266  Der  dreißigjährige  Krieg.

ihm  folgen.  Mansfeld  fand  aber  bei  Bethleu  Gabor  keine  gute  Aufnahme,  weil  er  nicht,
wie  dieser  erwartet  hatte,  große  Geldsummen  mitbrachte.  Verfolgt  von  Wallenstein,  vom
Rückweg  abgeschnitten,  ohne  Mittel,  sich  in  dem  fernen  Lande  zu  behaupten,  verkaufte
er  Geschütz  und  Heergerät,  entließ  seine  Krieger  und  nahm  mit  kleinem  Gefolge  den
Weg  durch  Bosnien  und  Dalmatien  nach  Venedig;  von  dort  wollte  er  nach  England
schiffen,  um  Geld  zu  holen.  Allein  in  dem  Dorfe  Urakanitz  bei  Zara  wurde  er  infolge
all  der  Anstrengungen  krank  und  starb  am  30.  November  1626  im  46.  Jahre  seines
Lebens,  nachdem  ihm  sein  Kampfgenosse  Hergog  Christian  von  Braunschweig  im  Tode
vorangegangen  war.

Unterdessen  errang  Tilly  über  die  Dänen  unter  ihrem  König  Christian  IV.  bei
Lutter  am  Barenberg  in  Hannover  einen  entscheidenden  Sieg  (27.  August  1626).  Die
Stände  des  niedersächsischen  Kreises  unterwarfen  sich  nun  dem  Kaiser  und  die  Dänen
zogen  sich,  nachdem  Tilly  und  Wallenstein  ihre  Vereinigung  bewirkt  hatten,  nach  Fünen
zurück.  Nach  langen  Verhandlungen  erhielt  Christian  im  Frieden  zu  Lübeck  1629  seine
Länder  zurück,  mußte  aber  versprechen,  sich  nicht  weiter  in  die  deutschen  Angelegenheiten
zu  mischen.

So  war  der  Kaiser  Herr  von  ganz  Norddeutschland.  Die  Lerzöge  von  Mecklenburg
wurden  wegen  ihrer  Verbindung  in  die  Reichsacht  und  ihrer  Länder  für  verlustig  erklärt.
Wallensteins  Heer  war  unterdessen  auf  100  000  Mann  angewachsen,  und  noch  immer
wurden  die  Werbungen  betrieben.  Selbst  die  katholischen  Fürsten  sahen  mißtrauisch  auf
ihn,  denn  es  war  offenbar,  daß  er  nur  danach  strebte,  auch  die  Liga  ohnmächtig  zu
machen.  Tilly  war  ihm,  als  seinem  Nebenbuhler,  ohnehin  gram.  Die  Fürsten  wendeten
sich  nun  an  Ferdinand,  damit  er  die  drückende  Kriegslast  von  Deutschland  abnehme,
aber  vergeblich.  Wallenstein  selbst  lebte  mit  mehr  als  keiserlicher  Pracht,  und  seine
Feldherrn  ahmten  ihm  nach,  während  viele  Menschen  umher  in  unbeschreiblichem  Elend
schmachteten,  und  in  der  Tat  den  Hungertod  starben.  Zur  Belohnung  seiner  Verdienste
wurde  Wallenstein  mit  Mecklenburg  belehnt  und  in  den  Reichsfürstenstand  erhoben  (1628).
Von  Mecklenburg  aus  richtete  er  nun  seine  Augen  auf  Pommern.  Der  alte  Herzog
Bogislaw  war  kinderlos  und  nach  seinem  Tode  konnte  das  Land  füglich  mit  Mecklenburg
vereinigt  werden.  Zuerst  wandte  sich  Wallenstein  nach  Stralsund.  Die  Stadt  hatte
große  Summen  zur  Unterhaltung  des  kaiserlichen  Heeres  gegeben,  jetzt  sollte  sie  auch
eine  Besatzung  annehmen.  Da  sie  sich  dessen  weigerte,  ließ  sie  Wallenstein  belagern.
Aber  die  Bürger  verteidigten  tapfer  ihre  Mauern  und  die  Könige  von  Dänemark  und
Schweden  schickten  Ueberfluß  an  Kriegsvorräten  von  der  Seeseite.  Erzürnt  rief
Wallenstein  aus:  „Und  wenn  Stralsund  mit  Ketten  an  den  Himmel  gebunden  wäre,  so
müßte  ich  es  haben!“  Er  rückte  selbst  vor  die  Stadt  und  ließ  sie  stürmen,  aber  vergeblich.
  Nachdem  er  einige  Wochen  vor  Stralsund  gelegen  und  wohl  12  000  Mann
verloren  hatte,  mußte  er  abziehen.

Die  lauten  Klagen  über  die  unerträgliche  Tyrannei  und  die  schrecklichen  Erpressungen
  des  Wallensteinschen  Heeres  sowie  über  das  hochfahrende  Wesen  Wallensteins,
erhoben  sich  endlich  von  allen  Seiten.  Das  Heer  schonte  weder  befreundete  noch  feindliche,
weder  katholische  noch  protestantische  Gegenden.  Des  Kaisers  eigener  Bruder  Leopold
machte  diesem  in  einem  Briefe  die  schauderhafteste  Schilderung  von  den  Gelderpressungen
der  Befehlshaber,  von  dem  Brennen,  Morden  und  allen  Schandtaten  der  Gemeinen
gegen  die  friedlichen  Einwohner.  Auf  dem  Rurfürstentagzu  Reegubsurg  im  Februar  1630