230  Karl  V.  und  die  Reformation.

Der  schmalkaldische  Krleg
und  die  Zeit  bis  zum  Hugsburger  Religionsfrieden  1546  —  1555.

Karl  V.  war  indessen  in  einem  Feldzug  gegen  die  türkischen  Seeräuber  in  Tunis
glücklich  gewesen,  hatte  auch  einen  dritten  Krieg  gegen  Franz  J.  von  Frankreich  geführt
und  darauf  in  Gent  den  Widerstand  seiner  Niederländer  gebrochen.  Gerade  in
dieser  Zeit  erschien  ihm  Nachgiebigeit  gegen  die  protestantischen  Stände  ratsam,  und
schon  schienen  alle  auf  beiden  Seiten  zu  einem  Ausgleich  geneigt,  allein  gegenseitiges
Mißtrauen  trat  auch  hier  wieder  störend  dazwischen.

Karl  V.  bei  Fugger.  Von  C.  Becker.
Mit  Genehmigung  der  Photographischen  Gesellschaft  in  Berlin.

Zum  viertenmal  erklärte  Franz  I.  gegen  Karl  den  Krieg  und  diesesmal  stand  auf
seiner  Seite  auch  ein  deutscher  Fürst,  der  Herzog  Wilhelm  von  Kleve,  der  gegen
Karl  V.  das  Herzogtum  Geldern  zu  behaupten  suchte.  Die  Sorge,  daß  die  Reformation
nun  auch  in  den  Niederlanden  Eingang  finden  könnte,  veranlaßte  den  Kaiser  zur  Rückkehr
nach  Deutschland  und  Herzog  Wilhelm  mußte  allen  seinen  Ansprüchen  auf  Geldern  und
auf  die  Reformation  entsagen,  ja  er  wurde  nun  sogar  durch  seine  Heirat  mit  einer
Tochter  des  römischen  Königs  Ferdinand  ganz  für  die  Sache  Oesterreichs  gewonnen.
Noch  immer  trat  Karl  gegen  die  Protestanten  behutsam  auf,  ja  es  gelang  ihm  sogar