252  Karl  V.  und  die  Reformatian.

nit  so  geschwind  über  die  Gräben  bringen,  dadurch  des  Franzosen  reysiger  Zeug  eltlich
Paurn,  Ochsen  und  Roß  bey  dem  Geschütz  erstochen.  Und  haben  also  Geschütz  müssen
verlassen  und  seynd  also  mit  meinem  Hauffen  bis  wieder  zu  Herr  Mertein  eylends  gezogen.
  Do  haben  die  am  Nachzug  mit  dem  Geschütz  auch  schaden  gethon.  Also  ist  der
Franzos  mit  seinem  Reysigen  Zeug,  dergleichen  mit  seinem  Hauffen  Lantsknecht  und  den
Schweitzern  gegen  uns  geruckt,  und  ihr  Geschütz  vor  ihnen  geschleift  und  heftig  gegen  uns
geschossen,  Gott  hab  lob  nit  darnach  schaden  gethon.  Darnach  wir  räthig  geworden,
wiewohl  der  Hauff  zu  Pavia  noch  nit  bey  uns  gewesen,  und  im  Namen  Gottis  bei
1500  Spanierschützen  unserem  reysigen  inen  zu  geben  (beizugeben),  und  seyn  Herr
Mertein  und  ich  mit  unseren  beden  Haufen  gestracks  neben  einander  dem  Geschütz  zugezogen,
  darauf  der  Franzosen  Hauff  Lantsknechte  demnächsten  uns  unter  Augen  getroffen
und  Herr  Mertein  mit  seinem  Hauffen  über  ein  Orth  auch  in  des  Franzosen  Hauffen
Lantsknechte  getroffen  und  haben  indem  die  Lantsknecht  geschlagen  und  mit  beden  Hauffen
fürgedrückt,  ihnen  ihr  Geschütz  abdrungen,  also  haben  die  Spanische  Schützen  und  neben
ihnen  unser  Reysigen  in  des  Franzosen  Kyrisser  so  fast  gesetzt  und  geschossen,  daß  dieselben
  Kyrisser  den  Schweitzern  zum  Theil  ihr  Ordnung  zertrennt,  und  unser  Reysigen
also  darein  mit  ihnen  gehauen  und  dem  Künig  sein  Roß  geschossen.  Sobald  wir  die
Lantsknecht  geschlagen,  haben  die  Schweitzer  kein  stand  gethon  (als  die  deutschen  Landsknechte
  Franz  l.  von  den  kaiserlichen  Landsknechten  geschlagen  waren,  hielten  auch  seine
schweizerischen  Söldner  nicht  mehr  Stand).  Also  seyn  Reysigen  und  sonderlich  Grav
Niklas  von  Salm  mit  sampt  seinen  reysigen  Hoffgesind  des  Franzosen  Reysigen  nachgefolgt
  und  sich  erlich  und  wol  gehalten  und  sonderlich  der  Grav  Niklas  sich  so  hart
umb  den  Künig  angenommen  und  dem  Künig  sein  pferd  erstochen.  Da  hat  sich  der  König
vast  gewert,  doch  ist  er  als  der  Hengst  unter  ihme  gefallen,  gefangen  worden,  und  wöllen
(ihn)  in  vil  jetzund  gefangen  haben.  Die  unser  zu  Pavia  haben  inen  selbst  ein  Hauffen
Schweitzer,  Kastganier  (Gascogner)  und  Lantsknecht  in  ihrem  Auszug  fürgenommen,  dieselben
  zu  verhindern,  und  darauff  hinausgefallen  und  sy  perfort  geschlagen,  groß  Gut
gewunnen,  dann  sy  ihnen  ihre  Läger  alle  geplundert.  Und  sind  also  mit  sampt  denen,
so  ertrenkt  (ertrunken),  ob  den  zehntausend  mannen  tod  pliben  und  erschlagen  worden,
darund’'  viel  guter  Leuth  umbkommen,  und  ich  acht  das  wir  auf  unser  seyten  über  die
vierhundert  man  nit  verloren.  Und  haben  sich  des  Franzosen  Lantsknecht  tapffer  gewert,
doch  der  merteyl  das  Gloch  schon  bezalt,  und  haben  viel  guter  gefangen.  Nemlich  den
künig  von  Frankreich,  den  künig  von  Navarra,  auch  des  künigs  von  Schotten  bruder  und
vil  mechtige  französisch  Herren.  Wann  welliche  nit  gefangen  worden,  seynd  alle  erschlagn.
Wir  haben  auch  den  Veinden  genommen  32  Stuck  Püchsen  und  der  Schweitzer,  so  wir
gefangen  und  wieder  ledig  gelassen,  seynd  bei  vier  Tausend.  Es  seynd  auch  sonst  vil
Lantsknecht  gefangen  und  der  Langemantel  ist  erstochen  worden.“

Der  dreißigjährige  Krieg  änderte  natürlich  in  der  Kriegsführung  manches,  ebenso
wie  er  auf  die  gesamte  Kultur  seinerzeit  einen  wesentlich  ändernden  Einfluß  hatte.
Bis  zum  Beginn  desselben  konnte  wenigstens  von  den  Fürstenhöfen  noch  gesagt  werden,
daß  sie  wesentlich  deutsch  seien,  das  war  nach  dem  30  jährigen  Krieg  anders,  und  die
fremden  Elemente,  die  er  in  unser  politisches  und  privates  Leben  brachte,  bedeutend.
Die  sogenannte  vornehme  Bildung,  die  sich  später  mehr  und  mehr  breit  machte,  hat  man
wesentlich  ihm  zu  verdanken,  wobei  freilich  auch  nicht  übersehen  werden  darf,  daß  er
manche  Zustände  beseitigte,  die  für  das  deutsche  Kulturleben  nichts  weniger  als  erquick-