246  Karl  V.  und  die  Reformation.

quickliches  Bild,  und  es  zeigte  sich  deutlich,  wie  sehr  derselbe  noch  in  allen  Anschauungen
des  Mittelalters  befangen  blieb.  Zu  den  bekannten  Denkwürdigkeiten  des  Ritters  Götz
von  Berlichingen  haben  wir  in  den  Berichten  des  Ritters  von  Schweinichen  in  mancher
Beziehung  ein  Gegenstück.  „Als  ich  ins  neunte  Jahr  kommen,  berichtet  derselbe,  und  also
wenig  baß  meinen  Verstand  erlanget  hatte,  habe  ich  zu  Mertschütz  zum  Dorsschreiber
gehen  müssen  und  allda  zwei  Jahre  schreiben  und  lesen  lernen,  und  wenn  ich  aus  der
Schule  kam,  mußte  ich  Gänse  hüten.  Im  Jahre  1567  hat  mir  der  Herr  Vater  mein
erstes  Schwert  gekauft,  davor  er  geben  hat  34  Weißgroschen.“  Ferner  erzählt  er  aus
dem  Jahre  1570:  „Dies  Jahr  war  ich  daheim,  musste  dem  Herrn  Vater  die  Mühle  versehen,
  und  davon  Rechnung  und  Bescheid  geben,  auch  sonst  in  der  Wirthschaft  zusehen,
und  helfen,  musste  auch  die  Gäste  mit  saufen  verwirthen  und  die  Fischerei  versehen,  alles
Futter  ausgeben,  auch  mit  den  Dreschern  aufheben,  und  sonsten  verrichten,  was  möglich.
Es  waren  dies  Jahr  im  Lande  Unfläter,  so  man  die  Siebenundzwanzig  hieß,  welche  sich
verschworen  hatten,  wo  sie  hinkämen,  unflätig  zu  sein,  auch  wie  sie  ichter  (irgend  etwas)
möchten  einfangen.  Item  es  sollte  keiner  beten,  noch  sich  waschen  und  andere  Gotteslästerung
  mehr,  welche  dann  öfters  zu  vier  und  fünfen  auf  einmal  bei  meinem  Herrn
Vater  gewesen,  aber  wenn  ich  schon  um  sie  war,  bin  ich  doch  mit  ihnen  niemals  aufstößig
  geworden.“  Wenn  die  bis  jetzt  bekannten  Unterhaltungen:  Jagen,  Trinken,  Hundeund
  Pferdedressur  nicht  ausreichten,  so  griff  man  zu  dem  seit  einiger  Zeit  bekannten
Kartenspiel.  Schon  im  14.  Jahrhundert  war  die  Kunst,  Karten  zu  drucken,  in  Deutschland
  bekannt  gewesen,  und  Fischart,  der  in  seiner  „Gargantua“  an  fünfhundert  Gesellschaftsspiele
  aufzählt,  weiß  auch  vom  Kartenspiel  mancherlei  zu  berichten.

In  seinen  häuslichen  Einrichtungen  verstand  es  der  deutsche  Adel,  bald  an  Stelle
der  alten  Einfachheit  einen  großen  Luxus  zu  setzen.  Allein  trotz  all  seiner  Anstrengungen
wurde  er  hierin  von  den  reichsstädtischen  Patriziern  übertroffen,  und  ein  Haus,  wie
dasjenige  der  Fugger  in  Augsburg,  galt  als  eine  Sehenswürdigkeit  ersten  Ranges.
„Welch  eine  Pracht,  berichtet  der  Brief  eines  Augenzeugen  aus  dem  Jahre  1531,  ist  nicht
in  Anton  Fuggers  Haus  auf  dem  Weinmarkt.  Es  ist  an  den  meisten  Orten  gewölbt
und  mit  marmornen  Säulen  unterstützt.  Was  soll  ich  von  den  weitläufftigen  und  zierlichen
  Zimmern,  den  Stuben,  Sälen  und  Kabinetten  des  Herrn  sagen,  welches  sowohl
wegen  des  vergoldeten  Gebälks  als  der  übrigen  Zierraten  das  allerschönste  ist.  Es  stößt
daran  eine  dem  heil.  Sebastian  geweihte  Kapelle  mit  Stühlen,  die  aus  dem  kostbarsten
Holze  sehr  künstlich  gemacht  sind.  Alles  aber  zieren  fürtreffliche  Malereien  von  außen
und  innen.  Raymund  Fuggers  Haus  in  der  Kleesattlergasse  ist  gleichfalls  königlich  und
hat  auf  vielen  Seiten  die  angenehmste  Aussicht  in  Gärten.  Was  erzeuget  Italien  für
Pflanzen,  die  nicht  darin  anzutreffen  wären,  was  findet  man  darin  für  Lusthäuser,
Blumenbeete,  Bäume,  Springbrunnen,  die  mit  Erzbildern  der  Götter  geziert  sind.  Was
für  ein  prächtiges  Bad  ist  in  diesem  Teil  des  Hauses.  Mir  gefielen  die  französischen
Königsgärten  zu  Blois  und  Tours  nicht  so  gut.  Nachdem  wir  ins  Haus  hinaufgegangen,
beobachteten  wir  sehr  breite  Stuben,  weitläufige  Säle  und  Zimmer.  Alle  Türen  gehen
aufeinander  bis  in  die  Mitte  des  Hauses,  so  daß  man  immer  von  einem  Zimmer  ins
andere  kommt.  Hier  sahen  wir  die  trefflichsten  Gemälde.  Jedoch  noch  mehr  rührten
uns,  nachdem  wir  ins  obere  Stockwerk  gekommen,  so  viele  und  große  Denkmäler  des
Altertums,  daß  ich  glaube,  man  wird  in  Italien  selbst  nicht  mehrere  bei  einem  Manne
finden.“  Auch  Hans  von  Schweinichen  weiß  von  dem  Fugger-Haus  in  Augsburg  zu