Die  Kultur  im  sechzehnten  Jahrhundert.  253

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lich  und  förderlich  waren.  Wir  meinen  hierbei  namentlich  auch  das  Leben  und  Treiben
der  Studenten  auf  den  Universitäten,  das  an  Roheit  und  Barbarei  wohl  nirgends
seinesgleichen  findet,  und  wenn  auch  nach  dem  dreißigjährigen  Krieg  noch  in  einzelnen
Zügen  fortlebend,  doch  allmählich  in  seinen  dunklen  Seiten  verblaßt  und  in  seiner  ärgsten
Rohheit  gemildert  worden  war.

Ein  weiterer  häßlicher  Auswuchs  dieser  Zeitperiode  war  der  Glaube  an  das  Zauberwesen
  und  die  Hexen.  Der  Glaube  an  einen  persönlichen  Verkehr  des  Teufels  mit  den
Menschen  entwickelte  sich  erst  langsam  im  Laufe  der  Jahrhunderte.  Dem  Zeitraum  zwischen
dem  4.  und  6.  Jahrhundert  nach  Christus  blieb  es  vorbehalten,  die  Vorstellung  von
einem  freiwilligen  Bund  mit  dem  Teufel,  der  bis  jetzt  namentlich  in  der  Person  der
Besessenen  immer  noch  als  ein  einseitig  vom  Teufel  ausgehender,  gewaltsamer  angesehen
worden  war,  auszubilden.  So  erfahren  wir  auch  in  dieser  Zeit  zum  erstenmal  von
einem  Bündnis  zwischen  dem  Teufel  und  einem  Menschen  mittelst  Verschreibung.  Es
war  dies  ein  Mönch  mit  Namen  Theophilus,  den  aber  bald  wieder  Reue  über  sein
sündiges  Tun  ergriff.  Er  wandte  sich  in  heißem  Gebet  an  die  Junfrau  Maria  und
diese  zwang  den  Teufel  dazu,  dem  Unglücklichen  den  Vertrag  wieder  zurückzugeben.
Wo  aber  eine  Bestrafung  der  Zauberei  und  Hexen  eintritt,  geschieht  dies  in  diesem  Zeitraum
freilich  auch  deswegen,  weil  man  ein  solches  Tun  und  Treiben  vom  Standpunkt  der  Religion
aus  als  fündig  und  verwerflich  hielt,  aber  daneben  auch  nicht  minder,  weil  man  es  als
dem  Staat  und  Gemeinwesen  schädlich  betrachtet  hatte.  Erst  in  dem  zweiten  Zeitraum
zwischen  dem  7.  und  13.  Jahrhundert  entwickelte  sich  dann  der  Glaube  an  ein  Bündnis  mit
dem  Teufel,  der  dem  ganzen  Charakter  des  Mittelalters  nach  immer  phantastischer  wurde.
Man  weiß  von  dem  Teufel,  daß  er  in  Gestalt  eines  fliegenden  Drachen  durch  Fenster  und
Schornsteine  fliegt,  bei  seinen  Verbündeten  einkehrt  und  ihnen  mancherlei  Geschenke  bringt.
Seine  Anhänger,  oder  richtiger  gesagt  seine  Anhängerinnen,  schweifen  in  der  Luft  umher
und  lassen  sich  nicht  durch  Schloß  und  Riegel  abhalten,  in  die  Häuser  einzudringen  und
Menschen  und  Vieh  Schaden  anzutun.  Zauberei  und  Hexerei  vermengten  sich  allmählich
so,  daß  sie  auf  der  gleichen  Stufe  der  Strafwürdigkeit  vor  geistlichem  und  weltlichem
Gerichte  standen,  das  es  nun  als  seine  Aufgabe  erachtete,  mit  Feuer  und  Schwert  gegen
die  Unglücklichen  zu  wüten!  Am  hellsten  und  längsten  flammten  die  Holzstöße,  auf  denen
die  unglücklichen  Opfer  brieten,  in  Deutschland.  Wohl  war  auch  in  anderen  Ländern  die
Tätigkeit  eine  äußerst  furchtbare;  in  Frankreich  fand  im  Jahre  1459  zu  Arras  eine  Massenexekution
  von  Zauberern  beiderlei  Geschlechts  statt,  in  Como  in  Oberitalien  wurden  im
Jahre  1483  einundvierzig  Hexen  verbrannt,  in  Schweden  wurden  in  einem  einzigen  Ort
Mora  in  einem  Jahre  zweiundsiebzig  Weiber  und  fünfzehn  Kinder  der  Hexerei  angeklagt,
verurteilt  und  hingerichtet;  Spanien,  Portugal,  Dänemark,  Polen,  Ungarn,  sogar  Nordamerika
  mit  einigen  Kolonien  hatten  zahlreiche  Hexenprozesse  und  Hexenverbrennungen
aufzuweisen.  Aber  so  schauderhaft  systematisch  und  gründlich  wie  in  Deutschland  war
man  nirgends  sonst.  Nachdem  einmal  dort  gegen  das  Jahr  1580  die  Massenexekutionen
ihren  Anfang  genommen  hatten,  währten  sie  auch  so  ziemlich  ein  Jahrhundert  lang,
und  man  erschrickt,  wenn  man  die  Zahl  der  Opfer  liest,  die  hierbei  zugrunde  gingen.
In  der  Grasschaft  Werdenfels  in  Bayern  wurden  im  Jahre  1552  in  einem  und  demselben
  Prozeß  48  Hexen  zum  Scheiterhaufen  verurteilt.  Die  kleine  Reichsstadt  Nördlingen
  erlebte  in  den  Jahren  1590  bis  1594  die  Hinrichtung  von  32  Zauberern  und
Hexen;  damit,  wie  sich  der  dortige  Bürgermeister  ausdrückte,  „die  Unholden  mit  Stumpf