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Bentschland  nach  dem  Interregnum.

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strömte,  die  mächtig  erregte  Empfindung  der  Laien  sich  darin  auszusprechen  suchte.  Die
Architektur  errang  zuerst  einen  neuen  kühnen  und  genialen  Organismus,  in  dessem
wundergleichem  Gefüge  die  subtilste  Berechnung  ihren  Triumph  feiert,  während  zugleich
der  lebendige  Eindruck  des  Ganzen,  das  freie  Aufstreben,  die  feine  Gliederung,  die  in
unzähligen  zierlichen  Formen  aufblühend  sich  entfaltet,  dem  erregten  Drange  des  Gemüts
den  machtvoll  poetischen  Ausdruck  gewährt.  In  den  bildenden  Künsten  wird  der  feierlich
gebundene  Stil  des  Romanismus  völlig  verlassen,  die  stille  Erhabenheit  der  an  die
Antike  erinnernden  Gestalten  macht  einen  begeisterten  Schwung,  einer  tiefinnigen  Empfindung
  Platz.  In  allen  Gebilden  atmet  ein  jugendliches,  zartes  Leben  und  weht  uns
an  wie  mit  der  ahnungsvollen  Stimmung  eines  neuen  Frühlings.“  Aus  diesem  Streben
nun  ging  der  gotische  Stil  hervor,  gegen  welchen  sich  Deutschland  im  Anfang  mehr  als
alle  anderen  Länder  gesträubt  zu  haben  scheint.  Zu  den  ersten  Bauten,  welche  diesen
Stil  verraten,  gehört  der  1208  gebaute  Chor  des  Doms  zu  Magdeburg,  ihm  reihen  sich
die  Liebfrauenkirche  zu  Trier  und  die  Elisabethkirche  zu  Marburg  an,  jedoch  erst  in  dem
1248  begonnenen  Dom  zu  Köln  erreicht  der  deutsche  Stil  seine  selbständige  Vollendung.
Am  Mittelrhein  ist  es  die  zierliche  Katharinenkirche  zu  Oppenheim,  ein  namentlich  durch
glänzende  Prachtdekoration  des  Aeußeren  ausgezeichnetes  Werk,  neben  ihm  sind  die
Münster  zu  Straßburg  und  Freiburg  zu  nennen,  woneben  der  Dom  zu  Regensburg  in
ganz  besonders  edler  und  klarer  Weise  den  gotischen  Stil  vertritt.  In  Deutschland  war
es  namentlich  das  14.  Jahrhundert,  das  eine  neue  Blüte  hervorrief,  neben  dem  Dom  zu
Halberstadt  ist  es  namentlich  das  jetzt  ausgebaute  Münster  zu  Ulm,  das  wohl  als  eine
der  imposantesten  Anlagen  damaliger  Zeit  angesehen  werden  darf.  Freilich  macht  sich
dann  mit  dem  Ueberwiegen  des  Bürgertums  zugleich  auch  allmählich  eine  Aenderung  in
der  Architektur  geltend.  Sie  „gewinnt  einen  etwas  handwerklichen  Ausdruck,  die  Einzelheiten
  sind  nicht  frei  von  Künstelei  und  Willkür,  namentlich  machen  sich  an  den  Gewölben
die  spielenden  Formen  der  Stern=  und  Netzgewölbe  bemerklich.  In  den  Fensterfüllungen
überwiegen  die  Fischblasen,  und  dagegen  läßt  die  straffe  Gliederung  der  Pfeiler  nach,  ja
bisweilen  fällt  selbst  das  Kapitäl  fort  und  die  Gliederung  der  Pfeiler  strahlt  unmittelbar,
sich  nach  allen  Seiten  verästelnd,  in  die  Gewölbrippen  hinein.“  Mit  alledem  hängt  das
Ueberhandnehmen  der  Zellenkirchen  zusammen,  die  nun  namentlich  in  Westfalen  und
Sachsen  immer  mehr  zum  Ausbau  kommen,  die  Lambertikirche  in  Münster,  die  Wiesenkirche
  in  Soest,  die  Marienkirche  in  Mühlhausen,  ferner  die  Dome  von  Minden  und
Meißen  neben  der  zierlichen  Frauenkirche  in  Eßlingen  zeigen  dies  am  deutlichsten.  Außer
der  Frauenkirche  in  Nürnberg  ist  dann  hier  noch  die  Stephanskirche  in  Wien  zu  nennen,
welche  die  Hallensorm  annähernd  vertritt,  und  namentlich  zeigen  sich  gegen  das  Ende  des
15.  Jahrhunderts  in  den  sächsischen  Landen  die  architektonischen  Bestrebungen  an  dem
Nordportal  des  Doms  zu  Merseburg,  am  Portal  der  Klosterkirche  in  Chemnitz,  sowie  an
der  Peter-Paulskirche  zu  Görlitz.

Als  eine  besondere  Art  des  gotischen  Stils  kann  der  namentlich  in  den  norddeutschen
Küstenländern  zur  Geltung  kommende  Backsteinbau  gelten,  „der  im  Verfolgen  seiner
früheren  Praxis  auch  jetzt  durch  derbere,  massenhafte  Anlage,  kräftige  Pfeilerbildung,
sowie  durch  eine  zierlichreiche  Flächendekoration  sein  Wesen  ausspricht.  Im  allgemeinen
kann  man  annehmen,  daß  die  früheren  Bauten  die  technisch  vollendeteren,  klareren  und
gediegeneren  sind,  während  seit  der  Mitte  des  14.  Jahrhunderts  und  noch  mehr  mit  dem
Beginn  des  folgenden  eine  gewisse  Rohheit  im  Ganzen  mit  überwuchernd  reicher  Flächen-