen  Vergleich
zur  Herausgabe  der  österrreichischen  Länder  verpflichtet.  Diese  letzten  Jahre  waren  die
besten  in  des  Kaisers  ganzem  Leben,  und  gewährten  ihm  für  viele  Mühseligkeiten  eine
Ruhe,  welche  er  durch  seinen  guten  Willen  wohl  verdient  hatte.  Er  starb  am  19.  August
1493  nach  einer  einundfünfzigjährigen  Regierung.

Taximilion  I.  1493  —  1510

Auf  Friedrich  III.  solgte  sein  Sohn  Maximilian  I.  An  ihm  bekam  das  durch
das  wieder  erwachte  Faustrecht  zerrüttete  Deutschland  einen  kräftigen  Regenten.  Dieser
durch  treffliche  Eigenschaften,  durch  hohen  Sinn  und  begeisterte  Liebe  für  Kunst  und
Wissenschaft  ausgezeichnete  Kaiser,  der  würdig  den  Uebergang  vom  Mittelalter  zu  einer
neuen  Zeit  bildet,  sorgte  ernstlich  für  des  Reiches  Ehre  und  Frieden.  Auf  dem  Reichstage
  zu  Worms  1495  wurde  ein  ewiger  Landfriede  bei  Strafe  der  Reichsacht  für  den
Uebertreter  geboten  und  dadurch  dem  Faustrecht  für  immer  gesteuert.  Zugleich  wurde
ein  höchstes  Reichsgericht  unter  dem  Namen  Kammergericht,  anfangs  zu  Worms  und
nachher  zu  Wetzlar  errichtet  und  später  das  ganze  Reich  zur  besseren  Erhaltung  der
Ordnung  in  zehn  Kreise  eingeteilt,  mit  Kreisobersten  und  Kreistagen.  Auch  das  Post-