248  Karl  V.  nud  die  Reformation.

berichten:  „Es  führten  Ihre  fürstlichen  Gnaden  der  Herr  Fugger  im  Hause  herum
spazieren,  welches  ein  gewaltiges  großes  Haus  ist,  daß  der  Römische  Kaiser  auf  dem
Reichstage  mit  dem  ganzen  Hofe  Raum  darin  gehabt.  Da  hat  der  Herr  Fugger  J.  F.  G.
in  ein  Türmlein  geführt,  darin  hat  er  J.  F.  G.  von  Ketten,  Kleinodien  und  Edelsteinen,
auch  von  seltsamer  Münze  und  Stücke  Goldes,  als  Köpfe  groß  einen  Schatz  gewiesen,
daß  er  selbst  sagt,  es  wäre  über  eine  Million  Goldes  wert.  Hiernach  schloß  er  einen
Kasten  auf,  der  lag  bis  oben  auf  mit  lauter  Dukaten  und  Kronen.-Die  gab  er  auf  200  000
Gulden  an.  Darauf  führte  er  J.  F.  G.  auf  dasselbe  Türmlein,  welches  von  der  Spitze
an  bis  an  die  Hälfte  nunter  mit  lauter  guten  Talern  bedeckt  war.  Man  sagt,  daß  der
Herr  Fugger  soviel  hätte,  daß  er  ein  Kaisertum  bezahlen  möchte.  J.  F.  G.  versahen  sich
auch  eines  stattlichen  Geschenks,  aber  damals  bekamen  J.  F.  G.  nichts  als  einen  guten
Rausch.“

Herrschte  demnach  in  den  Patrizierhäusern  eine  seltene  Pracht,  so  sah  es  dagegen
in  den  Häusern  und  Hütten  der  Bauern  um  so  elender  und  schmutziger  aus,  und  die
Erziehung  der  Bauernkinder  war  die  denkbar  mangelhafteste.  Aller  Verkehr  auf  Wegen
und  Straßen  war  einfach  und  mit  Hindernissen  aller  Art  verknüpft.  Wir  besitzen  aus
den  „Colloquia“  des  Erasmus  eine  Schilderung  des  deutschen  Wirtshauslebens,  die  von
Rudhard  der  Dialogform  entkleidet,  ein  deutliches  Bild  von  den  damaligen  Zuständen
gibt:  „Bei  der  Ankunft,  schildert  derselbe,  grüßt  niemand,  damit  es  nicht  scheine,  als
ob  sie  viel  nach  Gästen  fragten,  denn  dies  halten  sie  für  schmutzig  und  niederträchtig
und  des  deutschen  Ernstes  unwürdig.  Nachdem  du  lange  geschrieen  hast,  steckt  endlich
irgend  einer  den  Kopf  durch  das  kleine  Fensterchen  der  geheizten  Stube  heraus  gleich
einer  aus  ihrem  Hause  hervorschauenden  Schildkröte.  In  solchen  geheizten  Stuben
wohnen  sie  beinahe  bis  zur  Sommersonnenwende.  Diesen  Herausschauenden  muß  man
nun  fragen,  ob  man  hier  einkehren  könne.  Schlägt  er  es  nicht  ab,  so  ersiehst  du  daraus,
daß  du  Platz  haben  kannst.  Die  Frage  nach  dem  Stall  wird  mit  einer  Handbewegung
beantwortet.  Dort  kannst  du  nach  Belieben  dein  Pferd  nach  deiner  Weise  behandeln,
denn  kein  Diener  legt  eine  Hand  an.  Ist  es  ein  berühmteres  Gasthaus,  so  zeigt  dir  ein
Knecht  den  Stall  und  auch  den  freilich  ja  nicht  bequemen  Platz  für  das  Pferd.  Denn
die  besseren  Plätze  werden  für  spätere  Ankömmlinge,  vorzüglich  für  Adlige  aufbehalten.
Wenn  du  etwas  tadelst  oder  irgend  eine  Ausstellung  hast,  hörst  du  gleich  die  Nede:
„Ist  dir  es  nicht  recht,  so  suche  dir  ein  anderes  Gasthaus.“  Heu  wird  in  den  Städten
ungern  und  sparsam  gereicht,  und  fast  ebenso  teuer  als  der  Hafer  selbst  verkauft.  Ist
das  Pferd  besorgt,  so  begibst  du  dich,  wie  du  bist,  in  die  Stube,  mit  Stiefeln,  Gepäck
und  Schmutz.  Diese  geheizte  Stube  ist  allen  Gästen  gemeinsam.  Daß  man,  wie  bei
den  Franzosen,  eigene  Zimmer  zum  umkleiden,  waschen,  wärmen  und  ausruhen  anweist,
kommt  hier  nicht  vor,  sondern  in  dieser  Stube  ziehst  du  die  Stiefel  aus,  bequeme
Schuhe  an  und  kannst  auch  das  Hemd  wechseln.  Die  vom  Regen  durchnäßten  Kleider
hängst  du  am  Ofen  auf  und  gehst,  dich  zu  trocknen,  selbst  an  ihn  hin.  Auch  Wasser
zum  Händewaschen  ist  bereit,  aber  es  ist  meist  so  unsauber,  daß  du  dich  nach  einem
anderen  Wasser  umsehen  mußt,  um  die  eben  vorgenommene  Waschung  abzuspülen.  Kommst
du  um  4  Uhr  nachmittags  an,  so  wirst  du  doch  nicht  vor  9  Uhr  speisen,  nicht  selten
erst  um  10  Uhr,  denn  es  wird  nicht  eher  aufgetragen,  als  wenn  sie  alle  sehen,  damit
auch  allen  dieselbe  Bedienung  zuteil  werde.  So  kommen  in  demselben  geheizten  Raume
oft  80  oder  90  Gäste  zusammen.  Fußreisende,  Reiter,  Kaufleute,  Schiffer,  Fuhrleute,