256  Karl  V.  und  dir  Refermalion.

am  wenigsten  von  seinen  Dienern  in  der  Kleidung  unterscheidet;  dann  wird  auch  eiwas
besserer  Wein  herbeigebracht.  Die  besser  trinken,  sind  den  Wirten  angenehmer,  obgleich
sie  um  nichts  mehr  zahlen  als  jene,  die  sehr  wenig  trinken;  denn  es  sind  nicht  selten
welche,  die  mehr  als  das  Doppelte  im  Weine  vergehren,  was  sie  für  das  Gastmahl
zahlen.  Es  ist  zum  Verwundern,  welches  Lärmen  und  Schreien  sich  erhebt,  wenn  die
Köpfe  vom  Trinken  warm  werden.  Keiner  versteht  den  andern.  Häufig  mischen  sich
Possenreißer  und  Schalksnarren  in  diesen  Tumult,  und  es  ist  kaum  glaublich,  welche
Freude  die  Deutschen  an  solchen  Leuten  finden,  die  durch  ihren  Gesang,  ihr  Geschwätz
und  Geschrei,  ihre  Sprünge  und  Prügeleien  solch  ein  Getöse  machen,  daß  die  Stube  dem
Einsturz  droht  und  keiner  den  andern  hört.  Und  doch  glauben  sie,  so  recht  angenehm  zu
leben,  und  man  ist  gezwungen,  bis  in  die  tiefe  Nacht  hinein  sitzen  zu  bleiben.  Ist  endlich
  der  Käse  abgetragen,  so  tritt  wieder  jener  Bärtige  auf  mit  der  Schreibtafel  in  der
Hand,  auf  die  er  mit  Kreide  einige  Kreise  und  Halbkreise  gezeichnet  hat.  Diese  legt  er
auf  den  Tisch  hin,  still  und  trüben  Gesichtes  wie  Charon.  Die  das  Geschreibe  kennen,
legen  und  zwar  einer  nach  dem  andern  ihr  Geld  darauf,  bis  die  Tafel  voll  ist.  Dann
merkt  er  sich  diejenigen,  die  gezahlt  haben  und  rechnet  im  stillen  nach.  Fehlt  nichts  an
der  Summe,  so  nickt  er  mit  dem  Kopfe.  Niemand  beschwert  sich  über  eine  ungerechte
Zeche;  wer  es  täte,  der  würde  alsbald  hören  müssen:  „Was  bist  du  für  ein  Bursche?
du  zahlst  um  nichts  mehr  als  die  andern!“  Wünscht  ein  von  der  Reise  Ermüdeter  gleich
nach  dem  Essen  zu  Bett  zu  gehen,  so  heißt  es,  er  solle  warten,  bis  die  übrigen  sich
niederlegen.  Dann  wird  jedem  sein  Nest  gezeigt,  und  das  ist  weiter  nichts  als  ein  Bett,
denn  es  ist  außer  den  Betten  nichts,  was  man  brauchen  könnte,  vorhanden.  Die  Leintücher
  sind  vielleicht  vor  sechs  Monat  zuletzt  gewaschen  worden.“

Etwas  bequemer  als  zu  Lande,  reiste  man  zu  Wasser,  allein  auch  hier  boten  sich
noch  Fährlichkeiten  aller  Art,  und  die  aus  Ungarn  im  16.  Jahrhundert  nach  Deutschland
  eingeführten  „Gutschen“  fanden  nirgends  Anklang,  ja  sie  wurden  beispielsweise  von
dem  Herzog  Julius  von  Braunschweig,  als  unwürdig  der  deutschen  Nation,  geradezu  verboten.
  Anfänge  einer  Post  und  ebenso  des  Zeitungswesens  finden  wir  um  diese  Zeit  schon.

Eine  tiefgreifende  Umwandlung  erfuhr  gerade  in  dieser  Zeit  auch  das  Kriegswesen.
Bis  jetzt  hatte  das  Fußvolk  den  Ausschlag  gegeben.  In  der  Schlacht  bei  Marignanv
1515  hatte  sich  zum  erstenmal  der  Nachteil  der  bisherigen  Kampfesweise  in  evidenter
Weise  gezeigt,  und  in  Deutschland  erstand  dann  als  Reformator  des  Kriegswesens  Georg
von  Frundsberg,  der  namentlich  dem  Söldnerdienste  seine  Aufmerksamkeit  widmete.  Den
Kern  der  Söldner  stellten  die  deutschen  Bauern,  die  zum  Teil  mit  16—18  Fuß  langen
Piken,  zum  Teil  mit  Schlachtschwertern,  einzelne  auch  mit  Musketen  bewaffnet  und  mit
Harnisch,  Halskragen,  Arm=  und  Beinschienen,  Blechschurz  und  Pickelhaube  ausgerüstet
waren.  Neben  der  schwereren  Handbüchse  mit  Luntenstock  oder  mit  Radschloß  kam  bald
auch  die  kleine  Muskete  mit  ihren  panzerdurchdringenden  Kugeln  auf,  die  beim  Abfeuern
auf  einen  Gabelstock  gelegt  werden  mußte.  Acht  bis  zehn  Fähnlein,  mit  je  10  bis  15
solcher  Musketiere  bildeten  ein  Regiment,  bei  welchem  freilich  eine  einheitliche  Uniformierung
  nur  schwer  zu  erreichen  war.  Die  Zucht,  in  welcher  diese  „frommen“  Landsknechte
  standen,  war  eine  sehr  strenge,  aber  trotz  alledem  waren  die  Söldner  gefürchtet,
wohin  sie  kamen.

Die  Reiterei  bestand  aus  einer  leichten  und  einer  schwereren  Gattung.  Letztere
waren  noch  nach  mittelalterlicher  Sitte  von  Kopf  bis  zu  Fuß  gepanzert,  und  mit  all'