202  Deutschland  nach  dem  Inlterregnum.

stände  trafen  zusammen,  um  das  Ansehen  des  Kaisers  gerade  jetzt  wiederum  mächtig  zu
fördern.  Auf  dem  Reichstage  zu  Köln  1505  war  er  wiederum  im  Besitz  seiner  alten
Macht.  Sein  Sohn  Philipp  war  durch  Vermählung  mit  der  Infantin  Johanna  König
von  Kastilien  geworden,  und  nun  legte  Maximilian  selbst  einen  Entwurf  zur  Reichsreform
  vor,  der  von  den  früheren  wesentlich  verschieden  war.  Nach  seiner  Idee  sollte
man  ein  Regiment  mit  Statthalter,  Kanzler  und  zwölf  Räten  aus  dem  Reiche  errichten,
ihnen  sollten  vier  Marschälle  jeder  mit  25  Rittern  am  Oberrhein,  am  Niederrhein,  an
der  Donau  und  in  der  Elbgegend  zur  Seite  gestellt  werden,  welche  die  exekutive  Macht
auszuüben  haben.  Allein  solche
Vorschläge  waren  nicht  annehmbar.
  Weit  eher  waren  die
Stände  geneigt,  den  König  nur
in  seinen  Kriegsplänen  zu  unterstützen.
  Es  wurden  an  4000
Mann  auf  ein  Jahr  bewilligt,
mit  welchen  Maximilian  imstande
  war,  einen  Kriegszug
nach  Ungarn  zu  unternehmen,
um  dort  von  den  Großen  die
Anerkennung  seines  Erbrechts
zu  erlangen.  Wiederum  berief
nun  Maximilian  im  folgenden
Jahre  einen  Reichstag  nach
Konstanz  und  wiederum  bewilligten
  die  Stände  eine  ansehnliche
  Kriegsmacht,  wogegen
der  König  versprach,  daß  alle
Eroberungen  beim  Reiche  bleiben
  und  nach  dem  Rate  der
Reichsstände  verwaltet  werden
sollten.  Ebenso  wurde  nun  das
Kammergericht  wieder  erneuert,
und  Maximilian  trug  sich  mit
Kaiser  Maximilian.  den  stolzesten  Plänen.  Mit  der
Nach  einer  Handzeichnung  von  Albrecht  Dürer.  trefflichen  Hilfe,  die  man  ihm
gewähre,  erklärte  er,  wolle  er
alles  in  Italien  reformieren  und  dann  sofort  einen  Kreuzzug  gegen  die  Ungläubigen  beginnen.
oAllein  diese  seine  schwärmerischen  Hoffnungen  sollten  sehr  herabgedrückt  werden  durch  den
langsamen  Zuzug  der  Reichstruppen.  Doch  ließ  er  den  Mut  nicht  sinken  und  bald  langte  er
mit  einem  stattlichen  Heere  in  Trient  an,  wo  er  dann,  ohne  gekrönt  zu  sein,  den  Titel
eines  erwählten  römischen  Kaisers  annahm.  Freudig  wurde  diese  Tat  von  den  anwesenden
Fürsten  und  Herren  begrüßt,  kein  geistlicher  Abgesandter  hatte  unmittelbar  daran  teilgenommen,
  allein  Maximilian  wußte,  daß  gerade  jetzt  der  Papst  durchaus  nichts  gegen
diese  Handlungsweise  einzuwenden  habe.
Man  hatte  in  Konstanz  geschwankt,  gegen  wen  man  zuerst  ins  Feld  rücken  sollte,