264  Der  dreißigjährige  Krieg.

ringen  ein,  machten  sogar  Paris  einen  Augenblick  zittern,  indem  sie  den  Hugenotten  zu
Hilfe  zu  ziehen  drohten,  und  trieben  das  kühne  Kriegsspiel  zum  Schrecken  aller  Länder
ringsum.  Endlich  aber  mußten  sie  vor  Tilly  und  Wallenstein  das  Feld  räumen,  und
zogen  nach  Holland.  Unterdessen  eroberte  Tilly  Heidelberg  (20.  Sept.)  und  Mannheim
(2.  November  1622)  worauf  in  der  schrecklich  heimgesuchten  Pfalz  vorerst  Ruhe  eintrat.

Mansfeld  und  Christian  betrieben  indessen  in  den  Niederlanden  neue  Rüstungen,
fielen  in  den  niedersächsischen  Kreis  und  Westfalen  ein  und  gaben  dadurch  Tilly  erwünschten
Anlaß  nach  Norddeutschland  zu  rücken.  Er  schlug  die  beiden  kühnen  Kriegsfürsten  aus
dem  Felde  und  blieb  mit  seinen  Truppen  in  Norddeutschland.  So  schien  der  weitere
Bestand  des  Protestantismus  nun  auch  in  Norddeutschland  bedroht,  und  die  Stände  des
niedersächsischen  Kreises  wählten  daher  den  König  Christian  IV.  von  Dänemark,  den
Schwager  des  geächteten  Friedrichs,  zu  ihrem  Kreisobersten  (1625).  Auch  Jakob  l.  von
England  entschloß  sich  endlich,  sich  seines  Schwiegersohnes  anzunehmen,  und  trat  mit
Dänemark  und  Holland  in  ein  Bündnis  gegen  die  wachsende  Macht  des  Hauses  Habsburg
  in  Deutschland  und  Spanien.

Bei  dieser  Lage  der  Dinge  suchte  der  Kaiser  sich  ein  eigenes  Heer  zu  schaffen,  um
unabhängig  von  der  Liga  handeln  zu  können,  allein  es  fehlte  an  den  zu  der  Rüstung
nötigen  Mitteln.  Da  erbot  sich  ein  Mann,  welcher  als  einzelner,  wie  Mansfeld,  den
Krieg  im  Großen  zu  führen  gedachte,  dem  Kaiser  aus  dieser  Verlegenheit  zu  helsen.
Albrecht  von  Wallenstein,  eigentlich  Waldstein,  war  einem  edlen  böhmischen  Geschlecht
  entsprossen.  Nach  einer  abenteuerlichen  Jugend  sah  er  sich  nach  dem  Tode  seiner
ersten  Frau  in  dem  Besitz  eines  ungeheuren  Vermögens.  Er  trat  in  die  Dienste  des
Kaisers  Rudolf,  und  tat  sich  in  mehreren  Kriegen,  namentlich  gegen  die  Türken  und
Venetianer,  sowie  in  der  Schlacht  am  weißen  Berge  hervor.  Zur  Entschädigung  für  die
Verwüstung  seiner  Güter  im  böhmischen  Kriege  erhielt  er  die  Herrschaft  Friedland  in
Böhmen,  und  damit  den  Fürsten--  und  später  den  Herzogstitel.  Während  Tilly  an  der
Spitze  des  ligistischen  Heeres  im  Reiche  befehligte,  hatte  er  still  auf  seinen  Gütern  gesessen,
ungehalten  darüber,  daß  ein  Krieg  ohne  ihn  geführt  wurde.  Jetzt  erbot  er  sich,  ein  Heer
für  den  Kaiser  aufzustellen,  und  zwar  ohne  Kosten  für  denselben,  nur  bedingte  er  sich
den  unumschränkten  Oberbefehl  aus,  mit  der  Vollmacht,  alle  Anführerstellen  allein  vergeben
  zu  dürfen.  Man  wollte  ihm  die  Erlaubnis  geben,  20  000  Mann  zu  werben,  er
aber  erklärte,  das  sei  zu  wenig;  es  müßten  50  000  Mann  sein,  diese  würden  sich  schon
selbst  zu  ernähren  wissen.  Er  erhielt  diese  Vollmacht  und  nach  einigen  Monaten  war
ein  ansehnliches  Heer  versammelt.  Wallenstein  selbst  war  zum  Kriegsfürsten  geboren.
Sein  scharfes  Auge  unterschied  auf  den  ersten  Blick  den  Tüchtigen  von  der  Menge,  und
er  wies  jedem  seinen  rechten  Platz  an.  Sein  Lob,  weil  es  selten  kam,  feuerte  zu  den
höchsten  Anstrengungen  an,  und  sein  wortkarger  Ernst  erhielt  strengen  Gehorsam.

Im  Jahre  1625  brach  er  mit  dem  neuen  Heere  durch  Schwaben  und  Franken  nach
Niederschlesien  auf.  Tilly  mochte  sich  mit  einem  solchen  Helfer  nicht  vereinigen,  der  über
ihm  stehen  wollte,  und  beide  führten  den  Krieg  gesondert.  Wallenstein  zog  sich  in  das
Halberstädtische  und  Magdeburgische,  weil  diese  Gegenden  noch  nicht  vom  Kriege  ausgesogen
  waren.  Der  Graf  von  Mansfeld  rückte  1626  gegen  ihn  an  die  Elbe,  wurde  zwar
an  der  Dessauer  Brücke  zurückgedrängt;  wendete  sich  aber  mit  kühner  Cntschlossenheit
plötzlich  nach  Schlesien,  um  sich  mit  dem  siebenbürgischen  Fürsten  Bethlen  Gabor  zu  vereinigen,
  und  den  Krieg  mitten  in  österreichische  Länder  zu  verlegen.  Wallenstein  mußte