240  Karl  V.  und  die  Resormation.

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bedeutenden  Anhang  zählte,  suchte  man  die  ganze  Sache  gütlich  beizulegen.  Als  er  jedoch
den  Hergog  Johann  Friedrich  von  Sachsen-Gotha,  den  Sohn  des  früheren  Kurfürsten
Johann  Friedrich,  durch  die  von  dem  Kanzler  Brück  unterstützte  Vorspiegelung,  daß  er
ihm  mit  Hilfe  der  Reichsritterschaft  und  des  Königs  von  Frankreichs  nicht  nur  wieder
zu  seinem  Kurfürstentum  verhelfen,  sondern  ihm  auch  die  Kaiserkrone  verschaffen  werde,
auf  seine  Seite  gezogen,  und  im  Vertrauen  auf  des  Herzogs  Schutz  die  Stadt  Würzburg
überfallen  und  geplündert  hatte,  wurde  er  in  die  Acht  erklärt,  und  der  Herzog  dringend
ermahnt,  sich  von  ihm  loszusagen.  Da  derselbe  trotzdem  den  Geächteten  an  seinem  Hofe
behielt,  wurde  die  Acht  auch  gegen  ihn  ausgedehnt,  und  der  Kurfürst  August  von  Sachsen,
der  Bruder  und  Nachfolger  des  kinderlos  verstorbenen  Moritz,  mit  der  Vollstreckung
derselben  beauftragt.  Nach  der  Einnahme  der  Stadt  Gotha,  wurde  der  Herzog  nach
Wien  gebracht,  wo  er  sein  Leben  in  der  Gefangenschaft  beschloß,  über  Grumbach  und
den  Kanzler  jedoch  das  Todesurteil  ausgesprochen  und  auf  Besehl  des  Kurfürsten  durch
Vierteilen  zum  Vollzug  gebracht.

Ein  neues  Uebel  erwuchs  nun  freilich  um  diese  Zeit  dem  Reiche  durch  die  Ausschreitungen
  der  aus  fremden  Kriegen  heimkehrenden  Landsknechte,  die  aller  friedlichen
Beschäftigung  entwöhnt,  sich  meistens  einem  wilden  Räunberleben  hingaben,  Reisende
plünderten  und  Städte  und  Dörfer  brandschatzten.  Auf  allen  Reichstagen  klagte  man
gegen  dieses  Unwesen,  allein  es  lag  nicht  in  des  Kaisers  Macht,  demselben  ein  Ziel  zu
setzen,  so  sehr  er  sich  auch  bemühte,  dagegen  einzuschreiten.

Maximilian  II.  starb  am  12.  Oktober  1576  im  fünszigsten  Lebensjahr  und  hinterließ
  den  Ruf  eines  gerechten  und  menschenfreundlichen  Fürsten.

Rudolf  II.  1570  —  1012.

Maximilians  II.  Sohn  und  Nachfolger,  Rudolf  II.,  war  ein  Fürst  ohne  jegliche
Tatkraft,  der  die  Regierung  seinen  Günstlingen  überließ  und  nur  seinen  Liebhabereien
lebte.  Sein  Interesse  für  die  Pferdezucht  war  so  groß,  daß  er  ganze  Tage  in  den
Pferdeställen  zubringen  konnte.  Daneben  verwendete  er  große  Summen  auf  die  Anlegung
  einer  reichen  und  äußerst  kostbaren  Sammlung  von  Altertümern,  von  Kunstwerken
jeder  Art.  Auch  beschäftigte  er  sich  viel  mit  Alchymie  und  der  damals  selbst  von  den
gelehrtesten  Astronomen  betriebenen  Astrologie,  weshalb  er  auch  die  beiden  großen  Astronomen
  Tycho  de  Brahe  und  Kepler  an  seinen  Hof  nach  Prag  berief,  um  sich  von  ihnen
in  die  Geheimnisse  der  Sternenwelt  einführen  zu  lassen.

Während  Rudolf  IlI.  unbekümmert  um  die  Angelegenheiten  des  Reiches  und  seiner
Erbländer  seine  Zeit  in  seinem  Laboratorium  und  auf  seiner  Sternwarte  zubrachte,  um
in  jenem  die  Kunst  des  Geldmachens  zu  erlernen,  und  auf  dieser  die  Geheimnisse  der
Zukunft  zu  erforschen,  stieg  allseits  die  Aufregung  der  Gemüter  in  einem  bedenklichen
Grad,  und  verschiedene  Vorgänge  im  Reich  kündigten  als  die  Vorboten  ernster  Kämpfe
die  sturmbewegte  Zukunft  an.

Das  uneinigste  und  zerrissenste  Land  war  Oesterreich  selbst.  Maximilian  II.  hatte
den  protestantischen  Ständen  Religionsfreiheit  gestattet,  da  er  jedoch  ihren  Gottesdienst