Mazimilian  I.  203

gegen  Venedig  oder  gegen  die  Franzosen.  Man  hatte  sich  endlich  für  das  erstere  entschlossen,
  und  der  Anfang  war  auch  ein  ganz  guter.  Allein  die  Verhältnisse  sollten  bald
verwickeltere  werden.  Der  schwachen  deutschen  Mannschaft  gegenüber  fanden  sich  die
Venetianer  bald  im  Vorteil;  sie  überfielen  den  Kaiser  in  seiner  eigenen  Landschaft,  und
nahmen  ihm  eine  Ortschaft  um  die  andere  weg.  Ueber  diese  Mißerfolge  war  man  natürlich
in  Deutschland  gleich  sehr  bestürzt  und  Maximilian  sah  sich  bald  genötigt,  dorthin  zurückzukehren.
  Sofort  rief  er  auch  die  Kurfürsten  zusammen,  und  diese  erschienen  anfangs
Mai  1508  in  Worms.  Wenn  sie  nun  auch  der  Kaiser  in  den  eindrücklichsten  Worten
bitten  ließ,  ihn  in  dieser  großen  Not  nicht  zu  verlassen,  so  sahen  sich  dieselben  doch  nicht
bewogen,  seinen  Vorstellungen  nachzugeben  und  namentlich  war  es  Friedrich  von  Sachsen,
auf  dessen  Rat  sie  des  Kaisers  Ansinnen,  mit  ihm  in  Frankfurt  zusammenzukommen,  ab-—

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Eine  Falkenjagd  im  16.  Jahrhundert.

lehnten,  da  man  sich  doch  ohne  vorherige  Beratung  mit  den  übrigen  Reichsständen  zu
nichts  entschließen  könne.  Die  Kurfürsten  blieben  auf  dem  Verlangen  eines  Reichstags
bestehen,  und  die  von  dem  Kaiser  mit  dem  Papst  und  dem  König  von  Frankreich  am
10.  Dezember  1508  geschlossene  Liga  von  Kambray  war  nicht  darnach  angetan,  die
Stimmung  gegen  Maximilian  milder  zu  machen.  Die  Städte  namentlich  waren  es,  die
sich  durchaus  nicht  mit  dem  ihren  Handel  störenden  Krieg  gegen  Venedig  einverstanden
zeigten;  allein  auch  die  Fürsten  hatte  besonders  das  Bündnis  mit  Frankreich  verstimmt,
und  so  erklärten  sie  sich  weder  bereit  noch  fähig,  dem  Kaiser  neue  Opfer  zu  bringen.
So  mußte  denn  Maximilian  mit  dem  Geld  seiner  Verbündeten  den  Krieg  gegen  Venedig
eröffnen,  und  fand  in  den  nächsten  Jahren,  in  welchen  ihn  das  Kriegsglück  oft  im  Stiche
ließ,  niemals  Gelegenheit  mehr,  sich  eingehend  mit  den  Angelegenheiten  des  deutschen
Reiches  zu  beschäftigen.