204  Deutschland  nach  dem  Interregnum.

—

Von  den  deutschen  Fürsten  erhielt  Maximilian  bei  alledem  wenig  Hilfe.  Immer
wieder  hatte  man  als  Lohn  für  alle  seine  Leistungen  zur  Gegenleistung  die  Reformation
des  Reichs  gefordert,  und  es  war  nun,  um  eine  Vollziehungsgewalt  zu  schaffen,  das  Reich
in  sechs  Teile  geteilt,  den  schwäbischen,  bayerischen,  fränkischen,  obersächsischen,  niedersächsischen
  und  westfälischen  Kreis.  Den  Vorschlag  des  Kaisers  freilich,  in  jedem  dieser
Kreise  einen  Hauptmann  zu  bestellen,  nahm  man  nicht  an,  und  niemand  war  es,  der  mit

all  diesen  Beschlüssen  sich
einverstanden  gezeigt  hatte.
Gelang  es  nun  auch
dem  Kaiser  nicht  auf  politischem
  Wege  seinem  Ziele
näher  zu  kommen,  so  waren
doch  die  Verbindungen,  die
er  mit  andern  Mächten
einging,  dazu  angetan,  seine
Bestrebungen  zu  fördern,
und  der  Plan,  den  schon
Friedrich  III.  gehabt,  sich
durch  Heiratsverbindungen
das  Königreich  Bayern  zu
gewinnen,  verwirklichte  sich
auch  im  Jahre  1515.
War  auch  König  Siegmund
von  Polen  im  Anfang
eeiner  Wechselheirat  zwischen
Maximilians  Enkelkindern
und  den  Kindern  des  Königs
Wladislaus  entgegen,  so
gelang  es  doch  Maximilian
ihn  umzustimmen,  und  wenn
schon  alle  diese  Angelegen-·«.
  heiten  seine  Aufmerksamkeit
—  mehr  und  mehr  von  Italien
Kaiser  Max  bespricht  sich  mit  seinem  Feldhauptmann.  abgelenkt  hatten,  so  war
Aus  dem  Weißkunig.  dies  noch  mehr  der  Fall
als  1516  König  Ferdinand
von  Aragonien  gestorben  war  und  ihm  nun  der  habsburgische  Karl  folgte.  Den  Kampf
mit  Italien  freilich  durfte  Maximilian  nicht  einfach  aufgeben.  Ludwig  XlII.  Nachfolger,
Franz  I.  hatte  die  Ligisten  und  die  Schweizer  in  der  Schlacht  bei  Marignano  geschlagen,
  allein  als  Maximilian  nun  den  Versuch  machte,  sich  ihm  entgegenzustellen,
mußte  er  sehr  bald  die  schweizerischen,  spanischen  und  italienischen  Soldtruppen  ihres
Dienstes  entlassen,  und  sich  entmutigt  über  den  Mißerfolg  nach  Tirol  zurückziehen.  Wenn
er  auch  1516  noch  ein  neues  Bündnis  mit  England  und  Papst  Leo  schloß,  so  mußte  er
doch  bald  den  Widerstand  aufgeben,  im  Brüsseler  Frieden  sich  mit  Frankreich  vereinigen,
mit  Venedig  einen  Waffenstillstand  abschließen  und  Verona  zurückgeben.