224  Karl  V.  und  die  Reformation.

Luther  verpflichtete  sich  da  auch,  zu  schweigen,  wenn  seine  Gegner  dasselbe  tun  werden.
Allein  Dr.  Eck  aus  Ingolstadt,  einer  der  hervorragendsten  Theologen  seiner  Zeit,  erneuerte
  bald  wieder  die  Auseinandersetzungen  und  es  kam  zwischen  ihm  und  Luther  zu
einer  heftigen  Disputation  auf  der  Pleißenburg  zu  Leipzig,  in  Anwesenheit  des  Herzogs
Georg  von  Sachsen,  die  drei  Wochen  lang  dauerte,  ohne  zu  einer  Verständigung
zu  führen.  Eck  hatte  in  Rom  eine  Bannbulle  gegen  Luther  ausgewirkt,  Luther  verbrannte
  dieselbe  am  10.  Dezember  vor  dem  Elstertor  in  Wittenberg,  und  damit  war
zwischen  ihm  und  der  Kirche  der  Bruch  vollzogen.

Im  Anfang  des  Jahres  1521
kam  Kaiser  Karl  V.  mit  stattlichem
  Gefolge  nach  Worms,
wo  neben  vielen  politischen  Angelegenheiten
  auch  die  kirchlichen
Streitigkeiten  beigelegt  werden
sollten.  Allein  auch  hier  konnte
Luther  nicht  zum  Widerruf  bewogen
  werden.  Auf  dem  Rückweg
  von  Worms  wurde  er  von
seinen  Freunden,  die  für  sein
Leben  in  Sorge  waren,  nach
der  Wartburg  bei  Eisenach  gebracht,
  wo  er  beinahe  ein  Jahr
im  Verborgenen  lebte.

Die  von  ihm  angeregte  Bewegung
  hatte  indessen  schon
weitere  Kreise  gezogen.  Die
Bilderstürmer  begannen  ihr  Werk,
und  auf  die  Kunde  von  ihren
Greueltaten  verließ  Luther  die
Wartburg,  um  ihnen  entgegenzutreten.
  Im  Süden  hub  der
»..-  Bauernkrieg  mit  all  seinen  Ver—

Lncas  Cranach.  wüstungen  und  Mordtaten  an,

Ulrich  von  Hutten  und  Franz  von

Sickingen  traten  auf.  Der,  Bundschuh“  und  der  „Arme  Konrad“  sammelten  die  Scharen  erregter

Bauern,  namentlich  im  Württembergischen  um  sich,  und  zwangen  sogar  den  bekannten

Goetz  von  Berlichingen  ihnen  dienstbar  zu  sein,  bis  es  endlich  dem  Truchseß,  dem  Feldhauptmann

  des  schwäbischen  Bundes  gelang,  des  Aufruhres  Herr  zu  werden.  Einen

ähnlichen  Ausgang  nahm  die  Bewegung  in  Thüringen  unter  Thomas  Münzer,  die

später  in  den  Taten  der  Wiedertäufer  zu  Münster  unter  Johann  von  Leyden  ein
Gegenstück  fand.

Für  Luther  traten  jetzt  die  sächsischen  Kurfürsten  auf.  Friedrich  der  Weise
hatte  seinem  Beginnen  nichts  in  den  Weg  gelegt,  und  auch  Johann  der  Beständige
stand  ebenso  wie  Philipp  von  Hessen  auf  Seiten  Luthers.  Freilich  trieb  die  Landesherren
nicht  immer  nur  innere  Ueberzeugung  zu  der  Reformation;  überall  wurden  die  reichen