200  Deutschland  nach  dem  Interregnum.

erweiterte  die  Befugnisse  des  Kammergerichts,  führte  Neuerungen  im  Landfrieden  und
im  Münzwesen  ein,  und  nun  sahen  sich  auch  die  Stände  veranlaßt,  den  kriegerischen
Plänen  des  Königs  näher  zu  treten.

Gerade  jetzt  fand  auch  eine  Bewegung  ihren  Abschluß,  die  schon  lange  gährend
doch  auch  niemals  ihr  richtiges  Ende  hatte  finden  können.  Durch  die  mannigfachen
Kämpfe,  in  welchen  die  Schweizer  ihren  Heldenmut  und  ihre  natürliche  Tapferkeit  erprobt
hatten,  war  auch  ihr  Stolz  und  ihr  Selbstvertrauen  ganz  bedeutend  gewachsen.

Schon  längst  war  das  Band,  welches  die  Schweizer  Eidgenossenschaft  mit  dem
Reiche  verband,  gelockert.  Was  man  von  diesem  zu  erwarten  hatte,  war  nur  wenig.

Ihre  Freiheit,  die  sie  sich  in
manchem  heißen  Kampf  erstritten,
  sahen  sie  bedroht
durch  einen  engeren  Anschluß,
ihre  Feindschaft  gegen  Oesterreich
  vererbten  sie  getreulich
auch  auf  Habsburg,  der
schwäbische  Bund  galt  ihnen
nur  als  ein  Bundesgenosse
Oesterreichs,  und  man  wartete
  schon  lange  auf  eine
Gelegenheit  nun  auch  öffentlich
  dieser  Gesinnung  Ausdruck
  geben  zu  können.  Bald
sollte  sich  dieselbe  finden.  Die
Gebietsstreitigkeiten  zwischen
Oesterreich  und  dem  Bischof
von  Chur  boten  zuerst  Anlaß.
  Die  drei  rhätischen
Bunde  standen  bald  Oesterreich
  und  dem  schwäbischen
Bund  kampfbereit  gegenüber,
doch  schloß  der  Bischof  von
Chur  bald  einen  Waffenstillstand,
  und  es  schien  nun  der

Friede  wiederum  hergestellt.  Aber  es  kam  bald  wieder  aus  unbedeutenden  Anlässen  zum
Kampf,  in  dem  auch  die  Unfähigkeit  des  Reichskriegswesens  sich  deutlich  zeigte.  Das  Ende  dieses
Kampfes  bildete  der  Baseler  Frieden  am  22.  September  149)9,  in  welchem  die  Schweizer
von  den  Reichssteuern  und  dem  Kammergericht  freigesprochen  wurden,  zwar  als  Verwandte
  des  Reiches  auch  fernerhin  noch  dem  Reichsverband  angehörten,  aber  sich  nun
immer  enger  mit  den  französischen  Interessen  verbanden.

Wenn  nun  auch  nach  einem  neuen  nach  Augsburg  einberufenen  Reichstag  in  der
Organisation  der  Kriegsmacht  allerlei  Reformen  beschlossen  wurden,  und  zwischen  dem
Kaiser  und  den  Ständen  alles  in  Ordnung  zu  sein  schien,  so  sollten  sich  doch  bald  wieder
allerlei  Meinungsverschiedenheiten  zeigen.  Maximilian  hatte  geglaubt  auf  eine  tatkräftige
Unterstützung  für  seine  Pläne  rechnen  zu  dürfen,  allein  der  nun  alsbald  in  Nürnberg

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Trauung  Maximilians.  Nach  Burgmeier.  Aus  dem  Weißkunig.