242  Karl  V.  und  die  Reformation.

Brüdern  und  Vettern  wurde  endlich  ein  Vertrag  geschlossen  (1606),  durch  welchen  des
Kaisers  Bruder  die  Regierung  in  Oesterreich  und  Ungarn  übertragen  wurde.  Dem
Kaiser  selbst  blieb  nur  Böhmen.  Die  protestantischen  Stände  dieses  Landes,  welche  die
günstige  Zeit  benutzen  wollten,  da  ihr  Herr  ohne  Macht  und  mit  seinen  Verwandten
sogar  gespannt  war,  setzten  ihm  so  lange  zu,  bis  er  ihnen  freie  Religionsübung,  ein
eigenes  Konsistorium,  die  Einräumung  der  Prediger-Akademie  und  sogar  die  Freiheit,
neue  Kirchen  und  Schulen  in  Böhmen  errichten  zu  dürfen,  zusicherte.  Diese  wichtige
Urkunde  nennt  man  den  Moajestätsbrief.

Das  wieder  erweckte  Mißtrauen  der  Religionsparteien,  die  Entzweiung  des  österreichischen
  Hauses,  welches  die  Stütze  der  Katholischen  gewesen  war,  verknüpfte  die
protestantischen  Stände  näher  miteinander  und  regte  in  ihnen  den  Gedanken  eines  neuen
Bündnisses  an.  Am  lebhaftesten  wurde  derselbe  von  dem  pfälzischen  Hause  betrieben,
und  es  gelang  dem  Kurfürsten  Friedrich  von  der  Pfalz  im  Jahre  1608  einen  neuen
Bund  unter  dem  Namen  „Union"  zustande  zu  bringen;  aber  nur  die  Markgrafen  von
Brandenburg,  der  Pfalzgraf  von  Neuburg,  der  Herzog  von  Württemberg  und  der  Pfalzgraf
  von  Baden,  nebst  den  Städten  Straßburg,  Nürnberg  und  Ulm  traten  bei;  die
übrigen  Städte  hielten  sich  fern,  weil  das  pfälzische  Haus  der  reformierten  Kirche  angehörte.
  In  dem  gleich  im  folgenden  Jahre  ausgebrochenen  Erbstreit  über  die  Jülichschen
Lande  griffen  die  uniierten  Fürsten  zu  den  Waffen,  um  den  Kurfürsten  von  Brandenburg
und  den  Pfalzgrafen  von  Neuburg,  welche  Besitz  von  demselben  genommen  hatten,  zu
unterstützen.  Dieses  rasche  Ergreifen  der  Waffen,  noch  mehr  aber  das  feindselige  Verfahren
  der  Uniierten  in  allen  Ländern  geistlicher  Fürsten,  wohin  ihr  Heer  kam,  erbitterte
die  Katholiken.  Jene  hatten  die  Stifter  am  Rhein,  Mainz,  Trier,  Köln,  Worms,
Speyer  u.  a.  wie  erobertes  Land  mit  Brandschatzungen  und  aller  Gewalttätigkeit  heimgesucht,
  da  schlossen  die  katholischen  Stände  zu  Würzburg  1610  einen  Gegenbund  auf
9  Jahre,  welcher  den  Namen  der  „Liga“  annahm  und  an  dessen  Spitze  Herzog  Maximilian
von  Bayern  stand.  Die  Liga  rüstete  nun  gleichfalls;  aber  die  Uniierten  ließen  sich
bald  zu  einer  gütlichen  Beilegung  der  Sache  bewegen  und  die  Waffen  wurden  von
beiden  Teilen  niedergelegt.

Da  Rudolf  sein  letztes  Land,  Böhmen,  seinem  Bruder  Leopold,  Bischof  von  Passau,
verschaffen  wollte,  und  deshalb  im  Jahre  1611  geworbenes  Kriegsvolk  aus  Passau  in
Böhmen  einrückte,  so  griffen  die  böhmischen  Stände  zu  den  Waffen,  schlossen  den  Kaiser
in  seiner  Burg  zu  Prag  ein  und  zwangen  ihn  auch  die  böhmische  Krone  seinem  Bruder
Matthias  abzutreten.  Nach  seinem  Tode,  20.  Jannar  1612,  wurde  Matthias  auch  Kaiser.

IMatthias  1012—  1010.

An  die  Regierung  Matthias  knüpfte  man  von  katholischer  wie  von  protestantischer
Seite  allerlei  Hoffnungen,  und  in  der  Tat  schien  ihm  auch  daran  gelegen,  die  Gegensätze
auszugleichen.

Im  Jahre  1616  berief  er  einen  Reichstag  nach  Regensburg,  um  die  Reichshilfe
gegen  die  Türken  zu  sichern.  Allein  die  Stände  glaubten  Wichtigeres  beraten  zu  müssen